"profil": Kultusgemeinde hat 700 Mio. S. Schulden

IKG-Präsident Muzicant will Schuldenabdeckung durch die öffentliche Hand - plädiert für geförderten Zuzug von 60.000 Juden

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in
seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, hat die
Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) 700 Millionen
Schilling Schulden. IKG-Präsident Ariel Muzicant hat diese
Tatsache Ende des vergangenen Jahres dem damaligen
Chef der SPÖ, Viktor Klima, und VP-Chef Wolfgang
Schüssel schriftlich mitgeteilt.

Gleichzeitig ersuchte er, seinen Wunsch nach voller
Abdeckung dieser Schulden durch die öffentliche Hand in
die laufenden Regierungsverhandlungen einzubeziehen.
Ohne einen derartigen Schritt sei das Überleben der
Israelitischen Kultusgemeinde gefährdet. Wörtlich schrieb Muzicant: "Um die Schulden zurückzubezahlen, müsste
fast das gesamte Vermögen der IKG verkauft werden, so
dass ein Fortbestand einer jüdischen Gemeinde in Wien
unmöglich wäre."

Von einer Überschuldung, so Muzicant gegenüber
"profil", könne noch nicht gesprochen werden. Seiner
Schätzung nach sind die Immobilien der IKG zwischen 800
und 850 Millionen Schilling wert.

Nach Ansicht des IKG-Präsidenten müssten die
Einrichtungen des jüdisch-religiösen Lebens wie Schulen,
Synagoge und Sicherheitsapparat von bis zu 100.000
benützt werden, um ausgeglichen zu bilanzieren. Die IKG
Wien hat jedoch nur 7000 Mitglieder. Da dies eine Folge
der NS-Vernichtungspolitik ist, forderte Muzicant in
seinem Schreiben "öffentlichen Ausgleich" für die
Schulden. Weiters sprach er sich für massive geförderte Zuwanderung von bis zu 60.000 jüdischen Menschen aus.

Muzicant war im Frühjahr 1998 zum Präsidenten der IKG
Wien bestellt worden. Nach seinen Angaben übernahm er
damals knapp über 600 Millionen Schilling Schulden. In
seinem ersten Amtsjahr stieg das Jahresdefizit auf 25
Millionen - von rund zehn Millionen im Jahr davor. 1999
betrug es laut jüngstem Kontrollbericht bereits 54
Millionen Schilling. Laut profil kritisiert der interne Kontrollbericht, dass viele Ausgaben ohne die notwendige
Zustimmung des Kultusvorstandes erfolgt seien.

Vorwürfe der Misswirtschaft bestritt der IKG-Präsident
gegenüber "profil". Muzicant: "Wo viel gemacht wird,
passieren Fehler. Aber mir ist kein einziger Fall von
Misswirtschaft bekannt."

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