Depressive Patienten neigen zu koronaren Herzkrankheiten 1

Auch alleinstehende Patienten sind mehr gefährdet - Kardiologentagung in Gmunden

Wien (OTS) - Der Einfluß psychosozialer Faktoren auf den
Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen scheint größer zu sein, als bisher angenommen. Das belegen eine Reihe von Studien, die zur Zeit im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft in Gmunden vom 31. Mai bis 3. Juni 2000 diskutiert werden. Vor allem depressive und sozial isolierte Menschen haben demnach ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine Herzattacke zu erleiden. Auch die Mortalitätsrate ist bei labilen Men-schen signifikant erhöht. ****

"Depressive Erkrankungen werden bei etwa 5 Prozent der Bevölkerung gefunden. Bei Patienten mit einem akuten Myokardinfarkt ist die Prävalenz jedoch dreifach erhöht", sagte der Präsident der Kardiologentagung, Univ.-Prof. Dr. Heinz Weber, Vorstand der 5. Medizinischen Abteilung mit Kardio-logie im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien. Depressive Myokardinfarkt-Patienten hätten darüber hinaus eine signifikant erhöhte Mortalität innerhalb der dem Infarkt folgenden 18 Monate, am stärksten während des ersten Halbjahres.

Aber auch andere psychosoziale Faktoren haben einen negativen Einfluß auf das Herz-Kreislauf-System. Darüber berichtete Dr. Georg Titscher von der Kardiologischen Abteilung im Wiener Hanusch-Krankenhaus. Allen voran dürfte die soziale Integration des Patienten eine entscheidende Bedeutung auf Auftreten und Verlauf von koronaren Herzkrankheiten haben. Titscher: "Wir wissen, daß unverheiratete Koronarkranke ohne Lebenspartner oder Vertrauenspersonen ein dreifach erhöhtes Mortalitätsrisiko innerhalb von fünf Jahren haben."

Umgekehrt gilt die soziale Unterstützung seit langem als schützender Faktor sowohl für die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit als auch den Verlauf bei einer schon bestehenden Krankheit. Die Rate der erneuten kardialen Ereignisse - Reinfarkt oder Herztod - liegt bei Patienten, die alleine leben, bei 15,8 Prozent, bei denen, die nicht alleine leben, jedoch bei nur 8,8 Prozent. Detail am Rande: Die Ergebnisse gelten für beide Geschlechter.

Als Verhaltensweisen, die mit einer gesteigerten Häufigkeit von koronaren Herzkrankheiten einhergehen, nennt Titscher Feindseligkeit, gesteigertes Leistungsdenken sowie extremes berufliches Engagement. Vor allem in Kombination mit niedrigem Einkommen scheinen diese Faktoren besonders gefährlich zu sein. Titscher: "Koronare Herzerkrankungen treten in den Industrieländern überproportional häufig in den unteren sozialen Schichten auf." Daher sei es auch nicht zulässig, den Herzinfarkt wie üblich als "Managerkrankheit" zu bezeichnen. Titscher: "In Untersuchungen konnten wir feststellen, daß der Teufelskreis aus übersteigerten beruflichen Engagement, hoher Verausgabungsbereitschaft und niedriger Entlohnung mit einem 2,2fach erhöhten koronaren Risiko verbunden ist."

Die aus diesen Erkenntnissen folgernden Konsequenzen sind für die Mediziner klar. Kardiologe Weber: "Die eindeutigen Auswirkungen psychosozialer Faktoren auf die Genese und Prognose koronarer Herzkrankheiten erfordern vom klinisch tätigen Arzt eine Erweiterung des diagnostischen Spektrums und ein Umdenken im Management von Risikopatienten." Kardiologische Anamnesen müßten demnach die psychischen und sozialen Lebensbedingungen miterfassen. Weber: "Ein depressiver Herzpatient gehört umgehend auch in eine entsprechende psychotherapeutische Behandlung." Und: Bei der Beratung des Patienten müsse der behandelnde Kardiologe unbedingt auf den Zusammenhang psychosozialer Faktoren auf Entstehung und Verlauf von Herzerkrankungen hinweisen. (Forts.)

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