- 26.04.2000, 11:12:10
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Görg: "Westbahnhof Neu" wird Bezirk Fünfhaus aufwerten=
Wien, (OTS) Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von
Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg und ÖBB-Generaldirektor Dr.
Helmut Draxler wurden Mittwoch die neuesten Planungen zur
Neugestaltung des Westbahnhofes und den damit verbundenen Optionen
frei werdender Grundstücke präsentiert. Die im Zuge der
österreichweiten Bahnhofsoffensive geplanten Milliarden-
Investitionen der Österreichischen Bundesbahnen zur Schaffung
zeitgemäßer Bahnhöfe hätten vor zwei Jahren einen "guten" Anlass
geboten, endlich "konkrete Planungen" für den Bereich Westbahnhof
einzuleiten, sagte Vizebürgermeister Görg in seinem
Eingangsstatement. Seit rund 20 Jahren wäre das Thema der
Neugestaltung des Westbahnhofareals sowohl politisch als auch
medial besetzt gewesen, seit zwei Jahren arbeite ein Team
bestehend aus Vertretern der Stadt Wien, den ÖBB und externen
Fachleuten an einem Konzept, das jetzt vorliege und Hoffnung gebe,
dass endlich "Nägel mit Köpfen" gemacht würden.
"Aus Sicht der Stadt Wien wurde der Startschuss für den
"Westbahnhof neu" mit der Ankündigung der Bahnhofsoffensive der
ÖBB gegeben. Damals - nämlich vor zwei Jahren - war für die
Stadtplanung klar, dass man hier strategisch klug vorgehen kann
und das Nützliche mit dem Notwendigen verbinden soll," sagte
Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg. "Ich habe daher sofort den
Auftrag gegeben, eine Arbeitsgruppe aller Beteiligten zu bilden,
um sich mit den Optionen der neuzugestaltenden, freiwerdenden
Flächen zu befassen."****
Das Ergebnis der eigens dafür eingesetzten Arbeitsgruppe der
ÖBB, der Wiener Stadtplanung, des 15.Bezirks und externer
Fachleute liege nun vor: Teile des Westbahnhofgeländes sollen eine
bessere städtebauliche Nutzung erfahren und aufgewertet werden -
das Projekt "Westbahnhof neu" soll nicht nur die bestehende
Bezirksstruktur verbessern und die Lebensqualität der anrainenden
Bevölkerung in Fünfhaus steigern, es soll auch eine optimale
Verknüpfung bestehender öffentlicher Verkehrsmittel geschaffen
werden. Auch an gemischte Nutzungen im Umfeld der Bahnhofshalle,
voraussichtlich mit Schwerpunkt entlang der Felberstraße, aber
auch in anderen Teilgebieten des Westbahnhofareals, sei gedacht.
"Ich glaube sowohl die Stadt Wien als auch die ÖBB können mit dem
vorliegenden Ergebnis zufrieden sein," sagte Vizebürgermeister
Görg. "Im Sommer 2000 werden die ÖBB gemeinsam mit der
Stadtplanung einen EU-weiten Wettbewerb ausschreiben, der die
architektonische Neugestaltung der 1. Bauphase des
Westbahnhofgeländes, festlegt."
Städtebauliche Studie Westbahnhof im Rahmen der
Bahnhofsoffensive
Das Areal des Westbahnhofgeländes zwischen Europaplatz und
Schlossallee umfasst ein Gebiet von ca. 1.500 m Länge mit einer
variierenden Breite zwischen ca. 100 und 200 m und einer
Gesamtfläche von ca. 30 ha, wobei
o der Abschnitt 1 zwischen Europaplatz und Schmelzbrücke eine
Längserstreckung von ca. 700 m und eine Fläche von ca. 9,0 ha,
o der Abschnitt 2 zwischen Schmelzbrücke und Schlossallee eine
Längserstreckung von ca. 800 m und eine Fläche von ca. 21,0 ha
aufweist.
Die Anlagen des Westbahnhofgeländes waren in den letzten zwei
Jahrzehnten mehrmals Gegenstand von Studien und Ideenskizzen,
welche generelle Vorstellungen zu einer Bebauung oder Überbauung
des Gebäudes zum Gegenstand hatten.
Zu Beginn der 90er Jahre wurde eine stadtstrukturelle und
realisierungsorientierte Überprüfung der Nutzungsmöglichkeiten des
Areals durchgeführt, wobei auch eine Überbauung der Gleisanlagen
zur Diskussion stand.
Diese Untersuchung kam zu folgenden Schlussfolgerungen (Zitat
aus der Studie "Überbauung Westbahnhof, Dr. K. Puchinger 1993"):
o Die internationalen Randbedingungen für den Standort Wien haben
sich seit Beginn der 90er Jahre generell geändert, durch den
Anschluss der U3 an den Bereich Westbahnhof wurde das Areal als
Knotenpunkt attraktiver.
o Der Abschnitt zwischen Europaplatz und Schmelzbrücke weist
aufgrund der attraktiven ÖV-Erreichbarkeit (U3, U6) eine hohe
Standortgunst auf, der restliche Abschnitt Schmelzbrücke -
Schlossallee eine durchschnittliche.
o Die bestehende Eingangs- und Abfertigungshalle ist unter
Denkmalschutzbedingungen zu erhalten.
o Die Weiterverfolgung eines Konzeptes, auf neu geschaffenem
Bauland über den Anlagen des Westbahnhofes in großem Umfang
Wohnnutzungen zu positionieren, ist aus Kostengründen
unrealistisch.
Seit Beginn der Bahnhofsoffensive der ÖBB steht in Wien der
Westbahnhof als einer der wichtigsten Bahnhöfe im Mittelpunkt.
Dieser soll sich in einem attraktiven Umfeld von gemischten
Nutzungen wieder finden.
Im Frühjahr 1999 wurde, nach der Aufbereitung grundsätzlicher
Randbedingungen, seitens der eingesetzten Arbeitsgruppe das
Architektenteam Prof. Holzbauer - Prof. Peichl beauftragt, in
einer städtebaulichen Studie die entsprechenden
Entwicklungsmöglichkeiten konkret auszuloten und darzustellen.
Das Ergebnis liegt nun vor. Grundsätzlich sollen künftige
Bebauungen nur vorgenommen werden, die auch wirtschaftlich und
strukturell realistisch erscheinen. Vollständige Überbauungen des
Bahnhofsgeländes waren, aufgrund der erwähnten Voruntersuchungen
bereits im Jahre 1994, ausgeschieden.
Künftige bauliche Entwicklungen sollen sich einerseits an
der Erschließungsqualität des hochrangigen öffentlichen
Verkehrsnetzes orientieren, andererseits in Relevanz zur
angrenzenden Bebauung stehen.
Daraus ergibt sich eine Schwerpunktsetzung im Bereich des
Europaplatzes, und eine moderatere Bebauungsdichte und -höhe in
den Randbereichen des Bahnhofsgeländes entlang der Felberstraße
bzw. Avedikstraße.
Grenzen der städtebaulichen Verträglichkeit werden auch, im
Hinblick auf den Individualverkehr, durch die Aufnahmefähigkeit
des bestehenden Straßennetzes gesetzt. Eventuelle verkehrliche
Maßnahmen müssen in einer Kosten-Nutzen-Relation zu den
städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten gesehen werden.
Die Grundlage für eine umfassende Verkehrslösung im
Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung des
Westbahnhofareals ist eine Studie über mögliche Trassenvarianten
einer B 224 im Abschnitt Winkelmannstraße bis Europaplatz, welche
im Rahmen des Gesamtprojektes durchgeführt wurde.
Ziel war es, eine schrittweise umsetzbare Trasse zu finden,
die den unterschiedlichen verkehrlichen Anforderungen - lokale
Erschließung für die zusätzliche Nutzung und überregionale
Verkehrsfunktionen - gerecht wird.
Nach den Ergebnissen der städtebaulichen Studie sollen Teile
des Westbahnhofgeländes in mehreren Phasen städtebaulich genutzt
werden, auf etwa 300.000 m² Bruttogeschossfläche und ca. 16 ha
möglicher disponibler bebaubarer Fläche sollen Wohnungen, Büros,
Geschäfte und öffentliche Einrichtungen entstehen.
Der Kfz-Verkehr dieser Zusatznutzungen kann im bestehenden
Straßennetz nicht bewältigt werden, die Verbindung Avedikstraße -
Felberstraße ist an neuralgischen Kreuzungen schon derzeit
überlastet. Nicht zuletzt deshalb gibt es seit langem
Überlegungen, diesen Straßenzug als höherrangige Netzverbindung
vom Wiental zum Gürtel auszubauen.
Als beste Lösung stellt sich der Ausbau der Avedikstraße mit
einer Unterquerung der Westbahnstraße bei der Schmelzbrücke und
einer neuen Straßenverbindung dar, die östlich davon auf
Gleisniveau bis zum Parkhaus Westbahnhof führt. Hier wird die
Felberstraße erreicht, die zwischen dem Parkhaus und dem inneren
Gürtel geringfügig umgebaut werden muss, damit der zusätzliche
Verkehr bewältigt werden kann.
Andere Varianten haben, abgesehen von deutlich höheren
Investitionskosten deutliche Nachteile, vor allem sind sie auf die
Entwicklungsphasen des Westbahnhofgeländes nicht oder unzureichend
abgestimmt. Langfristige Optionen für niveaufreie Trassenteile (im
Bereich Felberstraße/Gürtel) werden offen gehalten.
Die bauliche Entwicklung des Westbahnhofgeländes in zeitlich
gestaffelten Phasen kann sich wie folgt darstellen:
Phase 1 (bis 2004 im Rahmen der Bahnhofsoffensive)
Sie beinhaltet den Umbau der bestehenden Bahnhofshalle in ein
Geschäfts- und Einkaufszentrum (ca. 8.000 m² Nutzfläche) inklusive
Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes, die mögliche Errichtung eines
Solitärbauwerkes Ecke Neubaugürtel - Äußere Mariahilfer Straße
"Mariahilfer Tor" für geschäftliche Nutzungen sowie den Bau eines
Fußgängersteges zur Überquerung der Gleisanlage in Höhe der
Hackengasse.
Im Bereich Felberstraße - Neubaugürtel (nördlich der
bestehenden Bahnhofshalle) ist die Errichtung eines Büro- und
Geschäftsgebäudes (Möglichkeit für einen Hochhausstandort, ca.
26.000 m² Nutzfläche und 2.000 m² Geschäftsfläche) angedacht.
Die Geschäftsflächen im Erdgeschossniveau sollen eine
Verbindung mit der Bahnhofshalle erhalten, so dass eine
durchgehende Geschäftszone von der Felberstraße bis zur
Mariahilfer Straße entstehen kann.
Flankierende Maßnahmen im Straßennetz werden sich in dieser
Phase auf Verbesserungen im Kreuzungsplateau Felberstraße/Gürtel
sowie auf dem Bahnhofsvorplatz (Europaplatz) beschränken, wobei
Optionen für langfristige niveaufreie Verkehrslösungen im
Gürtelbereich weiterhin offen gehalten werden.
Mit der vorgesehenen Auflassung des bestehenden Postareals
(im Bereich Gasgasse - Zwölfergasse) und dessen Neustrukturierung
und Umnutzung (Büros, Wohnungen) wäre auch im südlich des
Bahnhofsgeländes liegenden Bezirksteil eine Dynamisierung gegeben.
Die Gestaltung, zumindest von Teilen dieser Bauphase, wird in
einem EU-weiten Wettbewerbsverfahren vom Sommer 2000 bis
Jahresende ermittelt werden.
Phase 2 (ca. 2004-2010)
In dieser Phase kann entlang der Felberstraße (von der
Hackegasse bis zur Schmelzbrücke) eine Blockrandbebauung
entstehen, die durch Grünbereiche und öffentliche Plätze
aufgelockert ist.
In einer Größenordnung von ca. 70.000 m² Geschossfläche und
in einer Höhenentwicklung ähnlich der angrenzenden Bebauung, mit
gemischten Nutzungen wie Hotel, Büros und Dienstleistung, Schulen,
Kindergärten, Gewerbe und Wohnen soll eine Aufwertung des Gebietes
um die Felberstraße, im städtebaulichen Sinne und im Sinne der
Lebensqualität, erzielt werden.
Voraussetzung dafür sind grundsätzliche Maßnahmen im
Straßennetz. Durch die Errichtung einer "Entlastungsstraße" auf
Gleisniveau könnte die Felberstraße stark entlastet werden. In
dieser Phase soll auch eine Lösung für die stark belasteten
Kreuzungsbereiche Schmelzbrücke/Felberstraße bzw.
Schmelzbrücke/Avedikstraße umgesetzt werden. Dazu gibt es
Vorstellungen in Form einer Untertunnelung der Bahntrasse in Höhe
der Schmelzbrücke. Die bestehende Hochgarage soll in dieser Phase
noch in Funktion bleiben.
Phase 3 (ab 2010)
In diesem langfristigen Ausbauszenario könnten nach
umfangreichen Umstrukturierungen und der Verlagerung von
Bahneinrichtungen an andere Standorte weitere Bebauungen, in einer
städtebaulich verträglichen Größenordnung von der Schmelzbrücke
bis zum Bereich Johnstraße/Schlossallee, nördlich und südlich der
Gleisanlagen, in einer Größenordnung von ca. 220.000 m², mit
gemischten Nutzungen realisiert werden.
Hauptaugenmerk wird auf die Verkehrsberuhigung in den
angrenzenden Bezirksteilen (z.B. Äußere Felberstraße), die
Schaffung von Grünbereichen, Mischnutzungen und die Verbesserung
der Lebensqualität, gelegt werden.
Für den Fußgängerverkehr werden auf Höhe Elisabeth-Spital
(bestehender Fußgängersteg) großzügige Querungsmöglichkeiten
vorgeschlagen. Voraussetzung für eine bauliche Entwicklung in
diesem Bereich sind geeignete Lösungen für die
Individualverkehrsführungen gemäß der generellen Verkehrsstudie
vor allem im Bereich der Avedikstraße und äußeren Felberstraße.
Dazu liegen Lösungsvorschläge in Varianten vor. (Schluss) lei
Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz:
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Mag. Andrea Leitner
Tel.: 4000/81 414
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