"Sicher Leben"-Produktsicherheitsdienst: Jeden Sommer 40 Knochenbrüche durch Klappstühle

Wien (OTS) - Verletzungen beim Auf- oder Umstellen von faltbaren Campinghockern, klappbaren Gartenlehnstühlen, Regiesesseln oder verstellbaren Sonnenliegen gehören inzwischen zum Sommer wie Gelsen, Tüten-Eis oder Sonnenbrand. Wieviele Österreicher sich dabei wirklich einklemmen, abschürfen oder stechen, kann niemand genau sagen. Meist ist der schmerzhafte Zwischenfall mit kurzem Schimpfen der Betroffenen und schadenfrohem Gelächter der Umstehenden schnell abgetan.

300 "Zerquetschte" jährlich

Jede Sommersaison nehmen aber rund 300 Österreicher in den Notaufnahmen der Spitäler Platz, da sie mit schwereren Verletzungen für wenig durchdachte "Klappwunder" bezahlen. Die meisten Opfer kommen dabei mit Fingern oder Hautteilen von Unterarm oder Oberschenkel in die Klemme, wenn sie Sitzmöbel aufstellen oder verrücken oder deren Rückenlehnen verstellen. Der Großteil der "Hoppalas" passieren nicht etwa beim Campen, sondern in der Wohnung oder in deren unmittelbaren Umgebung, etwa am Balkon oder auf der Terrasse. Die häufigsten Verletzungen sind Quetschungen oder Prellungen, gefolgt von offenen Wunden.

Ein Elefant am Finger: 40 Knochenbrüche

Klappbare Campingmöbel oder Gartensessel sind Konstruktionen aus beweglichen Verstrebungen und Scharnieren, die durch Hebelwirkungen hohe Kräfte auf eingeklemmte Körperteile ausüben können. Geringe Spannungskräfte von Federn können so zu "Elefantenkräfte" werden. Zu den schwersten Verletzungen kommt es, wenn das eigene Körpergewicht durch die mechanische Übersetzung des Gestänges auf einen eingeklemmten Finger vervielfacht wird. Die Gipsstationen der Spitäler versorgen deswegen jeden Sommer etwa 40 gebrochene Finger.

Keine Klappstühle für Kinder

Klappsessel eignen sich nicht für Kleinkinder, selbst wenn solche in Kindergrößen angeboten werden. Die Kleinen turnen auf den Sitzmöbeln oder laufen damit herum. Gerade die kleinen "Reißteufeln" laufen Gefahr, sich die Finger einzuklemmen, wenn ein klappbarer Stuhl zusammenfällt, etwa weil beim Herumtollen der Querbalken aus der Einrastung gehoben wurde.

Konsumententips

Vermeiden Sie Billigprodukte. Sie sind nicht nur gefährlich, sondern meist nach einem Sommer bereits schadhaft oder zumindest abgenützt.

Gute und sichere Sitz- oder Liegemöbel für Draußen entsprechen der ÖNORM EN 581-1. Normgerechte Möbel sind entsprechend gekennzeichnet. Fragen Sie im Zweifelsfalle Ihren Händler.

Wer Klappsessel und Liegestühle allein nach Bilder am Verpackungskarton oder im Katalog auswählt, kauft die Katze im Sack. Testen Sie vor dem Kauf. Gute Fachhändler haben alle zum Verkauf angebotenen Gartensitzmöbel ausgestellt.

Produzententips

Keine Scher- und Quetschstellen ermöglichen. Diese sind laut ÖNORM bereits gegeben, wenn der Abstand zwischen zwei zugänglichen, gegeneinander beweglichen Teilern unter Körpergewichtsbelastung weniger als 18 mm und mehr als 7 mm beträgt.

Kanten und Ecken sind mit einem Radius von mindestens 2 mm abzurunden.

Einrastungen sind derart auszuführen, daß ein weiteres Bewegen von Stuhlteilen nach dem Auseinanderfalten oder Verstellen des Möbels verhindert werden. Die Stellung von fixierbaren Rückenlehnen muß auch unter Belastung halten.

44.000 Interviews im Dienste der Produktsicherheit

Die Auswertung zum Produkt "Liegestuhl" basiert auf Daten des Unfallerhebungssystemes für Heim-, Sport- und Freizeitunfälle EHLASS. Das Institut "Sicher Leben" erhebt in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium und dem Büro für Konsumentenschutz im Justizministerium die österreichischen Daten für dieses europäische Unfallerhebungssystem. Eigens für EHLASS angestellte und geschulte Interviewer sprechen in vier österreichischen Spitälern mit ambulant und stationär behandelten Unfallopfern, die sich im Haushalt, beim Sport oder in der Freizeit verletzt haben. Dabei werden detaillierte Fakten über Unfallursachen, beteiligte Produkte, betroffene Personen und Verletzungen erhoben. EHLASS ermöglicht so nicht nur, gefährliche Produkte zu erkennen und gegebenenfalls vom Markt abzuziehen, es ist vor allem auch ein System, um Unfallzusammenhänge zu untersuchen und damit Informationen zur laufenden Verbesserung von Produkten zu gewinnen. Derzeit stehen rund 44.000 Interviews zur Verfügung.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Institut "Sicher Leben":
Mag. Thomas Lettner,
Tel. 01-71770 DW 158,
sicherleben@sicherleben.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KFV/OTS