• 05.04.2000, 09:13:53
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Produktsicherheits-Dienst des Institutes "Sicher Leben": Laufwagerl zählt zu gefährlichsten Produkten für Kleinkinder

Wien (OTS) - 800 durch Laufwagerl verletzte Kinder jährlich!

Jedes Jahr müssen rund 800 Kleinkinder in ein Krankenhaus
gebracht werden, weil sie bei Stürzen mit Laufwagerln verletzt
werden. Etwa 94 Prozent der Kinder erleiden dabei Verletzungen am
Kopf (ca. 750, Quelle: EHLASS ? Europäisches Unfallerhebungssystem
für Heim-, Sport-, und Feizeitunfälle). Zu den schwersten Unfällen
mit Laufhilfen kommt es bei Stürzen über Stiegen: Das Kind kippt über
den Treppenabsatz und überschlägt sich mehrmals, weil es im Sit= z
des Gerätes festhängt. Kein anderes Produkt für Kleinkinder
verschuldet damit vergleichbar viele Verletzungen mit so schweren
Folgen.

Stürze über Türschwellen, Teppichwellen oder -kanten, Spielzeug
oder Haushaltsgeräte wie Staubsauger oder Besen stehen an zweiter
Stelle der häufigsten Unfallursachen. Ernsthafte Verletzungen gibt
es auch, wenn der Sprößling gegen Tisch- und Regalkanten sowie
offene Fensterflügel fährt. In der Regel sind hier Prellungen und
offene Wunden im Kopfbereich zu beklagen.

Eltern trotz Verordnung nicht über Gefahren informiert

Viele Eltern glauben, ihre Sprößlinge im Laufwagerl an einem
vermeintlich sicheren Platz zu haben, wo sie sich für einige Zeit
auch ohne Aufsicht beschäftigen und gleichzeitig erste Schritte
erlernen können. Mit den Laufhilfen erreichen die Kleinen aber
gefährliche Stellen im Haus wie Treppenabsätze oder Türschwellen
schneller als gewohnt.

Eine Verordnung des Bundesministeriums für Gesundheit und
Konsumentenschutz schreibt gerade aus diesem Grund Hinweise auf dem
Gerät, der Verpackung und in der Gebrauchsanweisung vor, Kinder im
Laufwagerl nie ohne Aufsicht zu lassen. Bei vielen Geräten wird aber
diese Kennzeichnungspflicht nicht oder nur mangelhaft befolgt. Eltern
wissen offensichtlich immer noch zu wenig über die Gefahren Bescheid.

Laufwagerl können Entwicklung des Kindes verzögern

"Kein anderes Gerät für Kleinkinder verursacht so viele und so
schwere Verletzungen wie der Babywalker. Die meisten Eltern kaufen
die Geräte im falschen Glauben, daß ihre Kinder damit das Laufen
sicher und schneller erlernen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall:
Die körperliche Entwicklung des Kindes, wird nicht gefördert, aber
die Gesundheit gefährdet", sagt Dr. Rupert Kisser, Leiter des
Institutes "Sicher Leben".

Empfehlungen des Institutes "Sicher Leben":

Keine Babywalker

Eltern sollen auf Babywalker für ihre Kinder verzichten, sie auch
nicht schenken oder sich schenken lassen.

Bewegungsspielzeug statt Laufgeräte!

Bewegungsspielzeug zum Schieben unterstützen die ersten Schritte
der Kleinsten sicher: Puppenwägen, an denen sich die Kinder
aufrichten können und Halt beim Gegen finden, aber auch Rutschautos
und Schaukeltiere. Das Kind steht oder sitzt mit diesen Spielsachen
frei, ist also nicht in einem Sitz wie in der Laufhilfe und lernen so
besser die Balance zu halten. Aufgeschürfte Knie und blaue Flecken
lassen sich zwar nicht ganz vermeiden, gehören aber zum Lernprozeß im
Umgang mit der Schwerkraft.

Forderungen des Institutes "Sicher Leben" an die Produzenten und
Händler

Bessere Kennzeichnung!

Verstärkte Kontrollen der Kennzeichnung der Babywalker als
"Gefährliche Produkte" nach dem Produktsicherheitsgesetzes sowie
genaue Gebrauchsanweisungen.

Rasche Einführung von Laufwagerln nach amerikanischer Norm

Diese Geräte haben gebremste Räder sowie eine Sturzsicherung.
Diese Sturzsicherung besteht aus einem Gummiwulst rund um den unteren
Rahmen des Walkers. Sobald ein Rad etwa über eine Stufe fährt, fällt
der Babywalker auf den Wulst, welcher eine Weiterfahrt durch seinen
hohen Reibwiderstand verhindert. Eine europäische Norm nach
amerikanischem Vorbild ist derzeit in Ausarbeitung.

mporteure sollen nur mehr neue Geräte einkaufen und in Verkauf
bringen!

44.000 Interviews im Dienste der Produktsicherheit

Die Auswertung zum Produkt "Kinderlaufwagerl" basieren auf Daten
des Unfallerhebungssystemes für Heim-, Sport- und Freizeitunfälle
EHLASS. Das Institut "Sicher Leben" erhebt in Kooperation mit dem
Gesundheitsministerium und dem Büro für Konsumentenschutz im
Justizministerium die österreichischen Daten für dieses europäische
Unfallerhebungssystem. Eigens für EHLASS angestellte und geschulte
Interviewer sprechen in vier österreichischen Spitälern mit ambulant
und stationär behandelten Unfallopfern, die sich im Haushalt, beim
Sport oder in der Freizeit verletzt haben. Dabei werden detaillierte
Fakten über Unfallursachen, beteiligte Produkte, betroffene Personen
und Verletzungen erhoben. EHLASS ermöglicht so nicht nur, gefährliche
Produkte zu erkennen und gegebenenfalls vom Markt abzuziehen, es ist
vor allem auch ein System, um Unfallzusammenhänge zu untersuchen und
damit Informationen zur laufenden Verbesserung von Produkten zu
gewinnen. Derzeit stehen rund 44.000 Interviews zur Verfügung.

Rückfragehinweis: Institut Sicher Leben
Mag. Thomas Lettner
Tel.: (01) 71 770-158

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