"profil": Kessler: "Können Problem nicht länger wegschieben"

Von US-Anwalt Ed beklagte Unternehmen und Klägerin aus Toronto nehmen zu 260-Milliarden-Schilling-Klage Stellung

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner
Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, nehmen Vertreter
jener Unternehmen, gegen die US-Anwalt Ed Fagan im
Namen von Holocaust-Opfern Klage über 260 Milliarden
Schilling eingebracht hat, die neue Situation durchaus ernst. Kommentar von Böhler-Uddeholm-Vorstandsvorsitzender
Claus Raidl: "Wir haben nie einen Zweifel daran gelassen,
dass wir zu unserer historischen Verantwortung stehen. Wir
wollten das allerdings ohne Rechtsanwälte durchziehen."
Rudolf Streicher, Chef der beklagten ÖIAG, sagte zu "profil":
"Wir haben die Klage noch nicht gesehen. Ich kann aber
versichern, dass wir die Sache sehr ernst nehmen."

Die "profil" vollständig vorliegende 73 Seiten lange
Klagsschrift ist unter anderen gegen folgende Unternehmen
gerichtet: OMV/Agrolinz, Dorotheum, Austria Tabak/Altesse, Verbundgesellschaft/Tauernkraft, Berndorf, Jenbacher,
Waagner Biro sowie P.S.K., Raiffeisen Zentralbank,
Steiermärkische Sparkasse/Bankhaus Krenschker und Quelle
Bank, heute Entrium Direktbank.

Seitens der Wirtschaft ist laut "profil" Heinz Kessler, Generaldirektor der Nettingsdorfer Papierfabrik und
ehemaliger Präsident der Industriellenvereinigung, als
Verhandler der Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern im
Gespräch. Kessler betont gegenüber "profil", er wolle diese Position nur übernehmen, "wenn genügend Zustimmung da
ist. Derzeit habe ich diesen Eindruck noch nicht." Kessler zur Milliardenklage, die in New York am vergangenen
Donnerstag eingebracht wurde: "Das ist nur ein weiterer
Beweis dafür, dass wir das Problem nicht länger
wegschieben können."

Die Liste der namentlich genannten Kläger wird von der in
Toronto lebenden Erbin der wohlhabenden jüdischen
Textildynastie Ernst und Silvia Pollack, Maria K., angeführt.
Sie sagte zu "profil": "Wir waren gezwungen, einer solchen
Klage beizutreten. Denn Zivilklagen können wir uns wegen
der hohen Verfahrenskosten nicht leisten." Ein Breughel-
Gemälde war das wertvollste Stück der Kunstsammlung im
Haus Pollack, die von den Nazis beschlagnahmt und in das
Dorotheum gebracht wurde. Das Gemälde war für NS-Reichsstatthalter Baldur von Schirach requiriert worden und
ist spurlos verschwunden. Millionenerlöse aus den
Versteigerungen waren vom Dorotheum an das Bankhaus
Krentschker überwiesen worden. Die 78jährige Klägerin
Maria K. betonte gegenüber "profil", dass sie den
Immobilienbesitz zurückbekommen habe, nichts jedoch von
den Millionenwerten, die bei Banken hinterlegt gewesen
waren. Das Ehepaar Pollack ist im KZ Theresienstadt
ermordet worden.

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