"Neue Zeit" Kommentar: "Schuss vor den Bug" (von Gabriela Rumpelsberger)

Ausgabe vom 9.3.2000

Graz (OTS) - Wenn Jörg Haider Geschenke ankündigt, ist besondere Vorsicht angesagt - das haben wir mittlerweile alle gelernt. Und so ist auch sein "Geschenk zum Internationalen Frauentag" - nämlich die Wiedereinsetzung der von ihm vor einigen Wochen abgesetzten Kärntner Frauenbeauftragten Helga Grafschafter - zu verstehen. Schließlich begleitete er sein Präsent mit der Hoffnung, die vorübergehende Absetzung sei "ein ausreichender Schuss vor den Bug" gewesen. Was bedeutet, kritische Stimmen werden in Zukunft nicht akzeptiert. Grund für Grafschafters Absetzung war, dass sie Zettel in Form von Parten verteilt hatte, auf denen sie gegen die Auflösung des Frauenministeriums protestierte und somit laut Haider "parteipolitisch agiert" habe. Und eine Frauenbeauftrage habe "maximal unabhängig" zu handeln, so der Kärntner Landeshauptmann. Bei all seiner Argumentationswut hat Haider aber offensichtlich vergessen, dass es sich bei der Frauenbeauftragten eben um eine Frau handelt, die sich nicht nur aufgrund ihres Geschlechts sondern auch der Definition ihres Jobs zufolge, für die Umsetzung der Interessen der Frauen einsetzt. Besondere parteipolitische Einflussnahme ist dabei nicht nötig. Leicht wird es Grafschafter künftig jedenfalls nicht haben. Denn an das Ideal einer Kärntner Frauenbeauftragten nach Haiders Vorstellung - männlich und parteipolitisch unabhängig, das schwarz-blaue Programm vollziehend - wird sie wohl nicht herankommen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Neue Zeit,
Tel: 0316/2802-306

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS