- 26.04.2000, 18:00:06
- /
- OTS0313
WirtschaftsBlatt über Krankenkassen Vorsicht vor dem Onkel Doktor von Gerald Stefan
Wien (OTS) - Die Nöte der kranken Kassen könnten zur Plage der
Unternehmen werden. Grund: Der Auslöser der meisten österreichischen
Konkurse ist nicht etwa hinter den spiegelnden Glasfassaden der
Banken zu suchen. Auch mächtige Handelsketten, aggressive
Genossenschaften, ungeduldige Gebietskörperschaften und sonstige
Akteure der Wirtschaft rangieren auf der Hitliste der fleissigsten
Konkurs-Antragsteller (namens fremder Firmen) nur auf den Plätzen.
Spitzenreiter ist die biedere Gebietskrankenkasse von nebenan. Mehr
als die Hälfte der Konkursanträge in Österreich wird von den
Krankenkassen gestellt - weil die Dienstgeberbeiträge zur
Krankenversicherung zu lange ausständig sind. Bei Forderungen von
fast zehn Milliarden Schilling, die die Krankenkassen gegenüber den
österreichischen Unternehmen offen haben, und andererseits rund 5,7
Milliarden Schilling, die die kranken Kassen einzusparen haben, sind
Begehrlichkeiten verständlicherweise gross. Ginge es nicht, so lautet
der Gedanke in den Köpfen der Gesundheits-Kassiere, da etliche
Millionen pro Jahr locker zu machen? Sozusagen von hier nach dort
umzuschichten? Somit spüren auch die Unternehmen die Fieberkurve der
Kassen im Börsel. Die neue wirtschaftsliberale Regierung wird das
wohl mit gemischten Gefühlen aufnehmen. Zwar besteht der Auftrag an
die Kassen, alle Spar- und Ertragspotenziale auszunützen.
Ausgerechnet auf der Unternehmensseite Geld einzutreiben, trifft die
Wirtschaft aber ins Mark. In den Kassen selbst wird der Ruf nach
höheren Verzugszinsen für die Unternehmen laut, und
Gesundheits-Staatssekretär Reinhart Waneck (FPÖ), der lieber weniger
Konkurse, dafür aber mehr Geld in den Kassen haben möchte, hört es
wohl. Allerdings muss gut aufgepasst werden, denn nicht nur die
Kassen sind krank: Trotz einer im Allgemeinen guten Konjunktur
herrscht mancherorts hartnäckig Flaute - etwa bei den Baufirmen.
Kräftig kassieren könnte bloss mehr Pleiten auslösen. Dabei weiss
jede Bank, dass keiner mehr Geld abwirft als der säumige Krediteur,
der doch zahlt. Wenn die Kassen also beim Umgang mit ihren
Forderungen zukünftig flexibler agieren können, gut. Wenn das
Ergebnis aber bloss ist, dass die Kassen höhere Verzugszinsen fordern
und gleichzeitig mehr Konkursanträge stellen werden, dann braucht
bald die Wirtschaft einen Arzt.
Rückfragehinweis: Wirtschaftsblatt
Tel. 01/91919-316
*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER
VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB/OTS






