WirtschaftsBlatt über Krankenkassen Vorsicht vor dem Onkel Doktor von Gerald Stefan

Wien (OTS) - Die Nöte der kranken Kassen könnten zur Plage der Unternehmen werden. Grund: Der Auslöser der meisten österreichischen Konkurse ist nicht etwa hinter den spiegelnden Glasfassaden der Banken zu suchen. Auch mächtige Handelsketten, aggressive Genossenschaften, ungeduldige Gebietskörperschaften und sonstige Akteure der Wirtschaft rangieren auf der Hitliste der fleissigsten Konkurs-Antragsteller (namens fremder Firmen) nur auf den Plätzen. Spitzenreiter ist die biedere Gebietskrankenkasse von nebenan. Mehr als die Hälfte der Konkursanträge in Österreich wird von den Krankenkassen gestellt - weil die Dienstgeberbeiträge zur Krankenversicherung zu lange ausständig sind. Bei Forderungen von fast zehn Milliarden Schilling, die die Krankenkassen gegenüber den österreichischen Unternehmen offen haben, und andererseits rund 5,7 Milliarden Schilling, die die kranken Kassen einzusparen haben, sind Begehrlichkeiten verständlicherweise gross. Ginge es nicht, so lautet der Gedanke in den Köpfen der Gesundheits-Kassiere, da etliche Millionen pro Jahr locker zu machen? Sozusagen von hier nach dort umzuschichten? Somit spüren auch die Unternehmen die Fieberkurve der Kassen im Börsel. Die neue wirtschaftsliberale Regierung wird das wohl mit gemischten Gefühlen aufnehmen. Zwar besteht der Auftrag an die Kassen, alle Spar- und Ertragspotenziale auszunützen. Ausgerechnet auf der Unternehmensseite Geld einzutreiben, trifft die Wirtschaft aber ins Mark. In den Kassen selbst wird der Ruf nach höheren Verzugszinsen für die Unternehmen laut, und Gesundheits-Staatssekretär Reinhart Waneck (FPÖ), der lieber weniger Konkurse, dafür aber mehr Geld in den Kassen haben möchte, hört es wohl. Allerdings muss gut aufgepasst werden, denn nicht nur die Kassen sind krank: Trotz einer im Allgemeinen guten Konjunktur herrscht mancherorts hartnäckig Flaute - etwa bei den Baufirmen. Kräftig kassieren könnte bloss mehr Pleiten auslösen. Dabei weiss jede Bank, dass keiner mehr Geld abwirft als der säumige Krediteur, der doch zahlt. Wenn die Kassen also beim Umgang mit ihren Forderungen zukünftig flexibler agieren können, gut. Wenn das Ergebnis aber bloss ist, dass die Kassen höhere Verzugszinsen fordern und gleichzeitig mehr Konkursanträge stellen werden, dann braucht bald die Wirtschaft einen Arzt.

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