• 29.05.2000, 18:00:09
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  • OTS0267

Das WirtschaftsBlatt - Kommentar von Wolfgang Unterhuber

Ausgabe vom 30.5.2000

Wien (OTS) - Die Schalterbediensteten der Post sind unzufrieden
und demotiviert. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Ifes-Umfrage.
Konkret halten 80 Prozent der 2700 befragten Personen den
Führungsstil in ihrem Unternehmen für "starr und hierarchisch". Jeder
Zweite ist der Meinung, dass das Management nicht viel taugt und die
überwiegende Mehrheit (91 Prozent) hat das Gefühl, über die
Personalpläne nicht ausreichend informiert worden zu sein. Ratschlag:
Mehr Zeitung lesen, dort steht nämlich, was die Manager ihren
Mitarbeitern vielleicht nicht gerne sagen. Der Chef des
Personalausschusses der Post in Oberösterreich, Manfred Schöndorfer,
spricht von einem "vernichtenden Urteil". Das Managment müsse sich
fragen, ob mit einer derart frustrierten Mannschaft die geplanten
Ziele überhaupt erreicht werden könnten. Insgesamt betrugen die
Personalkosten bei der Post zuletzt 14 Milliarden. Im Rahmen des
sogenannten Speed-Programms will das Management 2,8 Milliarden
einsparen. Das findet die Gewerkschaft natürlich nicht in Ordnung,
ohne freilich sagen zu können, wie das Unternehmen auf das Ende des
Briefmonopols ohne Personal- und Privilegienabbau reagieren soll.
Apropos Privilegien: Offenbar wurden die Beamten nicht zu ihren
Sonderrechten befragt. Denn bei dem zu Tage getretenen Grant wären
sie vielleicht sogar mit sich selbst ins Gericht gegangen. So dürfen
die Schalterbediensteten nur 45 Minuten arbeiten. Das schreibt eine
Verordnung aus dem Jahr 1919 vor. Die restlichen Minuten müssen für
Büroarbeiten und Erholung aufgewendet werden. Auch die sogenannte
Mitbesorgung wäre einigen vielleicht sauer aufgestossen. Wenn ein
Beamter erkrankt, erhält der Kollege, der seinen Job miterledigt,
einfach mir nichts dir nichts sechs Überstunden, egal, wie lange die
Arbeit nun tatsächlich gedauert hat.

Die Gewerkschaft hat bis jetzt zu erkennen gegeben, dass sie nicht
bereit ist, von den Steinzeitvorschriften grosszügig abzuweichen.
Statt dessen werden jetzt Umfragen herangezogen, in denen die Beamten
- no na - dem Management allerlei Unsinnigkeiten vorwerfen. Die
Umfrage zeigt aber auch das Mentalitätsproblem der Postler.
Jahrzehntelang von den Privilegien verwöhnt tun sie sich jetzt
begreiflicherweise mit der bevorstehenden freien Marktwirtschaft
schwer und schieben die Schuld stattdessen auf das
Management.(Schluss) wu

Rückfragehinweis: Das Wirtschaftsblatt
Tel.: (01) 91919-316

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