Stadtrat Rieder zum Finanzausgleich

"Wien wird Benachteiligung nicht hinnehmen" - Maßnahmen bei Patienten aus anderen Bundesländern möglich

Wien, (OTS) "Die Wiener Bevölkerung zahlt jährlich netto zwei Milliarden Schilling für die medizinische Versorgung von Patienten aus anderen Bundesländern", erklärte Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Montag Abend vor Führungskräften des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV). "Daher ist klar, dass Wien ein Abgehen vom abgestuften Bevölkerungsschlüssel beim Finanzausgleich, wie es von manchen Seiten gefordert wird, nicht ohne weiteres hinnehmen wird." Ein Abgehen von diesem Bevölkerungsschlüssel würde ein sofortiges Aus für die Bemühungen um den "Gesundheitsverbund Ostregion" und massive Änderungen für Patienten aus anderen Bundesländern in Wien bedeuten. "Sollte es
zu so einem Frontalangriff gegen die Wiener Interessen kommen,
sind wir gezwungen, die Frage der Abgeltung von medizinischen Behandlungen von Nicht-Wiener Patienten neu zu regeln. Es ist vorstellbar, dass in einem solchen Fall, ausser natürlich in Notfällen, Behandlungen nur mehr durchgeführt werden, wenn eine Kostenübernahmeerklärung der Heimatgemeinde vorliegt, oder der Patient eine entsprechende Kaution hinterlegt", führte Rieder weiter aus.****

Derzeit habe er, Rieder, den Eindruck, dass das Gesundheitswesen systematisch "kaputtgeredet" werde, um Maßnahmen auf dem Rücken der Patienten möglichst rasch durchzuziehen. "Dabei gibt es ein Reihe internationaler "Kronzeugen" dafür, dass das österreichische Gesundheitswesen zu den effizientesten der Welt gehört. Unter diesen Kronzeugen finden sich die OECD, das
Schweizer Managementinstitut oder das Deutsche Basys-Institut."
Wenn man darüber hinaus einen Vergleich des österreichischen Gesundheitswesens mit einem BIP-Anteil von 9 Prozent und einer
fast 100-prozentigen Versorgung der Bevölkerung mit dem amerikanischen System anstellt, wo 14 Prozent des BIP für Gesundheit ausgegeben werden, jedoch 40 Millionen Menschen unversichert sind, werde schnell klar, in welchem System die
Mittel besser eingesetzt werden, so Rieder.

Rationalisierungsmaßnahmen greifen in Wien voll

Schon seit Jahren gebe es in den Wiener Spitälern radikale Rationalisierungsmaßnahmen. So seien in den letzten zehn Jahren in den städtischen Spitälern 1.055 Betten reduziert und drei Standorte aufgegeben worden. Im Gegensatz dazu gebe es in den mit öffentlichen Geldern bezuschussten Privatspitälern heute in Summe mehr Betten als noch vor zehn Jahren.

Gleichzeitig seien auch die Aufenthaltsdauern zurückgegangen. Zum Beispiel im AKH von 1993 auf 1999 von 9,34 auf 7,81 Tage, in
den anderen städtischen Häusern von 9,9 auf 8 Tage und in der Psychiatrie sogar von 42 auf 12 Tage.

Im gleichen Zeitraum gebe es aber auch Kostenrückgänge zu verzeichnen. So wurden 1993 im AKH pro Patient und Tag 3.149 Schilling für Medikamente und medizinische Gebrauchsgüter ausgegeben, 1999 nur mehr 3.090 Schilling.

Rieder: "Facharztfreier Raum ist Wurzel vieler Übel"

"Nicht die Spitalsambulanz ist die Wurzel allen Übels,
sondern der ´facharztfreie Raum´, der z.B. in Wien von Donnerstag Abend bis Montag Morgen herrscht", reagierte Rieder auf entsprechende Aussagen von Gesundheitsstaatssekretär Dr. Reinhart Waneck. "Patienten mit einen Selbstbehalt zu bestrafen, weil sie
in Ermangelung einer adäquaten Versorgung im niedergelassenen Bereich Spitalsambulanzen aufsuchen, kann nicht die Lösung des Problems sein." Wo sollten denn die Menschen hin, wenn zum
Beispiel im 22. Bezirk mit 132.803 Einwohnern an Freitagen nur 3 Ordinationsstunden bei HNO-Ärzten oder 130.859 Einwohner des 21. Bezirkes an Freitagen mit 2 Ordinationsstunden bei einem Augenfacharzt auskommen müssten, schloss Rieder. (Schluss) nk

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