"Neues Volksblatt" Kommentar: "Zerrissen" (Von Walter Salzmann)

Ausgabe vom 19. Juni 2000

Linz (OTS) - Nun also wissen wir es: Das mögliche Ende der Sanktionen der EU-14 gegen Österreich ist ein Erfolg Alfred Gusenbauers und seiner Besuchsdiplomatie.

Peinlicher hätte der SPÖ-Vorsitzende wohl nicht mehr agieren können, wie in der gestrigen Pressestunde des ORF.

Zugegeben: Der Klima-Nachfolger ist um seine Positionierung nicht zu beneiden. Auf der einen Seite hat er als frisch gebackener Oppositionsführer natürlich eminentes Interesse am Boykott der neuen Bundesregierung durch die EU gehabt (Gusenbauer befürwortete diesen auch mehrmals, obwohl er heute nichts mehr davon wissen will), auf der anderen Seite hat der SPÖ-Chef mit ansehen müssen, dass genau dieser Boykott Schüssel, Ferrero-Waldner und Riess-Passer innenpolitisch zu einem geradezu unglaublichen Prestigegewinn verholfen hat, während der SPÖ Wählergunst kontinuierlich abhanden gekommen ist.

Gusenbauers heutiges Interesse an einem Ende der Sanktionen ist ihm abzunehmen, ändert aber nichts an seiner Unglaubwürdigkeit. Es entspringt nämlich keinesfalls einem Gesinnungswandel gegenüber den Sanktionen, sondern ist lediglich Ausdruck der Erkenntnis, dass nur ein Ende der Sanktionen die innenpolitische Auseinandersetzung wieder in den Vordergrund rücken kann. Gusenbauer bleibt ein Zerrissener.

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