Ergebnis der Mitgliederbefragung (Jänner 2000) des Inkassoverband Österreich über die Zahlungsmoral in Österreich

Wien (OTS) - Im Jänner, Mai und September jeden Jahres befragt der Inkassoverband Österreich seine Mitglieder über die Zahlungsmoral in Österreich. Die Ergebnisse der jüngsten Umfrage zeigen ein durchaus erfreuliches Bild, denn im Vergleich zur letzten Umfrage meinen doppelt so viele Mitgliedsbetriebe, nämlich 8,7 Prozent, dass sich die Zahlungsmoral gebessert hat. Stellten noch im September letzten Jahres 41,7 Prozent eine Verschlechterung fest, so meinen dies jetzt nur mehr 17, 4 Prozent. 73,9 Prozent meinen, keine Veränderungen im Zahlungsverhalten feststellen zu können (September 1999: 54,2 Prozent).

PRIVATE SCHULDNER

Erklärten im September 1999 noch 8,3 Prozent der Befragten, dass sich die Zahlungsmoral privater Schuldner verbessert habe, so neigten im Jänner 2000 nur mehr knapp die Hälfte, 4,3 Prozent, dieser Ansicht zu. Insgesamt verbesserte sich die Situation in diesem Segment, denn nur 30,4 Prozent gaben an, die Situation habe sich verschlechtert ( September: 41,7 Prozent), und 65,2 Prozent meinten, sie sei gleich geblieben (September: 50 Prozent). Als Ursachen für die Misere der privaten Schuldner geben die befragten Inkassoinstitute an, dass sie zu 100 Prozent (September: 95,8 Prozent) in der Überschuldung zu finden sind. 78,3 Prozent führen dies auf Arbeitslosigkeit zurück (September 70,8 Prozent) und 47,8 Prozent auf vorsätzliches Nichtzahlen (September: 33,3 Prozent).

GEWERBLICHE SCHULDNER

In diesem Segment kann eine erfreuliche Verbesserung der Zahlungsmoral festgestellt werden. Waren es im September 1999 nur 4,2 Prozent, die diese Einschätzung teilten, schlossen sich bei der aktuellen Umfrage 13 Prozent dieser Meinung an. Diejenigen, die meinen, die Situation habe sich verschlechtert, nahmen mit 13 Prozent (September: 29,2 Prozent) drastisch ab. Mit 65,2 Prozent blieb die Zahl derer, die die Lage als unverändert einstufen, nahezu konstant (September: 66,7 Prozent). In der Bewertung der Ursachen zeigt sich, dass 82,6 Prozent (September: 75 Prozent) die Ursachen in einem Ansteigen der Überschuldung sehen, gefolgt von 52,2 Prozent (September: 58,3), die dies auf eine Umsatzschwäche zurückführen. Diejenigen unter den Schuldnern, denen die Mitgliedsbetriebe vorsätzliches Nichtzahlen zuschreiben, blieben mit 26,1 Prozent (September: 25 Prozent) konstant. Auffallend ist ein Ansteigen der Zahlungsprobleme in der Baubranche. Waren es im September 1999 nur 66,7 Prozent, so ist bei der Umfrage im Jänner eine Steigerung auf 73,9 Prozent festzustellen. Das Gastgewerbe schneidet mit 60,9 Prozent deutlich schlechter ab als im September 1999 (50 Prozent), während der Handel eine eklatante Verschlechterung erkennen läßt. Meinten bei der letzten Umfrage noch 29,2 Prozent, dass diese Sparte große Zahlungsprobleme habe, so wuchs diese Gruppe auf beachtliche 43,4 Prozent der befragten Mitglieder an. Bei den Professionisten läßt sich hingegen eine leichte Erholung feststellen, denn noch im September sahen 20,8 Prozent in diesem Bereich Zahlungsprobleme während nun nur noch 8,7 Prozent diesbezüglich gravierende Probleme feststellen.

Mitgliederbefragung Jänner 2000 - ERGEBNISSE

Frage 1 - Welche Erfahrungen haben Sie ingesamt mit der Zahlungsmoral der Schuldner gemacht? Hat sich die Zahlungsmoral in der letzten Periode gebessert, verschlechtert oder ist sie unverändert?

gebessert: 8,7%
verschlechtert: 17,4%
unverändert: 73,9%

Frage 2 - Wenn Sie private und gewerbliche Schuldner betrachten, wie hat sich das Zahlungsverhalten in diesem Zeitraum entwickelt? Können Sie eine Tendenz feststellen?

Private Schuldner
gebessert: 4,3%
verschlechtert: 30,4%
unverändert: 65,2%

Gewerbliche Schuldner
gebessert: 13,0%
verschlechtert: 13,0%
unverändert: 73,9%

Frage 3 - Wenn Sie an die Gründe für das Nichtzahlen von offenen Rechnungen denken, wo liegen Ihrer Meinung nach bei den privaten Schuldnern zur Zeit die Gründe? (Mehrfachnennung möglich)

Überschuldung: 100%
Arbeitslosigkeit: 78,3%
Momentaner Liquiditätsengpaß: 21,7%
Vorsätzliches Nichtzahlen: 47,8%
Sonstiges: 17,4%

Frage 4 Wie sind Ihre Erfahrungen mit den gewerblichen Schuldnern?

Überschuldung: 82,6%
Umsatzschwäche: 52,2%
Bewußtes Ausnützen der Zahlungsziele und Überschreitung: 82,6% Vorsätzliches Nichtzahlen: 26,1%
Vergeßlichkeit: 8,7%
Sonstiges - wurde nie genannt

Frage 5 Die Zahl der Unternehmensgründer ist in letzter Zeit stark gestiegen. Welche Erfahrungen haben Sie mit Jungunternehmern? Ist ihre Zahlungsmoral schlechter, besser oder gibt es keine Unterschiede zu etablierten Unternehmern?

besser: 13,0%
schlechter: 26,1%
keine Unterschiede: 60,9%

Frage 6 - Wenn Sie an die Einführung des EURO denken, hat das Ihrer Meinung nach Einfluß auf das Zahlungsverhalten der Schuldner?

Wird keinen Einfluß haben: 95,7%
Das Zahlungsverhalten wird sich verschlechtern: 4,3%
Das Zahlungsverhalten wird sich bessern - wurde von keinem Mitglied genannt

Frage 7 - Wenn Sie an das nächste Jahr denken, also bis Ende 2000:
Wie schätzen Sie, wird sich die Zahlungsmoral in Österreich allgemein entwickeln?

bessern - wurde von keinem IVÖ-Mitglied genannt
verschlechtern: 43,4%
keine Veränderungen: 56,5%

Frage 8 - Nennen Sie uns drei Branchen, welche Ihrer Meinung nach derzeit die größten Probleme beim Zahlen haben:

Bau: 73,9%
Gastgewerbe: 60,9%
Handel sonst.: 43,4%
Textil: 26,1%
Professionisten: 8,7%
Sonstige: 17,4%

Frage 9 - Werden Ihrer Einschätzung nach die gewerbliche und privaten Insolvenzen im nächsten Jahr weiter steigen?

Private Insolvenzen:
Ja: 95,7%
Nein: 4,3%

Gewerbliche Insolvenzen
Ja: 65,2%
Nein: 34,8%

Frage 10 - Wenn Sie die Höhe der Forderungen betrachten, wie hat sich das Zahlungsverhalten entwickelt?

Bis öS 10.000,--:
besser: 4,3%
schlechter: 21,7%
unverändert: 73,9%

Über öS 10.000,--:
besser - wurde von keinem IVÖ-Mitglied genannt
schlechter: 34,8%
unverändert: 65,2%

Frage 11 - Wie bewerten Sie den Erfolg der Gerichtsvollzieher? Hat sich die Erfolgsquote gebessert, verschlechtert oder ist sie unverändert geblieben?

gebessert: 4,3%
verschlechtert: 34,8%
unverändert: 60,9%

Frage 12 - Welche Erfahrung haben Sie mit der Erledigungszeit der Gerichtsvollzieher in den letzten Jahren gemacht?

besser: 4,3%
schlechter: 69,6%
unverändert: 26,1%

Frage 13 - Wieviele übergebene, offene Forderungen betreffen private und wieviele gewerbliche Schuldner? (in Prozent)

71,2 % private Schuldner
28,8 % gewerbliche Schuldner

Frage 14 Bearbeiten Sie Dubiosen (ausgeklagte Forderungen)?

Ja: 91,3%
Nein: 8,7%

Wenn ja: Wie hoch (Prozentsätze) ist Ihre Einbringungsquote innerhalb von

3 Jahren: 30,1%
5 Jahren: 36%
10 Jahren: 43,6%

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Helmut Liegl,
Presse - und Kostenreferent
Tel: 0 463 /51 24 24 0 /
E-Mail: kko@liegl.at

Manfred Ratz, Präsident des
Inkassoverband Österreich,
Tel.: 0 732 / 75 70 70 /
E-Mail: inko@inko.co.at,

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OGV/OTS