• 26.06.2000, 18:01:32
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  • OTS0225

DER STANDARD bringt in seiner Dienstag-Ausgabe einen Kommentar zu den Sparplänen der FPÖ für Lehrer:

Erschienen: 27.06.2000 - Hurra, die Schule brennt - Martina Salomon

Wien (OTS) - Wer auf diesem Feld Wind sät, erntet auf jeden Fall
Sturm: Wieder einmal geht es um Reformen im Schulbereich. Und das zu
einem besonders heiklen Zeitpunkt: Schulschluss. Die Eltern sind
grantig, die Kinder müde, die Lehrer erschöpft. Doch so abgerackert
können Pädagogen gar nicht sein, dass sie nicht in eigener Sache
hyperaktiv werden. Unterrichtszeit verlängern? Mit diesem Konzept hat
schon 1994 der damalige Unterrichtsminister Erhard Busek die
schlimmste Niederlage seines politischen Lebens erlitten. Wenig
später resignierte er als Regierungsmitglied.

Verdienen Lehrer zu viel? Dieser Vorwurf hat den Kurzzeit-
Finanzminister Andreas Staribacher 1995 einen großen Schritt näher zu
seinem politischen Untergang (und dem Ressort eine unglaubliche
Briefflut) gebracht.

Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer - selbst ehemalige
Volksschullehrerin - hat die spitzen Klippen der agitationsbereiten
Lehrerschaft bisher ganz gut umschifft. Lediglich bei der letzten
Dienstrechtsreform 1998 hatte sie Feuer am Dach. Dafür, dass Lehrer
nicht mehr automatisch Überstunden bezahlt bekommen, schickte die
SP-Vorfeld-Organisation Aktion kritischer Schüler massenhaft
Jugendliche auf die Straße.

Jetzt haben die Freiheitlichen die nächste Front eröffnet, indem sie
die alte Busek-Forderung modifizierten und mehr Unterrichtszeit von
den Lehrern fordern. Vom Zeitpunkt her nicht gerade glücklich
gewählt: Noch ist ja nicht einmal die Pensionsreform unter Dach und
Fach. Außerdem ist der Vorstoß offenbar nicht mit dem
Unterrichtsressort abgesprochen, das bisher Einsparungen beim
Lehrpersonal explizit ausgeschlossen hat. Und drittens wird es den
Freiheitlichen in dieser Form wohl kaum gelingen, gegen die mächtige
Standesvertretung der Pädagogen Schulpolitik zu betreiben.

Viele Lehrer sind wütend, weil sie ihre Arbeit abgewertet sehen. Das
ist nachvollziehbar. In ihrer Reformabwehr schlagen sie allerdings
gelegentlich über die Stränge. Als der Wiener Stadtschulratspräsident
Kurt Scholz 1997 harmlose Feedback- Bögen - Schüler über Lehrer -
erwog (wo sind sie geblieben?), erntete er eine Betonwatsche nach der
anderen.

Wie in jedem anderen Beruf auch gibt es unter den Lehrern Fleißige
und Penner. Das Frustrierende für engagierte Pädagogen ist jedoch,
dass die Faulen nie zur Verantwortung gezogen werden, gleich viel
verdienen und zu allem Überfluss das gesamte Berufsbild beschädigen.
Wer kennt sie nicht? Jene Lehrer, die gleich nach den Sommerferien
auf Kur gehen, seit zwanzig Jahren das gleiche, fade Lehrbuch
herunterbeten und aufmüpfige Kinder mit schlechten Noten bestrafen.

Schulpolitiker sollten daher weniger über Mehrstunden für Lehrer
nachdenken, sondern darüber, wie die Schule interessanter,
spannender, offener, verständnisvoller, fächerübergreifender,
bilingualer, technik-freundlicher werden kann. Wer selbst Kinder in
der Schule hat, fasst es oft nicht, wie verstaubt und öde mancher
Unterricht, wie bürokratisch-verzopft mancher Lehrer ist.

Vieles im Schulwesen lebt vom Idealismus der Mehrzahl der Lehrer.
Daher sollte auch ihrer Ausbildung dementsprechendes Augenmerk
gewidmet werden. Denn die pädagogische Qualifikation in den höheren
Schulen ist gelegentlich mehr als mickrig. Ein brillanter Fachmann
muss kein guter Lehrer sein. Und grauen Mäusen sollte von der
Berufswahl ohnehin dringend abgeraten werden. Sie laufen geradewegs
ins spätere Burn-out.

Schließlich sind die Kinder anstrengender geworden (und die Eltern
auch). Gute Lehrer haben wirklich keinen Teilzeitjob. Schlechte
manchmal schon.

Rückfragehinweis: Der Standard
Tel.: (01) 531 70/0

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