Greenpeace: Interne Geheim-Dokumente belegen Sicherheitsmängel bei Temelin

Greenpeace fordert von österreichischer Bundesregierung Notbremse

Wien/Prag (OTS) - Im Rahmen einer Pressekonferenz in Prag deckte Greenpeace heute auf, dass internen Dokumenten der Projektbetreiber zufolge, in der aktuellen Testphase erhebliche Sicherheitsmängel bestanden haben. Greenpeace hat Informationen, nach denen während der Abschlussarbeiten an Block 1 des AKW Temelin dubiose und unübliche Praktiken angewandt wurden, die den sicheren Betrieb des Reaktors gefährden und das Risiko eines atomaren Unfalls erhöhen könnten. Greenpeace wandte sich daher an die tschechische Regierung und die staatliche Atomsicherheitsbehörde, mit der Forderung, alle Bauinformationen, die sich auf die Sicherheit und Gesundheit der Bürger auswirken könnten, öffentlich zugänglich zu machen.

"Die Materialien, die uns zur Verfügung stehen, deuten auf schwerwiegende Fehler in der Sicherheitskultur von Temelin hin. In ihrem Bemühen, den Zeitplan zur Fertigstellung zu schaffen, hat sich das Temelin-Management auf provisorische Lösungen eingelassen, die die Betriebssicherheit des Reaktors gefährden", sagte Glenna Oberladstätter, Atomreferentin von Greenpeace Österreich. Sie fügte hinzu, dass diese Informationen vielleicht nur die Spitze des Eisbergs sind und forderte die österreichische Bundesregierung auf, durch zwischenstaatliche Verhandlungen mit der tschechischen Regierung die Notbremse zu ziehen: "Der Weiterbau von Temelin muss sofort gestoppt werden, alle sicherheitsrelevanten Daten müssen auf den Tisch!"

Greenpeace identifizierte die folgenden Probleme:

  • Um den Zeitplan zu erfüllen, griff man zu provisorischen Lösungen, die nicht die optimale Sicherheit des Reaktors gewährleisten;
  • Im Fall von unzufriedenstellenden Testergebnissen wurden die Standardprozeduren durch Modifizierung der Dokumente ersetzt;
  • In zumindest einem Fall wurde ein regulärer Test gestrichen;
  • Nicht alle Systeme, die für einen sicheren Betrieb notwendig sind, sind zu diesem Zeitpunkt funktionsbereit.

Als Beispiel führte Greenpeace an, dass der Ladekran für die Brennstoffzellen nicht voll funktionstüchtig ist. Der Software-Beauftragte des AKW kann das Problem nur beseitigen, indem der Motor ausgetauscht wird. Nachdem die tschechische Betreibergesellschaft CEZ dies untersagt hat wird jetzt eine provisorische Lösung verwendet. Die Lademaschine wird einfach an ein Notstromaggregat angeschlossen mit der Annahme, das später nach Inbetriebnahme des AKW genügend Zeit bleiben wird, um diesen Schaden zu beheben.

Auch das Sprinklersystem im ersten Block wurde nicht ausreichend getestet, da zuvor schon elektronisches Gerät eingebaut worden war, das im Falle eines Sprinklertests beschädigt worden wäre.

Um die Bedeutung der Dokumente, die Greenpeace erhalten hat zu bewerten, wäre es notwendig, die relevanten Teile des letzten Reports einzusehen, den die CEZ an die staatliche Atombehörde SUJB geschickt hat. SUJB musste Greenpeace aber die Einsicht verwehren, weil sämtliche Seiten dieses Reports von CEZ zu einem Unternehmensgeheimnis erklärt wurden.

"Greenpeace sieht absolut keinen Grund darin, solche wichtigen Dokumente geheim zu halten. Denn zur gleichen Zeit ist die Sicherheit der Arbeiter in Temelin und der Einwohner in der Umgebung des AKW in Gefahr. Im Falle eines Unfalls sind sowohl die Einwohner Tschechiens als auch die angrenzenden Nachbarstaaten gefährdet. Greenpeace ist überzeugt, dass die Sicherheit und Gesundheit von Bürgern niemals Teil eines Unternehmensgeheimnisses sein darf", erklärte Jan Haverkamp, Atom-Kampaigner von Greenpeace Tschechien anläßlich der heutigen Pressekonferenz in Prag.

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