• 26.03.2000, 09:00:14
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Leiter des Wiesenthal-Centers Los Angeles in FORMAT: Nach Haider Rücktritt Sanktionen überdenken.

Henry Kissinger: "EU muß sich gut überlegen, sich in freie Wahlen einzumischen".

Wien (OTS) - Rabbi Marvin Hier, der Leiter des Wiesenthal-Centers
in Los Angeles, schlägt im Interview mit der am Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins FORMAT ein Überdenken der Sanktionen
gegen Österreich vor, weil sich Jörg Haider von der Spitze der FPÖ
zurückgezogen hat. "Man muß berücksichtigen, daß Haider als
Parteichef zurückgetreten ist. Das macht einen Unterschied", sagt
Rabbi Hier im FORMAT-Interview. Der Rabbi weiter: "Die Person Haider
hat die Krise ausgelöst und der EU gebührt die Anerkennung, durch
ihren Druck Haider in den Rücktritt getrieben zu haben. Nun sollte
mehr Pragmatismus Einzug halten. Die Message an die Freiheitlichen
muß sein: Wenn ihr nicht die gleichen Fehler wie Mr. Haider begeht,
der alle zwei Jahre ein kontroversielles Statement zum
Holocaustabgeben hat, ob vor Leuten der Waffen-SS oder anderen,
sollte das Kapitel langsam geschlossen werden.- Das Wiesenthal-Center
Los Angeles, das von Rabbi Marvin Hier gegründet wurde, hat heute
über 400.000 Mitglieder. Rabbi Hier hat in der Vergangenheit
Schlagzeilen gemacht, weil er dort ein Bild Jörg Haiders zusammen mit
Diktatoren wie Saddam Hussein oder Muammar Gaddhafi in der "Halle der
Demagogen" ausgestellt hat. Im FORMAT-Interview betont Hier: "Haider
war der Reibebaum". Es gebe zwar auch andere fremdenfeindliche
Politiker in der FPÖ, aber, so der Rabbi, "man kann nicht sagen, nach
Haiders Rücktritt ist alles so wie vorher." Rabbi Hier verweist im
FORMAT-Interview auch darauf, daß durch die Aufregung um die
Regierungsbeteiligung der FPÖ nun sogar die Bemühungen um Restitution
und Entschädigung für Zwangsarbeiter in ein schiefes Licht geraten.
Der Rabbi wörtlich: "In dieser Situation schaut alles aus wie eine
Abschlagszahlung. Das andere Camp wird darauf hinweisen, das es sich
um eine Art Schmiergeld handelt, daß die Welt Haider vergißt."

Kissinger warnt die EU vor Einmischung in Mitgliedsländer

Auch der Friedensnobelpreisträger und ehemalige US-Außenminister
Henry Kissinger meldet sich zu Wort. Die Sanktionen der EU gegen
Österreich beurteilt Kissinger so: "Die Krise in Österreich hängt zum
Teil mit der Stagnation der demokratischen Parteien zusammen. Ich
lehne Haiders Art der Politik vollständig ab, aber ich glaube, die
europäische Union muß sich gut überlegen, inwieweit sie sich in freie
Wahlen eines ihrer Mitgliedstaaten einmischt."

Rückfragehinweis: FORMAT,

Andreas Weber Tel. 0664 / 302 73 27

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