Weltweit erste Verpflanzung körpereigener Netzhaut

Neue Operationsmethode in der Wiener Rudolfstiftung

Wien, (OTS) Hoffnung für Patienten, die unter einer "fortschreitenden Netzhautdegeneration" (Makuladegeneration)
leiden und deren Sehvermögen dadurch rapide und radikal abnimmt:
Weltweit erstmals wurden an der Augenabteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung körpereigene Netzhautzellen auf die, von der Degeneration betroffene zentrale Netzhaut (Makula) transplantiert. Durch die körpereigenen Zellen kommt es zu keiner Abstoßung, die Degeneration kann gestoppt und das Sehvermögen wieder hergestellt werden.

Am Mittwoch präsentierten Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder, die Abteilungsleiterin der Augenabteilung der
Krankenanstalt Rudolfstiftung, Prim. Univ.Prof. Dr. Susanne
Binder, und der Ärztliche Direktor der Rudolfstiftung, Dr. Wilhelm Marhold, die ersten längerfristigen Ergebnisse dieser Operationsmethode, die von Professor Binder entwickelt wurde und seit März 1999 angewandt wird.

Prof. Binder: "Die Ergebnisse belegen den Erfolg der neuen Operationsmethode: Bei vier von acht Patienten konnte eine
deutliche Verbesserung des Sehens erreicht werden, zwei Patienten sehen etwas besser, bei zwei Patienten blieb die Sehschärfe unverändert. Bei allen Patienten war aber der bei dieser Krankheit auftretende ´schwarze Fleck´ im Sehfeld deutlich kleiner." Alle bisherigen Operationen, so die Augenspezialistin, seien überdies ohne Komplikationen abgelaufen.

Besondere Bedeutung kommt der neuen Operationsmethode zu, weil sie die einzige Alternative zur bisher bei dieser Erkrankung
angewandten Lasertherapie ist. Aus medizinischen Gründen kann die Lasertherapie aber nur bei 10 Prozent aller Patienten angewendet werden, für 90 Prozent der Betroffenen stand daher bis jetzt keine Therapie zur Verfügung.****

Spitzenforschung in städtischen Spitälern

"Wien ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie medizinische Forschung auf höchstem internationalen Niveau unmittelbar allen Patienten, unabhängig vom Einkommen und ihrer sozialen Stellung,
zu Gute kommt", betonte Stadtrat Rieder.

Diese Symbiose von "Forschung" und "Versorgung" zeige sich,
so Rieder auch im Trend der letzten Jahre, dass erstklassige wissenschaftliche Leistungen nicht mehr auf das AKH beschränkt, sondern mittlerweile in allen städtischen Schwerpunktspitälern zu finden seien. Als Beispiele für international renommierte Einrichtungen nannte Rieder unter anderem die Krebszentren im Wilhelminenspital und im Kaiser Franz Josef-Spital, die Herz- und Gefäßchirurgie im Krankenhaus Lainz oder eben die Augenabteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung.

Was ist eine Makuladegeneration?

Rund 10 Prozent der über 55-jährigen und bereits 30 Prozent der über 75-jährigen leiden unter einer Makuladegeneration. Dabei ist die zentrale Netzhaut (= gelber Fleck, Makula) einem "Zersetzungsprozess" ausgesetzt. Für die Betroffenen bedeutet
diese Erkrankung einen immer größer werdenden "schwarzen Fleck" im Zentrum des Sichtfeldes. Dieser Fleck führt nicht zu einer völligen Erblindung, aber zu einem Verlust der zentralen Sehschärfe und Lesefähigkeit, am Ende bleibt nur ein orientierender "Sehrest".

Folgende Risikofaktoren oder begünstigende Voraussetzungen für eine Makuladegeneration sind der Wissenschaft derzeit bekannt:

o Hohes Cholesterin
o Wenig Pigmente, helle Augen, helle Haut
o Frauen haben eine höheres Risiko
o Durchblutungsstörungen
o Familiäre Veranlagung
o Äußerer Lichteinfluss

Zwei Formen der Makuladegeneration

Die Wissenschaft unterscheidet zwei Formen der Makuladegeneration, die "trockene" und die "feuchte". Bei der trockenen Form kommt es zu einem langsamen Absterben der zentralen Netzhautzellen und einem "Verschwinden" der darunter liegenden Schichten. Derzeit ist gegen die trockene Makuladegeneration keine Therapie möglich.

Bei der "feuchten" Form kommt es unter der Netzhaut,
sozusagen auf dem "Trägergewebe" der Netzhaut, zu einer Gefäßneubildung und -einsprossung, die das zentrale Sehen aufgrund einer Narbenbildung (Fibrose) allmählich zerstören. Nur wenn diese Degeneration nicht genau im Zentrum der Netzhaut liegt, und das
ist nur bei 10 Prozent der Patienten der Fall, konnte bisher eine Lasertherapie angewendet werden. Wird der Laser nämlich im Zentrum der Netzhaut eingesetzt, hinterlässt dieser Narben, die einen entsprechenden Sehverlust hervorrufen.

Die ersten Ergebnisse der Netzhauttransplantationen

Bis jetzt wurde bei vierzehn Patientinnen und Patienten eine Transplantation eigener Netzhaut vorgenommen. Bereits ausgewertete Ergebnisse liegen für acht Patienten vor, die zwischen März 1999 und September 1999 operiert wurden:

Bei vier von acht Patienten konnte eine Verbesserung des
Sehens erreicht werden, zwei davon zeigten eine deutliche Sichtverbesserung und können mit dem betroffenen Auge mit einer normalen Lesebrille wieder lesen. Bei den zwei anderen Patienten
ist ein Lesen mit vergrößernden Sehhilfen (Lupe oder Bildschirm) wieder möglich.

Zwei Patienten weisen eine minimale Verbesserung zum Vorbefund auf.

Bei zwei Patienten blieb die Sehschärfe unverändert.
Bei allen Patienten ist der zentrale "schwarze Fleck" (Skotom) aufgrund der Operation kleiner geworden, so dass eine bessere Orientierung möglich ist.

Eine Verschlechterung gegenüber der Sehschärfe vor der Operation ist in keinem Fall aufgetreten, alle Operationen
verliefen komplikationslos.

Eigene Netzhaut wird nicht abgestoßen

Der große Vorteil der von Prof. Binder und ihrem Team angewandten Methode besteht darin, dass eigene Netzhautzellen
nicht abgestoßen werden. Denn schon bisher wurden Netzhautzellen von Föten transplantiert, was aber immer wieder zu Abstoßungsreaktionen und damit zu Belastungen für die Patienten geführt hat.

Die an der Rudolfstiftung angewandte Operationsmethode
besteht aus einer Glaskörperchirurgie, der Entfernung der Gefäßplatte unter der zentralen Netzhaut und der gleichzeitigen Transplantation eigener Netzhautzellen. Diese Zellen werden vom "nasalen" Rand der Netzhaut, wo sie für das Sehvermögen "nicht abgehen", entnommen. (Schluss) mmr/nk

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