Görg: "Westbahnhof Neu" wird Bezirk Fünfhaus aufwerten

Wien, (OTS) Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg und ÖBB-Generaldirektor Dr. Helmut Draxler wurden Mittwoch die neuesten Planungen zur Neugestaltung des Westbahnhofes und den damit verbundenen Optionen frei werdender Grundstücke präsentiert. Die im Zuge der österreichweiten Bahnhofsoffensive geplanten Milliarden-Investitionen der Österreichischen Bundesbahnen zur Schaffung zeitgemäßer Bahnhöfe hätten vor zwei Jahren einen "guten" Anlass geboten, endlich "konkrete Planungen" für den Bereich Westbahnhof einzuleiten, sagte Vizebürgermeister Görg in seinem Eingangsstatement. Seit rund 20 Jahren wäre das Thema der Neugestaltung des Westbahnhofareals sowohl politisch als auch
medial besetzt gewesen, seit zwei Jahren arbeite ein Team
bestehend aus Vertretern der Stadt Wien, den ÖBB und externen Fachleuten an einem Konzept, das jetzt vorliege und Hoffnung gebe, dass endlich "Nägel mit Köpfen" gemacht würden.

"Aus Sicht der Stadt Wien wurde der Startschuss für den "Westbahnhof neu" mit der Ankündigung der Bahnhofsoffensive der ÖBB gegeben. Damals - nämlich vor zwei Jahren - war für die Stadtplanung klar, dass man hier strategisch klug vorgehen kann
und das Nützliche mit dem Notwendigen verbinden soll," sagte Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg. "Ich habe daher sofort den Auftrag gegeben, eine Arbeitsgruppe aller Beteiligten zu bilden,
um sich mit den Optionen der neuzugestaltenden, freiwerdenden Flächen zu befassen."****

Das Ergebnis der eigens dafür eingesetzten Arbeitsgruppe der ÖBB, der Wiener Stadtplanung, des 15.Bezirks und externer
Fachleute liege nun vor: Teile des Westbahnhofgeländes sollen eine bessere städtebauliche Nutzung erfahren und aufgewertet werden -das Projekt "Westbahnhof neu" soll nicht nur die bestehende Bezirksstruktur verbessern und die Lebensqualität der anrainenden Bevölkerung in Fünfhaus steigern, es soll auch eine optimale Verknüpfung bestehender öffentlicher Verkehrsmittel geschaffen werden. Auch an gemischte Nutzungen im Umfeld der Bahnhofshalle, voraussichtlich mit Schwerpunkt entlang der Felberstraße, aber
auch in anderen Teilgebieten des Westbahnhofareals, sei gedacht. "Ich glaube sowohl die Stadt Wien als auch die ÖBB können mit dem vorliegenden Ergebnis zufrieden sein," sagte Vizebürgermeister Görg. "Im Sommer 2000 werden die ÖBB gemeinsam mit der Stadtplanung einen EU-weiten Wettbewerb ausschreiben, der die architektonische Neugestaltung der 1. Bauphase des Westbahnhofgeländes, festlegt."

Städtebauliche Studie Westbahnhof im Rahmen der Bahnhofsoffensive

Das Areal des Westbahnhofgeländes zwischen Europaplatz und Schlossallee umfasst ein Gebiet von ca. 1.500 m Länge mit einer variierenden Breite zwischen ca. 100 und 200 m und einer Gesamtfläche von ca. 30 ha, wobei
o der Abschnitt 1 zwischen Europaplatz und Schmelzbrücke eine

Längserstreckung von ca. 700 m und eine Fläche von ca. 9,0 ha,
o der Abschnitt 2 zwischen Schmelzbrücke und Schlossallee eine

Längserstreckung von ca. 800 m und eine Fläche von ca. 21,0 ha aufweist.

Die Anlagen des Westbahnhofgeländes waren in den letzten zwei Jahrzehnten mehrmals Gegenstand von Studien und Ideenskizzen,
welche generelle Vorstellungen zu einer Bebauung oder Überbauung des Gebäudes zum Gegenstand hatten.

Zu Beginn der 90er Jahre wurde eine stadtstrukturelle und realisierungsorientierte Überprüfung der Nutzungsmöglichkeiten des Areals durchgeführt, wobei auch eine Überbauung der Gleisanlagen zur Diskussion stand.

Diese Untersuchung kam zu folgenden Schlussfolgerungen (Zitat aus der Studie "Überbauung Westbahnhof, Dr. K. Puchinger 1993"):

o Die internationalen Randbedingungen für den Standort Wien haben

sich seit Beginn der 90er Jahre generell geändert, durch den Anschluss der U3 an den Bereich Westbahnhof wurde das Areal als Knotenpunkt attraktiver.
o Der Abschnitt zwischen Europaplatz und Schmelzbrücke weist

aufgrund der attraktiven ÖV-Erreichbarkeit (U3, U6) eine hohe Standortgunst auf, der restliche Abschnitt Schmelzbrücke - Schlossallee eine durchschnittliche.
o Die bestehende Eingangs- und Abfertigungshalle ist unter

Denkmalschutzbedingungen zu erhalten.
o Die Weiterverfolgung eines Konzeptes, auf neu geschaffenem

Bauland über den Anlagen des Westbahnhofes in großem Umfang Wohnnutzungen zu positionieren, ist aus Kostengründen unrealistisch.

Seit Beginn der Bahnhofsoffensive der ÖBB steht in Wien der Westbahnhof als einer der wichtigsten Bahnhöfe im Mittelpunkt. Dieser soll sich in einem attraktiven Umfeld von gemischten Nutzungen wieder finden.

Im Frühjahr 1999 wurde, nach der Aufbereitung grundsätzlicher Randbedingungen, seitens der eingesetzten Arbeitsgruppe das Architektenteam Prof. Holzbauer - Prof. Peichl beauftragt, in
einer städtebaulichen Studie die entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten konkret auszuloten und darzustellen.

Das Ergebnis liegt nun vor. Grundsätzlich sollen künftige Bebauungen nur vorgenommen werden, die auch wirtschaftlich und strukturell realistisch erscheinen. Vollständige Überbauungen des Bahnhofsgeländes waren, aufgrund der erwähnten Voruntersuchungen bereits im Jahre 1994, ausgeschieden.

Künftige bauliche Entwicklungen sollen sich einerseits an
der Erschließungsqualität des hochrangigen öffentlichen Verkehrsnetzes orientieren, andererseits in Relevanz zur angrenzenden Bebauung stehen.

Daraus ergibt sich eine Schwerpunktsetzung im Bereich des Europaplatzes, und eine moderatere Bebauungsdichte und -höhe in
den Randbereichen des Bahnhofsgeländes entlang der Felberstraße bzw. Avedikstraße.

Grenzen der städtebaulichen Verträglichkeit werden auch, im Hinblick auf den Individualverkehr, durch die Aufnahmefähigkeit
des bestehenden Straßennetzes gesetzt. Eventuelle verkehrliche Maßnahmen müssen in einer Kosten-Nutzen-Relation zu den städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten gesehen werden.

Die Grundlage für eine umfassende Verkehrslösung im Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung des Westbahnhofareals ist eine Studie über mögliche Trassenvarianten einer B 224 im Abschnitt Winkelmannstraße bis Europaplatz, welche im Rahmen des Gesamtprojektes durchgeführt wurde.

Ziel war es, eine schrittweise umsetzbare Trasse zu finden,
die den unterschiedlichen verkehrlichen Anforderungen - lokale Erschließung für die zusätzliche Nutzung und überregionale Verkehrsfunktionen - gerecht wird.

Nach den Ergebnissen der städtebaulichen Studie sollen Teile des Westbahnhofgeländes in mehreren Phasen städtebaulich genutzt werden, auf etwa 300.000 m² Bruttogeschossfläche und ca. 16 ha möglicher disponibler bebaubarer Fläche sollen Wohnungen, Büros, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen entstehen.

Der Kfz-Verkehr dieser Zusatznutzungen kann im bestehenden Straßennetz nicht bewältigt werden, die Verbindung Avedikstraße -Felberstraße ist an neuralgischen Kreuzungen schon derzeit überlastet. Nicht zuletzt deshalb gibt es seit langem Überlegungen, diesen Straßenzug als höherrangige Netzverbindung vom Wiental zum Gürtel auszubauen.

Als beste Lösung stellt sich der Ausbau der Avedikstraße mit einer Unterquerung der Westbahnstraße bei der Schmelzbrücke und einer neuen Straßenverbindung dar, die östlich davon auf Gleisniveau bis zum Parkhaus Westbahnhof führt. Hier wird die Felberstraße erreicht, die zwischen dem Parkhaus und dem inneren Gürtel geringfügig umgebaut werden muss, damit der zusätzliche Verkehr bewältigt werden kann.

Andere Varianten haben, abgesehen von deutlich höheren Investitionskosten deutliche Nachteile, vor allem sind sie auf die Entwicklungsphasen des Westbahnhofgeländes nicht oder unzureichend abgestimmt. Langfristige Optionen für niveaufreie Trassenteile (im Bereich Felberstraße/Gürtel) werden offen gehalten.

Die bauliche Entwicklung des Westbahnhofgeländes in zeitlich gestaffelten Phasen kann sich wie folgt darstellen:

Phase 1 (bis 2004 im Rahmen der Bahnhofsoffensive)

Sie beinhaltet den Umbau der bestehenden Bahnhofshalle in ein Geschäfts- und Einkaufszentrum (ca. 8.000 m² Nutzfläche) inklusive Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes, die mögliche Errichtung eines Solitärbauwerkes Ecke Neubaugürtel - Äußere Mariahilfer Straße "Mariahilfer Tor" für geschäftliche Nutzungen sowie den Bau eines Fußgängersteges zur Überquerung der Gleisanlage in Höhe der Hackengasse.

Im Bereich Felberstraße - Neubaugürtel (nördlich der bestehenden Bahnhofshalle) ist die Errichtung eines Büro- und Geschäftsgebäudes (Möglichkeit für einen Hochhausstandort, ca. 26.000 m² Nutzfläche und 2.000 m² Geschäftsfläche) angedacht.

Die Geschäftsflächen im Erdgeschossniveau sollen eine Verbindung mit der Bahnhofshalle erhalten, so dass eine
durchgehende Geschäftszone von der Felberstraße bis zur Mariahilfer Straße entstehen kann.

Flankierende Maßnahmen im Straßennetz werden sich in dieser Phase auf Verbesserungen im Kreuzungsplateau Felberstraße/Gürtel sowie auf dem Bahnhofsvorplatz (Europaplatz) beschränken, wobei Optionen für langfristige niveaufreie Verkehrslösungen im Gürtelbereich weiterhin offen gehalten werden.

Mit der vorgesehenen Auflassung des bestehenden Postareals
(im Bereich Gasgasse - Zwölfergasse) und dessen Neustrukturierung und Umnutzung (Büros, Wohnungen) wäre auch im südlich des Bahnhofsgeländes liegenden Bezirksteil eine Dynamisierung gegeben.

Die Gestaltung, zumindest von Teilen dieser Bauphase, wird in einem EU-weiten Wettbewerbsverfahren vom Sommer 2000 bis
Jahresende ermittelt werden.

Phase 2 (ca. 2004-2010)

In dieser Phase kann entlang der Felberstraße (von der Hackegasse bis zur Schmelzbrücke) eine Blockrandbebauung
entstehen, die durch Grünbereiche und öffentliche Plätze aufgelockert ist.

In einer Größenordnung von ca. 70.000 m² Geschossfläche und in einer Höhenentwicklung ähnlich der angrenzenden Bebauung, mit gemischten Nutzungen wie Hotel, Büros und Dienstleistung, Schulen, Kindergärten, Gewerbe und Wohnen soll eine Aufwertung des Gebietes um die Felberstraße, im städtebaulichen Sinne und im Sinne der Lebensqualität, erzielt werden.

Voraussetzung dafür sind grundsätzliche Maßnahmen im Straßennetz. Durch die Errichtung einer "Entlastungsstraße" auf Gleisniveau könnte die Felberstraße stark entlastet werden. In dieser Phase soll auch eine Lösung für die stark belasteten Kreuzungsbereiche Schmelzbrücke/Felberstraße bzw. Schmelzbrücke/Avedikstraße umgesetzt werden. Dazu gibt es Vorstellungen in Form einer Untertunnelung der Bahntrasse in Höhe der Schmelzbrücke. Die bestehende Hochgarage soll in dieser Phase noch in Funktion bleiben.

Phase 3 (ab 2010)

In diesem langfristigen Ausbauszenario könnten nach umfangreichen Umstrukturierungen und der Verlagerung von Bahneinrichtungen an andere Standorte weitere Bebauungen, in einer städtebaulich verträglichen Größenordnung von der Schmelzbrücke bis zum Bereich Johnstraße/Schlossallee, nördlich und südlich der Gleisanlagen, in einer Größenordnung von ca. 220.000 m², mit gemischten Nutzungen realisiert werden.

Hauptaugenmerk wird auf die Verkehrsberuhigung in den angrenzenden Bezirksteilen (z.B. Äußere Felberstraße), die Schaffung von Grünbereichen, Mischnutzungen und die Verbesserung der Lebensqualität, gelegt werden.

Für den Fußgängerverkehr werden auf Höhe Elisabeth-Spital (bestehender Fußgängersteg) großzügige Querungsmöglichkeiten vorgeschlagen. Voraussetzung für eine bauliche Entwicklung in diesem Bereich sind geeignete Lösungen für die Individualverkehrsführungen gemäß der generellen Verkehrsstudie vor allem im Bereich der Avedikstraße und äußeren Felberstraße. Dazu liegen Lösungsvorschläge in Varianten vor. (Schluss) lei

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