- 26.06.2000, 18:00:00
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WirtschaftsBlatt über die Bank Burgenland-Skandal: Dumm oder kriminell? von Wolfgang Unterhuber
Ausgabe vom 27.6.2000
Wien (OTS) - Der Skandal um die Bank Burgenland hätte das Zeug für
ein Drama auf der Mörbischer Seebühne. Unklar ist noch, wie die
Haupt- und Nebenrollen verteilt werden. Da stellt sich zunächst die
Frage, was eigentlich im Kopf des inzwischen verhafteten Bankgenerals
Ernst Gassner vor sich ging, als er über Jahre hinweg einem einzigen
Unternehmen Endloskredite vergab, bis diese schliesslich die
Eigenmittel bei weitem überstiegen. Und wie ist es möglich, einem
Bilanzfälscher Milliarden auszuhändigen, wo doch nur eine kurze
Recherche offenbart hätte, mit wem man sich da einlässt. Gassner für
all das die Hauptverantwortung in die Schuhe schieben zu wollen, wäre
allerdings billig. Die Untersuchungen werden zeigen, welche Rolle
Gassners ehemalige Vorstandskollegen Günter Widder und Manfred
Schneider spielten und was der Aufsichtsrat während all der Jahre so
trieb. Denn Warnungen, dass bei Hom-Rusch und seiner von ihm
gegründete Howe-Gruppe nicht alles koscher war, gab es seit
mindestens fünf Jahren. Trotzdem blieb der Geldhahn für den Felix
Krull vom Neusiedlersee weiterhin offen. Einer der Aufsichtsräte soll
sogar noch dann für einen Kredit an Hom-Rusch plädiert haben, als
längst alle Alarmsirenen heulten. Da passt das Verhalten der obersten
Eigentümervertreter der Bank Burgenland, die mehrheitlich dem Land
und zu 40 Prozent der Bank Austria gehört, gut ins Bild. Die Bank
Austria tut derzeit so, als gehe sie das alles nichts an. Bank
Austria-General Gerhard Randa sass aber noch im burgenländischen
Aufsichtsrat, als die Affäre schon am Kochen war. Landeshauptmann
Karl Stix wiederum mimt den betrogenen Ehemann und gibt vor, als
letzter von der Affäre erfahren zu haben. Rücktrittsforderungen
kommentiert er unwirsch und sagt, dass sich alle noch über sein
Stehvermögen wundern würden. Das deutet darauf hin, dass Stix im
Stile absolut herrschender Landespotentaten längst den Sinn fürs
Reale verloren hat. Letztendlich bleibt die Frage, ob die
Verantwortlichen nur unendlich dumm waren und nach dem Motto "Es wird
schon keiner draufkommen" handelten. Dann wäre es eine Tragikomödie.
Falls hinter dem Skandal aber ein ausgeklügeltes kriminelles Motiv
einiger Bonzen steht, wäre es eine Tragödie. Nicht nur
wirtschaftlich, sondern auch politisch. wu
Rückfragehinweis: Das WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 91919-305
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