• 25.02.2000, 10:37:40
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  • OTS0099

Görg präsentiert aktuelle Studie zur Wiener Wohnzufriedenheit (1)=

Wien, (OTS) Bei einer Pressekonferenz von Vizebürgermeister
Dr. Bernhard Görg wurde am Freitag eine repräsentative Studie zur
Wiener Wohnzufriedenheit präsentiert.

Die Studie, die von der MA 18 (Stadtentwicklung, -planung) in
Auftrag gegeben wurde, erhob im Zeitraum September bis Dezember
1999 die Wohnzufriedenheit der Wienerinnen und Wiener im
geförderten Wohnbau. Zusätzlich wurden die Beweggründe
untersucht, die für jene ausschlaggebend waren, welche die Stadt
verließen und ins Wiener Umland absiedelten.

Die Groß-Studie (1050 Interviews), die in einer
Arbeitsgemeinschaft von den renommierten Marktforschungsinstituten
Ifes und Fessel+GfK durchgeführt wurde, wurde den Medien im Detail
vom Studienleiter des Ifes-Institutes, Dr. Gert Feistritzer,
erläutert, wobei darauf hingewiesen wurde, dass mit der
umfassenden Untersuchung erstmals für Wien wissenschaftlich jene
Kriterien erfasst wurden, die ausschlaggebend für eine hohe
Bewertung der Lebensqualität und Wohnzufriedenheit bei
Bewohnerinnen und Bewohnern im geförderten Wohnbau sind.

Die Studie ergab: die Wienerinnen und Wiener sind im großen
und ganzen mit ihrer Wohnung zufrieden, sie legen beim Wohnen aber
verstärkt Wert auf Grünraum und infrastrukturelle Freizeit-
Einrichtungen (Grünlage, Gemeinschaftshobbyraum, Sauna,
Schwimmbad, Geschäfte...) und auch das mobile Freizeitverhalten
richtet sich in erster Linie nach dem unmittelbaren Wohn-Umfeld-
Angebot. Wohnzufriedenheits-Spitzenreiter im Bereich der
Wohnhausanlagen ist Alt-Erlaa, Defizite orten die Bewohner der
Frauen-Werk-Stadt und am Rennweg. Günstigere Grundstücks- und
Baukosten sowie das eigene Fleckchen Grün für die Kinder sind nach
wie vor ausschlaggebend bei den ins Umland Abgewanderten. Laut der
Untersuchung konnte kein direkter Zusammenhang zwischen einem gut
ausgestattetem Wohnbau und einem hohen Mietpreis hergestellt
werden - eine mindere Bauqualität bei guter Ausstattung aber
günstigen Preisen konnte auch nicht nachgewiesen werden.

"Vieles, was uns jetzt aufgrund dieser Studie schwarz-auf-
weiß vorliegt, war klar - ich gehe davon aus, dass alle gerne im
Grünen mit idealer Infrastruktur und in einem guten Wohnbezirk
leben wollen," sagte Vizebürgermeister Görg. "Trotzdem kann man
mit dieser Studie auch einen Auftrag für die Stadt und die Wiener
Stadtplanung erkennen: was meinen Bereich, sprich also die
Planung, anlangt, wird man sich zukünftig bei der Ausschreibung
von Wettbewerben und der Widmung von geförderten Wohnbauten
verstärkt auf die Erfüllung der wesentlichen
Lebensqualitätskriterien konzentrieren."****

Die von der Studie erhobenen "Lebensqualitätskriterien"
ergaben: ausreichend Grünraum, architektonisch anspruchsvoll und
funktionell, eine gute Ausstattung der Anlage und des Umfeldes mit
Freizeiteinrichtungen und gute Nahversorgung und Erschließung des
Verkehrsnetzes sind bei den Wienerinnen und Wienern besonders
gefragt.

Im Zuge der Studie wurden repräsentativ acht unterschiedliche
Wohnhausanlagen ((Alt Erlaa und Inzersdorfer Straße/Arndtstraße,
Wiener Flur und Inzersdorfer Straße/Angeligasse, Brünner Straße
und Frauen-Werk-Stadt, Wohnpark Wilhelmsdorf und Wohnpark Rennweg)
sowie vier unterschiedliche Siedlungsformen (Hausfeld-
Kleingartensiedlung mit ganzjährigem Wohnen, Obere Teiläcker-
Einfamilienhausgebiet, Verdi-Siedlung als Reihenhausgebiet und
Pilotenweg als Siedlung mit "verdichtetem Flachbau") untersucht.

Folgende Bereiche wurden dabei im Detail erhoben:

Lebenszufriedenheit, Wohnungs- und Wohngebietszufriedenheit,
Freizeit- und Mobilitätsverhalten, Motive zum Mobilitätsverhalten,
Soziale Netzwerke, Soziale Lage und soziale Milieus, hinzu kam
noch die Erfassung der Einstellung zum Eigenheim. Im Wiener Umland
wurde eine Befragung bei abgewanderten Haushalten durchgeführt, um
die Wegzugsmotive, den Prozess der Wohnungssuche und die gewählte
Wohnform und Wohngegend zu erfassen.

"Besonders überrascht waren wir über die hohe Zufriedenheit
der Bewohnerinnen und Bewohner in Alt Erlaa - dort scheint das
Schwimmbad auf dem Dach und eine relativ gute Infrastruktur an
Hobby- und Freizeiträumen, sowie einer funktionierenden
Nahversorgung das Konzept der "Stadt in der Stadt" erfüllt zu
haben," sagte Vizebürgermeister Görg. "Die Leute dort sind mit dem
Angebot zufrieden, was sich auch deutlich, in ihrem geringen
Bedürfnis nach Ausflügen ins nahe Umland widerspiegelt."

Zusammenfassung der Erkenntnisse und Schlussfolgerungen

Es kann ein deutlicher Zusammenhang zwischen Ausstattung der
Wohnhausanlagen, Siedlungen und Wohnumgebung mit (Freizeit)
Infrastruktur und Wohnzufriedenheit festgestellt werden: Je besser
die Ausstattung, desto höher ist die Wohnzufriedenheit, desto
geringer ist die Wohnungsmobilität (der Wunsch wieder
wegzuziehen), desto dichter ist das soziale Netz und desto stärker
ist die Identifikation mit der Siedlung. Es zeigt sich zwar eine
Korrelation zwischen Infrastrukturausstattung und
Freizeitverhalten, sie schlägt sich aber nicht klar im Bereich bei
der Freizeitmobilität nieder. Bei besserer Freizeitinfrastruktur
verbringt man zwar mehr Freizeit in der Wohnhausanlage, der
Siedlung und näheren Wohnumgebung; die Unterschiede im
Ausflugsverhalten sind aber im Geschoßwohnbau nicht sehr deutlich
ausgeprägt.

o Die Zufriedenheit mit der Wohnung hängt maßgeblich ab von
- der Lage innerhalb der Stadt, insbesondere der
Verkehrsanbindung
- der Attraktivität und Nutzbarkeit der unmittelbaren
Wohnumgebung
- der Ausstattung der Wohnanlage mit attraktiven Freizeit- und
Gemeinschaftseinrichtungen (vom Partyraum bis zum
Dachschwimmbad, vom Kinderspielplatz bis zum
wohnungsbezogenen Privatgarten)
o Bewohner bewerten ihre Wohnanlagen nach anderen Gesichtspunkten
als die Jurys von Architektur-Wettbewerben. Das bedeutet nicht,
dass die ästhetische Gestaltung im geförderten Wohnbau zu
vernachlässigen ist, sie ersetzt aber nicht eine allenfalls
fehlende Ausstattung mit Freizeit- und
Gemeinschaftseinrichtungen oder gar fehlende
Verkehrsinfrastruktur und Nahversorgung. Engagierte Architektur
alleine ist jedenfalls zu wenig, wenn die Wohnanlage in
schlecht

ausgestatteter Umgebung errichtet wird. (Beispiel
Frauenwerkstadt)
o Daher wird bei zukünftigen Ausschreibungen auf eine hochwertige
Ausstattung der Anlagen mit attraktiven Freizeiteinrichtungen
und Grünflächen genau zu achten sein. Wie die in den
untersuchten Anlagen geführten qualitativen Interviews zeigen,
besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Ausstattung und
Preis für Miete und Betrieb.
o Die Stadtplanung muss sich noch stärker als bisher um
attraktive

Grün- und Erholungsräume im Wohnumfeld bemühen. Der Wochenend
-Freizeitverkehr und die Zweitwohnungsflucht aus Wien kann
bedeutend vermindert werden, wenn beste Wohnqualität bei guter
funktioneller Ausstattung in einer Wohnumgebung mit hoher
Freizeitqualität und errichtet wird.
o Daher wird die Stadtplanung noch stärker als bisher auf den
geförderten Wohnbau der Stadt Wien achten: es wird genau zu
erwägen sein, in welcher Lage der Wohnungsbedarf in Zukunft
gedeckt wird.
o Die ergänzend zur Bewohner-Befragung durchgeführten Erhebungen

zeigen: es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen der
Ausstattung und den monatlichen Kosten (Miete und Betrieb),
weder im Geschoßwohnbau noch in den durchgrünten Wohnformen. Die
finanzielle Belastung der Bewohner spiegelt bei den untersuchten
Anlagen vielmehr das Können der jeweiligen Architekten und
Bauherrn wider.
(Forts.) lei/

Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz:

www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Andrea Leitner
Tel.: 4000/81 414
e-mail: [email protected]

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