- 04.04.2000, 17:50:44
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Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Ausgabe vom 5.4.2000 SPÖ=
Wenn Alfred Gusenbauer 1945 gelebt und gleich nach dem Zweiten
Weltkrieg "braune Flecken" gesucht hätte, würde es nie eine mächtige
Kärntner SPÖ gegeben haben. Mit Ausnahme der Elite, die aus dem
Widerstand kam, war damals jeder Zweite ein Mitläufer. Keine
Nazi-Verbrecher, sondern Soldaten und Menschen, die sich dem Regime
anpassten. Sie wurden von den Sozialisten mit offenen Armen
empfangen.
Der Antifaschist Ferdinand Wedenig entschuldigte im Rückblick die
Haltung seiner Partei mit den Worten: "Die Sozialisten hatten den
Mut, eine allgemeine Verfolgung der Nationalsozialisten durch die
Besatzungsmacht zu verhindern. Der Erfolg war die Verbreitung der
demokratischen Basis." Einmal war die SPÖ von ihrer geübten Praxis,
um die Stimmen der Ehemaligen zu buhlen, abgegangen. Bei der
Landtagswahl 1949 verlor sie drei Mandate, die ÖVP und KPÖ je zwei,
während die VdU, die Vorgängerin der FPÖ, auf Anhieb acht Mandate
gewann. Das Ergebnis zeigt, dass es Mitläufer in allen Parteien gab.
Geschockt kehrten die Sozialisten auf ihren Kurs zurück und gaben
sich künftig als "kärntnerisch-patriotische Partei", die das
Minderheitenproblem zur Kärntner Frage hochschaukelte. Bis zur
Hochblüte Leopold Wagners eilte die Partei von Sieg zu Sieg.
Das war, vereinfacht gesagt, die Erfolgsstoy der Kärntner SPÖ. 55
Jahre nach Ende des Krieges nach "braunen Flecken" zu suchen, ist
zwar außenpolitisch und moralisch verständlich, dennoch kurios. Denn
Herr und Frau Österreicher fühlten sich in der Rolle des Opfers stets
wohler als in jener des Täters.
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