• 09.05.2000, 10:48:38
  • /
  • OTS0098

Standardwerk zur Geschichte der Gewerkschaften präsentiert

Scharfe Kritik an Regierung von AK-Präsident Tumpel und ÖGB-Vizepräsident Weninger bei Buch-Präsentation

Wien (ÖGB). Die jetzige Regierung habe das größte
Umverteilungsprogramm in der Geschichte der 2. Republik zu
verzeichnen, kritisierte AK-Präsident Mag. Herbert Tumpel gestern
Abend bei der ÖGB/AK-Veranstaltung "Um Recht und Chancen für
ArbeitnehmerInnen". ÖGB-Vizepräsident und Vositzender der
Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Günter Weninger, warnte
insbesondere davor, den Kollektivverträgen den Zahn zu ziehen.++++

Tumpel warf der Regierung vor, den Sozialstaat zurückzudrängen und
die Institutionen der Arbeiterkammern zerschlagen zu wollen. Zur
angekündigten Einbringung einer Novelle zum AK-Gesetz sagte Tumpel,
dies sei abstrus. Privilegien gebe es nicht mehr. Die Arbeiterkammer
solle mundtot gemacht werden. Tumpel: "Wir verstehen uns nicht als
Speerspitze gegen die Regierung, aber wir lassen uns nicht
vorschreiben, was wir an Vorschlägen entwickeln." Wo es gegen die
Interessen der ArbeitnehmerInnen gehe, gelte, "dass wir uns wehren".

Weninger übte scharfe Kritik am Versuch der Regierung, die
ArbeitnehmerInnen wieder zu leicht verfügbarem, leicht austauschbarem
und leicht kontrollierbarem "Menschenmaterial am freien Markt" zu
machen. Um dies zu erreichen, werde alles daran gesetzt, die
Vertretungen der ArbeitnehmerInnen zu schwächen. Besonders gefährlich
sei es, den Kollektivverträgen den Zahn zu ziehen. Über die Folgen
könne nachgelesen werden. Als die Thatcher-Regierung in
Großbritannien Branchen-KV’s durch Firmen-KV’s ersetzte, sank der
KV-Schutz dramatisch. In Ländern ohne umfassende Kollektivverträge
sei das soziale Ungleichgewicht sehr groß: "Die sozial Schwächeren
werden noch schwächer, das Betriebsklima wesentlich
konfliktgeladener."

Was ist modern?

Der Erfolg in der 2. Republik sei gewesen, dass die Gewerkschaften
kampfbereit seien und gleichzeitig verantwortungsvoll handelten.
Viele Kämpfe seien auch ohne Streik erfolgreich gewesen. Dies störe
Kritiker. Sie würden den Gewerkschaften die Schuld geben, dass
"Österreich noch nicht so modern ist". Was sei aber modern, warf
Weninger als Frage auf - "dass ArbeitnehmerInnen in Österreich noch
nicht drei oder vier Jobs brauchen, um überleben zu können?" Die
Gewerkschaftsbewegung würde auch die Privatisierungspolitik der
Regierung nicht hinnehmen.

AK-Expertin und Autorin Dr. Brigitte Pellar hob bei der
Buchpräsentation vor allem den Verdienst der Gewerkschaftsbewegung
bei der europäischen Beschäftigungspolitik hervor: "Heute kann
niemand mehr das Thema vom Tisch wischen." Ein besonderer Erfolg sei
auch das Auffangnetz für Lehrlinge gewesen.

"Der Klenner" in gänzlich neuer Fassung

Das Buch "Die österreichische Gewerkschaftsbewegung" ist eine völlig
neu überarbeitete und aktualisierte Ausgabe von Fritz Klenners
Standard-Werk. Nach Klenner’s Tod 1997 hat Brigitte Pellar die
Geschichte der österreichischen Gewerkschaften seit 1986
aufgearbeitet. Es ist d e r Überblick über die Entwicklung und die
Positionen der österreichischen Gewerkschaftsbewegung und zudem der
einzig aktuelle Überblick über die österreichische Politik der
vergangenen 15 Jahre. Ein 1.060 Seiten dickes Nachschlagwerk für
WissenschafterInnen, GewerkschafterInnen und BetriebsrätInnen genauso
wie für interessierte ArbeitnehmerInnen. (Fritz Klenner/Brigitte
Pellar: Die österreichische Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen
bis 1999", ÖGB-Verlag, Preis: 680 S.) Die Geschichte der
Gewerkschaftsbewegung gibt es auch zum Anschauen - Informationen
über die Ausstellung "Stationen der österreichischen
Gewerkschaftsbwegung sind unter der Telefonnummer (01) 534 44/448 Dw.
erhältlich.

ÖGB, 9. Mai 2000

Rückfragehinweis: ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Mag. Martina Csapo
Tel. (01) 534 44/353 Dw.
Fax.: (01) 533 52 93

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NGB/NGB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel