"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nur noch einer" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 10.5.2000

Graz (OTS) - Die Umfragen zeigen es an: Alexander Van der Bellen dürfte der beliebteste Parteiobmann sein, den die Grünen je hatten.

Der hohe Zuspruch hat Gründe: Der Professor mit dem heiteren Phlegma wirkt in dem, was er sagt, authentisch und: Er hat eine Tugend in den Verhaltenskanon der Innenpolitik eingeführt, die dort nur selten ein Existenzrecht hatte: Bedachtsamkeit.

Diese philosophische Langsamkeit, die mit der asthmatischen Aufgeregt heit des politischen Betriebes recht charmant kontrastiert, spiegelte sich auch in Van der Bellens gestrigem Bozen- Auftritt.

Spät, dafür erstaunlich undialektisch übte der Grünen-Chef erstmals Kritik an den EU-Sanktionen. Van der Bellen leugnete nicht, im Jänner angesichts seiner Skepsis gegenüber der freiheitlichen Mitregentschaft Verständnis für den Bannstrahl der EU-14 aufgebracht zu haben - aber: "Wenn ihnen jetzt nichts anderes ein fällt, dann sollte man die Maßnahmen streichen."

Klar: Van der Bellen will, wenn die Mauer bröckelt, nicht unter ihr zu liegen kommen. Eine Gefahr, die für den Obmann der SPÖ noch nicht gebannt ist. Der Moskaukundige sollte von Gorbatschow wissen:
Wer zu spät kommt, den bestraft also gut, lassen wir das. ****

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