Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Gusenbauer ist nicht zu beneiden

Ausgabe vom 27.4.2000

Klagenfurt (OTS) - Die SPÖ hat kein Geld veruntreut. Vom ehemaligen FPÖ-Klubkassier Rosenstingl lässt sich das nicht behaupten. Und sie hat auch keine "versteckten" 100 Millionen Schilling, wie die ÖVP, über deren Herkunft Schweigen herrscht. Die Zentralpartei in Wien hat einfach Schulden. Angeblich 400 Millionen. Jetzt heißt es, diesen Berg mit Hilfe von Bettelbriefen an die Mitglieder und der Umsetzung von Strukturreformen, sprich Personalabbau, abzutragen. Die schwarz-blaue Regierung tut sich leichter. Sie sitzt an den Trögen der Macht, verteilt und vefügt damit über Sponsoren. Das ist der Kreislauf von Geben und Nehmen.
Die Ursachen der roten Finanzkrise sind rasch aufgezählt. Die SPÖ ist eine Mitgliederpartei. Sie verlor in den letzten Jahrzehnten 340.000 ihrer über 720.000 zahlenden Genossen. Das hinterließ ein gewaltiges Loch in der Parteikasse. Das zweite Loch rissen die Wahlkämpfe, die als Materialschlachten geführt wurden. Für die Herren "Spin-Doctors" war gerade das Beste gut genug. Die Einzigen, die davon profitierten, waren die Werbeagenturen, denn die Wahlen gingen für das rote Lager in die Hose. Wie heißt es doch: Außer Spesen nichts gewesen.
Wenn Gusenbauer auf dem Bundesparteitag in der Kurhalle Wien-Oberlaa die Nachfolge Viktor Klimas antritt, übernimmt er ein schweres Erbe. Er soll nicht nur die SPÖ vor der Pleite retten, er soll ihr auch ein oppositionelles und ideelles Profil geben. Schwierig für eine Partei, die 30 Jahre die Macht genossen und sich abgenützt hat. Da bedarf es mehr, als herzugehen und "braune Flecken" beseitigen zu wollen.

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