WirtschaftsBlatt über die EU-Sanktionen Nicht alle denken wie Joschka Fischer - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Sehr laut haben sich deutsche Wirtschaftsführer
bisher nicht gegen die von 14 EU-Mitgliedstaaten vom Zaun gebrochene Strafaktion gegen Österreich vernehmen lassen. Umso positiver wirkt jetzt die Stellungnahme, die der Chef der deutschen Handelskammer in Österreich, Rolf Schäfer, der WirtschaftsBlatt Redaktion am Freitag übermittelte: gewissermassen eine Antwort auf die in dieser Zeitung erhobene Kritik am "Schweigen der deutschen Bosse" ("Zur Sache", 4.3.). Ein Brief der Deutschen Handelskammer an den deutschen Aussenminister Joschka Fischer ist tatsächlich eine klare Absage an eine Politik der Vorverurteilung und der "immer wieder neu belebten Pressionen gegen Österreich". Diese Politik werde letztlich auch die deutsche Wirtschaft schädigen, heisst es darin (Text siehe A4). Damit spricht endlich eine Interessenorganisation der Wirtschaft klar aus, dass der Zauber, den die EU-Regierungen mit ihrem Manifest gegen die österreichische Regierungskoalition veranstalteten, auch mit Blick auf die ökonomischen Leitbilder der Europäischen Union nicht zu verantworten ist. Dass diese Geisteshaltung demokratiepolitisch in die Sackgasse führen muss, haben die Kommentatoren zahlreicher EU-Medien vom ersten Tag an befürchtet. Eine Zurück gibt es nicht. Die EU-Mehrheit, die sich unter wohlformulierter Beihilfe durch den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und dessen Aussenminister in ihren Standpunkt verbohrt hat, wird formal nicht davon abrücken. Die Österreicher sollten aber - und da ist die in ihrer neuen Aufgabe erstaunlich gewachsene Aussenministerin Benita Ferrero-Waldner die glaubwürdigste, weil am wenigsten umstrittene Pionierin - weniger die Feinde zählen als vielmehr die natürlichen Freunde aufsuchen. Diese sind nicht durch Staats- oder Parteizugehörigkeit zu definieren, sondern nach dem, was man aus der guten Zusammenarbeit in vergangenen Jahren von einander weiss. So wie es zahlreiche deutsche Unternehmen gibt, für die ein Rückfall in die Steinzeit protektionistischer Handelsbeziehungen von Nachteil wäre, so ist es ausgeschlossen, dass alle französischen Wirtschaftstreibenden ihre Unternehmensziele nach den jeweiligen Auslassungen ihres Staatspräsidenten oder den Karikaturen in Le Monde ausrichten. (Schluss) was

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