- 24.05.2000, 15:09:39
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- OTS0297
Mercedes Echerer im Gespräch mit dem Künstler Itzu Rimmer (Israel) - BILD (web)
Wien (OTS) - Mercedes Echerer, Abgeordnete zum Europaparlament,
eröffnet am Montag, dem 29.5.2000 19:00 Uhr gemeinsam mit
Kulturstadtrat Dr. Peter Marboe die neue M-ART internationale Galerie
am Börseplatz 3, 1010 Wien.
Gezeigt wird eine Ausstellung von 5 israelischen Künstlern unter
dem Titel "miteinanders".
Sie führte ein Interview mit dem Künstler Itzu Rimmer, dessen Bild
"conversations with god" die Einladung ziert:
ME: Warum haben Sie sich zu einer Ausstellung - trotz der heiklen
politischen Lage in Österreich - entschlossen?
IR: Als Israeli und Jude bin ich besonders aufmerksam, was Rassismus
und Diskriminierung jedweder Art, Verletzung von Menschenrechten und
ganz speziell Antisemitismus betrifft. Gleichzeitig glaube ich aber,
dass Kunst, die auf ganz persönliche Art geschaffen wird, Menschen
zusammenbringt. Sie wendet sich gegen jede Art von willkürlichen
Grenzen und kann Gräben zwischen Menschen zuschütten. Sie ist eine
internationale Sprache, die überall verstanden wird und kennt keine
Grenzen in jedweder Form.
Darüberhinaus glaube ich, dass die Mehrheit der österreichischen
Bevölkerung keinerlei falschen Ideologien folgt, was mich als Israeli
dazu veranlaßt genau zu unterscheiden zwischen denen, die willens
sind zuzuhören und den anderen. Beziehungen aufzubauen, die auf
Gleichheit und menschlicher Achtung beruhen, sind mir ein Anliegen.
ME: Herr Itzu Rimmer, warum nennen Sie viele Ihrer Bilder
"Gespräche - conversations" oder " Gespräche mit Gott - conersations
with god"? Soll das heißen, dass Ihre Arbeiten als religöse Werke zu
bezeichnen sind - sind Sie religiös?
IR: Kunst ist gemäß Definition und aus der Natur der Sache heraus
eine Befassung mit der Erhabenheit. Man muß nicht religiös sein, um
das Erhabene, Göttliche und Transzendentale zu verstehen und um damit
zu kommunizieren. Für mich bedeutet religiös zu sein nicht das
bestimmte Praktizieren von Riten - in diesem Sinne bin ich nicht
religiös - aber ich glaube an eine überall präsente göttliche
Existenz.
ME: Die menschliche Figur in Ihren Bildern spiegelt eine bestimmte
Einsamkeit wider. Ist diese Einsamkeit in einem Zusammenhang mit
Ihrer eigenen Persönlichkeit zu sehen oder mit der Ihrer Person als
Künstler?
IR.: Ein Künstler zu sein, bedeutet dem Grunde nach, einsam zu
handeln - wir Künstler treffen in der isolierten Einsamkeit des
Studios alle Entscheidungen - wir sind zum Mißverständnis verurteilt
- wir können niemals den Einflüssen anderer auf unser Werk Vertrauen
schenken. Meine Arbeit spiegelt nicht meine persönliche Situation
wider, sondern ist ein Versuch einer Untersuchung menschlicher
Beweggründe in bezug auf die Auseinandersetzung mit der Natur, eine
Auseinandersetzung der tiefen Bedeutung unserer Existenz und über
allem, um uns selbst kennenzulernen. Je verwundbarer wir sind oder
uns fühlen, desto mehr Kraft haben wir, uns mit der Welt auseinander
zu setzen.
ME: Obwohl Ihre Bilder reich an Farben sind beinhalten sie nur
sehr wenige Elemente - meist nur drei oder vier. Würden Sie sich als
ein Minimalist bezeichnen?
IR: Meine künstlerische Sprache ist hebräisch - obwohl ich stark
von Minimalisten wie den Amerikanern Mark Rothko und Barnett Newman
sowie dem Franzosen Pierre Solage beeinflußt bin. Die Sprache der
Bibel ist sehr knapp, kurz und richtig auch dann, wenn sie poetisch
wird. Sie ist immer offen für eine Vielzahl von Interpretationen
(möglicherweise wegen des inhärenten Minimalismuses). Darüber hinaus,
wenn ich meine Arbeiten betrachte, kommt das starke, strahlend schöne
Licht der israelischen Sonne, welches die Nuancen trübt, durch und
läßt unnachgiebig nur den Kontrast von Farbe und Form sichtbar
werden. Wenn man unter solchen Bedingungen aufgewachsen ist, fällt
mir keine andere Form der Sprache ein als die, der klar umgrenzten
minimalistischen.
ME: Viele Ihre Bilder weisen ganze Flächen nur mit der Struktur
und der Farbe der rauhen Leinwand aus. Wie kommentieren Sie das?
IR : Die Farbe und Struktur der Leinwand lassen einen Rückschluß
auf die Erde zu. Farbige Flächen symbolisieren das Universum,
reflektiert durch das göttliche Licht, welches vom Himmel kommt. Die
menschliche Figur steht für unsere begrenzte Kapazität des Begreifens
der komplexen Beziehungen zwischen dem Ganzen.
ME: Wie sehen Sie Ihre Kunst im Rückblick der letzten 10 Jahre?
IR: Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich sehe mich als ein sehr
intuitiver Künstler der nicht nach langfristigen Plänen arbeitet.
Mein derzeit größter Wunsch ist es, "die Stille von Gott, dem
Universum und der Menschheit" zu malen. Aber zur gleichen Zeit bin
ich von der Erde und dem Bemalen ihrer metaphysischen Landschaft
magisch angezogen.
ME: Warum glauben Sie, muß man ein Werk von Itzu Rimmer besitzen?
IR: Abseits der Schönheit meiner Arbeiten drücken diese in einer
nonverbalen Tiefe die Gedanken und Gefühle jeder Person aus. Sie
können keine Antwort geben aber sie ermöglichen, an seinen oder ihren
tiefsten Gedanken über einen selbst und seiner/ihrer Welt teilnehmen
zu können. Ich kann noch darüber hinaus hinzufügen, dass ein Einblick
in meine Arbeiten jedermann mehr Selbstzufriedenheit gibt. (siehe
auch OTS0296 vom 17.5.2000)
(Siehe auch APA/AOM - Original Bild Service)
Bild auch abrufbar auf APA/OTSweb: http://www.ots.apa.at
Rückfragehinweis: M-ART int. Galerie am Börseplatz
Mag. Rudolf Mather
Tel.: (01) 535 98 60 od.
+43 6991 535 98 60
e-mail: [email protected]
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