• 01.06.2000, 11:30:00
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  • OTS0039

Depressive Patienten neigen zu koronaren Herzkrankheiten 1

Auch alleinstehende Patienten sind mehr gefährdet - Kardiologentagung in Gmunden

Wien (OTS) - Der Einfluß psychosozialer Faktoren auf den
Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen scheint größer zu sein, als
bisher angenommen. Das belegen eine Reihe von Studien, die zur Zeit
im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen
Gesellschaft in Gmunden vom 31. Mai bis 3. Juni 2000 diskutiert
werden. Vor allem depressive und sozial isolierte Menschen haben
demnach ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine Herzattacke
zu erleiden. Auch die Mortalitätsrate ist bei labilen Men-schen
signifikant erhöht. ****

"Depressive Erkrankungen werden bei etwa 5 Prozent der
Bevölkerung gefunden. Bei Patienten mit einem akuten Myokardinfarkt
ist die Prävalenz jedoch dreifach erhöht", sagte der Präsident der
Kardiologentagung, Univ.-Prof. Dr. Heinz Weber, Vorstand der 5.
Medizinischen Abteilung mit Kardio-logie im Kaiser-Franz-Josef-Spital
in Wien. Depressive Myokardinfarkt-Patienten hätten darüber hinaus
eine signifikant erhöhte Mortalität innerhalb der dem Infarkt
folgenden 18 Monate, am stärksten während des ersten Halbjahres.

Aber auch andere psychosoziale Faktoren haben einen negativen
Einfluß auf das Herz-Kreislauf-System. Darüber berichtete Dr. Georg
Titscher von der Kardiologischen Abteilung im Wiener
Hanusch-Krankenhaus. Allen voran dürfte die soziale Integration des
Patienten eine entscheidende Bedeutung auf Auftreten und Verlauf von
koronaren Herzkrankheiten haben. Titscher: "Wir wissen, daß
unverheiratete Koronarkranke ohne Lebenspartner oder
Vertrauenspersonen ein dreifach erhöhtes Mortalitätsrisiko innerhalb
von fünf Jahren haben."

Umgekehrt gilt die soziale Unterstützung seit langem als
schützender Faktor sowohl für die Entstehung einer koronaren
Herzkrankheit als auch den Verlauf bei einer schon bestehenden
Krankheit. Die Rate der erneuten kardialen Ereignisse - Reinfarkt
oder Herztod - liegt bei Patienten, die alleine leben, bei 15,8
Prozent, bei denen, die nicht alleine leben, jedoch bei nur 8,8
Prozent. Detail am Rande: Die Ergebnisse gelten für beide
Geschlechter.

Als Verhaltensweisen, die mit einer gesteigerten Häufigkeit
von koronaren Herzkrankheiten einhergehen, nennt Titscher
Feindseligkeit, gesteigertes Leistungsdenken sowie extremes
berufliches Engagement. Vor allem in Kombination mit niedrigem
Einkommen scheinen diese Faktoren besonders gefährlich zu sein.
Titscher: "Koronare Herzerkrankungen treten in den Industrieländern
überproportional häufig in den unteren sozialen Schichten auf." Daher
sei es auch nicht zulässig, den Herzinfarkt wie üblich als
"Managerkrankheit" zu bezeichnen. Titscher: "In Untersuchungen
konnten wir feststellen, daß der Teufelskreis aus übersteigerten
beruflichen Engagement, hoher Verausgabungsbereitschaft und niedriger
Entlohnung mit einem 2,2fach erhöhten koronaren Risiko verbunden
ist."

Die aus diesen Erkenntnissen folgernden Konsequenzen sind für
die Mediziner klar. Kardiologe Weber: "Die eindeutigen Auswirkungen
psychosozialer Faktoren auf die Genese und Prognose koronarer
Herzkrankheiten erfordern vom klinisch tätigen Arzt eine Erweiterung
des diagnostischen Spektrums und ein Umdenken im Management von
Risikopatienten." Kardiologische Anamnesen müßten demnach die
psychischen und sozialen Lebensbedingungen miterfassen. Weber: "Ein
depressiver Herzpatient gehört umgehend auch in eine entsprechende
psychotherapeutische Behandlung." Und: Bei der Beratung des Patienten
müsse der behandelnde Kardiologe unbedingt auf den Zusammenhang
psychosozialer Faktoren auf Entstehung und Verlauf von
Herzerkrankungen hinweisen. (Forts.)

Rückfragehinweis: Tagungssekretariat, Telefon 07612/66014

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