- 03.07.2000, 11:51:29
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Greenpeace: Interne Geheim-Dokumente belegen Sicherheitsmängel bei Temelin
Greenpeace fordert von österreichischer Bundesregierung Notbremse
Wien/Prag (OTS) - Im Rahmen einer Pressekonferenz in Prag deckte
Greenpeace heute auf, dass internen Dokumenten der Projektbetreiber
zufolge, in der aktuellen Testphase erhebliche Sicherheitsmängel
bestanden haben. Greenpeace hat Informationen, nach denen während der
Abschlussarbeiten an Block 1 des AKW Temelin dubiose und unübliche
Praktiken angewandt wurden, die den sicheren Betrieb des Reaktors
gefährden und das Risiko eines atomaren Unfalls erhöhen könnten.
Greenpeace wandte sich daher an die tschechische Regierung und die
staatliche Atomsicherheitsbehörde, mit der Forderung, alle
Bauinformationen, die sich auf die Sicherheit und Gesundheit der
Bürger auswirken könnten, öffentlich zugänglich zu machen.
"Die Materialien, die uns zur Verfügung stehen, deuten auf
schwerwiegende Fehler in der Sicherheitskultur von Temelin hin. In
ihrem Bemühen, den Zeitplan zur Fertigstellung zu schaffen, hat sich
das Temelin-Management auf provisorische Lösungen eingelassen, die
die Betriebssicherheit des Reaktors gefährden", sagte Glenna
Oberladstätter, Atomreferentin von Greenpeace Österreich. Sie fügte
hinzu, dass diese Informationen vielleicht nur die Spitze des
Eisbergs sind und forderte die österreichische Bundesregierung auf,
durch zwischenstaatliche Verhandlungen mit der tschechischen
Regierung die Notbremse zu ziehen: "Der Weiterbau von Temelin muss
sofort gestoppt werden, alle sicherheitsrelevanten Daten müssen auf
den Tisch!"
Greenpeace identifizierte die folgenden Probleme:
- Um den Zeitplan zu erfüllen, griff man zu provisorischen Lösungen,
die nicht die optimale Sicherheit des Reaktors gewährleisten;
- Im Fall von unzufriedenstellenden Testergebnissen wurden die
Standardprozeduren durch Modifizierung der Dokumente ersetzt;
- In zumindest einem Fall wurde ein regulärer Test gestrichen;
- Nicht alle Systeme, die für einen sicheren Betrieb notwendig sind,
sind zu diesem Zeitpunkt funktionsbereit.
Als Beispiel führte Greenpeace an, dass der Ladekran für die
Brennstoffzellen nicht voll funktionstüchtig ist. Der Software-
Beauftragte des AKW kann das Problem nur beseitigen, indem der Motor
ausgetauscht wird. Nachdem die tschechische Betreibergesellschaft CEZ
dies untersagt hat wird jetzt eine provisorische Lösung verwendet.
Die Lademaschine wird einfach an ein Notstromaggregat angeschlossen
mit der Annahme, das später nach Inbetriebnahme des AKW genügend Zeit
bleiben wird, um diesen Schaden zu beheben.
Auch das Sprinklersystem im ersten Block wurde nicht ausreichend
getestet, da zuvor schon elektronisches Gerät eingebaut worden war,
das im Falle eines Sprinklertests beschädigt worden wäre.
Um die Bedeutung der Dokumente, die Greenpeace erhalten hat zu
bewerten, wäre es notwendig, die relevanten Teile des letzten Reports
einzusehen, den die CEZ an die staatliche Atombehörde SUJB geschickt
hat. SUJB musste Greenpeace aber die Einsicht verwehren, weil
sämtliche Seiten dieses Reports von CEZ zu einem
Unternehmensgeheimnis erklärt wurden.
"Greenpeace sieht absolut keinen Grund darin, solche wichtigen
Dokumente geheim zu halten. Denn zur gleichen Zeit ist die
Sicherheit der Arbeiter in Temelin und der Einwohner in der Umgebung
des AKW in Gefahr. Im Falle eines Unfalls sind sowohl die Einwohner
Tschechiens als auch die angrenzenden Nachbarstaaten gefährdet.
Greenpeace ist überzeugt, dass die Sicherheit und Gesundheit von
Bürgern niemals Teil eines Unternehmensgeheimnisses sein darf",
erklärte Jan Haverkamp, Atom-Kampaigner von Greenpeace Tschechien
anläßlich der heutigen Pressekonferenz in Prag.
Rückfragehinweis: Dr. Glenna Oberladstätter, Atomreferentin,
Greenpeace Österreich,
Tel.01-5454580-56 oder 0699-19433122
MMag. Franko Petri,
Pressesprecher Greenpeace Österreich,
Tel.: 01-5454580-29 oder 0676-5147246
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