Standardwerk zur Geschichte der Gewerkschaften präsentiert

Scharfe Kritik an Regierung von AK-Präsident Tumpel und ÖGB-Vizepräsident Weninger bei Buch-Präsentation

Wien (ÖGB). Die jetzige Regierung habe das größte Umverteilungsprogramm in der Geschichte der 2. Republik zu verzeichnen, kritisierte AK-Präsident Mag. Herbert Tumpel gestern Abend bei der ÖGB/AK-Veranstaltung "Um Recht und Chancen für ArbeitnehmerInnen". ÖGB-Vizepräsident und Vositzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Günter Weninger, warnte insbesondere davor, den Kollektivverträgen den Zahn zu ziehen.++++

Tumpel warf der Regierung vor, den Sozialstaat zurückzudrängen und die Institutionen der Arbeiterkammern zerschlagen zu wollen. Zur angekündigten Einbringung einer Novelle zum AK-Gesetz sagte Tumpel, dies sei abstrus. Privilegien gebe es nicht mehr. Die Arbeiterkammer solle mundtot gemacht werden. Tumpel: "Wir verstehen uns nicht als Speerspitze gegen die Regierung, aber wir lassen uns nicht vorschreiben, was wir an Vorschlägen entwickeln." Wo es gegen die Interessen der ArbeitnehmerInnen gehe, gelte, "dass wir uns wehren".

Weninger übte scharfe Kritik am Versuch der Regierung, die ArbeitnehmerInnen wieder zu leicht verfügbarem, leicht austauschbarem und leicht kontrollierbarem "Menschenmaterial am freien Markt" zu machen. Um dies zu erreichen, werde alles daran gesetzt, die Vertretungen der ArbeitnehmerInnen zu schwächen. Besonders gefährlich sei es, den Kollektivverträgen den Zahn zu ziehen. Über die Folgen könne nachgelesen werden. Als die Thatcher-Regierung in Großbritannien Branchen-KV’s durch Firmen-KV’s ersetzte, sank der KV-Schutz dramatisch. In Ländern ohne umfassende Kollektivverträge sei das soziale Ungleichgewicht sehr groß: "Die sozial Schwächeren werden noch schwächer, das Betriebsklima wesentlich konfliktgeladener."

Was ist modern?

Der Erfolg in der 2. Republik sei gewesen, dass die Gewerkschaften kampfbereit seien und gleichzeitig verantwortungsvoll handelten. Viele Kämpfe seien auch ohne Streik erfolgreich gewesen. Dies störe Kritiker. Sie würden den Gewerkschaften die Schuld geben, dass "Österreich noch nicht so modern ist". Was sei aber modern, warf Weninger als Frage auf - "dass ArbeitnehmerInnen in Österreich noch nicht drei oder vier Jobs brauchen, um überleben zu können?" Die Gewerkschaftsbewegung würde auch die Privatisierungspolitik der Regierung nicht hinnehmen.

AK-Expertin und Autorin Dr. Brigitte Pellar hob bei der Buchpräsentation vor allem den Verdienst der Gewerkschaftsbewegung bei der europäischen Beschäftigungspolitik hervor: "Heute kann niemand mehr das Thema vom Tisch wischen." Ein besonderer Erfolg sei auch das Auffangnetz für Lehrlinge gewesen.

"Der Klenner" in gänzlich neuer Fassung

Das Buch "Die österreichische Gewerkschaftsbewegung" ist eine völlig neu überarbeitete und aktualisierte Ausgabe von Fritz Klenners Standard-Werk. Nach Klenner’s Tod 1997 hat Brigitte Pellar die Geschichte der österreichischen Gewerkschaften seit 1986 aufgearbeitet. Es ist d e r Überblick über die Entwicklung und die Positionen der österreichischen Gewerkschaftsbewegung und zudem der einzig aktuelle Überblick über die österreichische Politik der vergangenen 15 Jahre. Ein 1.060 Seiten dickes Nachschlagwerk für WissenschafterInnen, GewerkschafterInnen und BetriebsrätInnen genauso wie für interessierte ArbeitnehmerInnen. (Fritz Klenner/Brigitte Pellar: Die österreichische Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen bis 1999", ÖGB-Verlag, Preis: 680 S.) Die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung gibt es auch zum Anschauen - Informationen über die Ausstellung "Stationen der österreichischen Gewerkschaftsbwegung sind unter der Telefonnummer (01) 534 44/448 Dw. erhältlich.

ÖGB, 9. Mai 2000

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