Görg präsentiert aktuelle Studie zur Wiener Wohnzufriedenheit (1)

Wien, (OTS) Bei einer Pressekonferenz von Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg wurde am Freitag eine repräsentative Studie zur Wiener Wohnzufriedenheit präsentiert.

Die Studie, die von der MA 18 (Stadtentwicklung, -planung) in Auftrag gegeben wurde, erhob im Zeitraum September bis Dezember
1999 die Wohnzufriedenheit der Wienerinnen und Wiener im geförderten Wohnbau. Zusätzlich wurden die Beweggründe untersucht, die für jene ausschlaggebend waren, welche die Stadt verließen und ins Wiener Umland absiedelten.

Die Groß-Studie (1050 Interviews), die in einer Arbeitsgemeinschaft von den renommierten Marktforschungsinstituten Ifes und Fessel+GfK durchgeführt wurde, wurde den Medien im Detail vom Studienleiter des Ifes-Institutes, Dr. Gert Feistritzer, erläutert, wobei darauf hingewiesen wurde, dass mit der
umfassenden Untersuchung erstmals für Wien wissenschaftlich jene Kriterien erfasst wurden, die ausschlaggebend für eine hohe Bewertung der Lebensqualität und Wohnzufriedenheit bei Bewohnerinnen und Bewohnern im geförderten Wohnbau sind.

Die Studie ergab: die Wienerinnen und Wiener sind im großen und ganzen mit ihrer Wohnung zufrieden, sie legen beim Wohnen aber verstärkt Wert auf Grünraum und infrastrukturelle Freizeit-Einrichtungen (Grünlage, Gemeinschaftshobbyraum, Sauna,
Schwimmbad, Geschäfte...) und auch das mobile Freizeitverhalten richtet sich in erster Linie nach dem unmittelbaren Wohn-Umfeld-Angebot. Wohnzufriedenheits-Spitzenreiter im Bereich der Wohnhausanlagen ist Alt-Erlaa, Defizite orten die Bewohner der Frauen-Werk-Stadt und am Rennweg. Günstigere Grundstücks- und Baukosten sowie das eigene Fleckchen Grün für die Kinder sind nach wie vor ausschlaggebend bei den ins Umland Abgewanderten. Laut der Untersuchung konnte kein direkter Zusammenhang zwischen einem gut ausgestattetem Wohnbau und einem hohen Mietpreis hergestellt
werden - eine mindere Bauqualität bei guter Ausstattung aber günstigen Preisen konnte auch nicht nachgewiesen werden.

"Vieles, was uns jetzt aufgrund dieser Studie schwarz-auf-weiß vorliegt, war klar - ich gehe davon aus, dass alle gerne im Grünen mit idealer Infrastruktur und in einem guten Wohnbezirk leben wollen," sagte Vizebürgermeister Görg. "Trotzdem kann man mit dieser Studie auch einen Auftrag für die Stadt und die Wiener Stadtplanung erkennen: was meinen Bereich, sprich also die
Planung, anlangt, wird man sich zukünftig bei der Ausschreibung
von Wettbewerben und der Widmung von geförderten Wohnbauten verstärkt auf die Erfüllung der wesentlichen Lebensqualitätskriterien konzentrieren."****

Die von der Studie erhobenen "Lebensqualitätskriterien" ergaben: ausreichend Grünraum, architektonisch anspruchsvoll und funktionell, eine gute Ausstattung der Anlage und des Umfeldes mit Freizeiteinrichtungen und gute Nahversorgung und Erschließung des Verkehrsnetzes sind bei den Wienerinnen und Wienern besonders gefragt.

Im Zuge der Studie wurden repräsentativ acht unterschiedliche Wohnhausanlagen ((Alt Erlaa und Inzersdorfer Straße/Arndtstraße, Wiener Flur und Inzersdorfer Straße/Angeligasse, Brünner Straße und Frauen-Werk-Stadt, Wohnpark Wilhelmsdorf und Wohnpark Rennweg) sowie vier unterschiedliche Siedlungsformen (Hausfeld-Kleingartensiedlung mit ganzjährigem Wohnen, Obere Teiläcker-Einfamilienhausgebiet, Verdi-Siedlung als Reihenhausgebiet und Pilotenweg als Siedlung mit "verdichtetem Flachbau") untersucht.

Folgende Bereiche wurden dabei im Detail erhoben:

Lebenszufriedenheit, Wohnungs- und Wohngebietszufriedenheit, Freizeit- und Mobilitätsverhalten, Motive zum Mobilitätsverhalten, Soziale Netzwerke, Soziale Lage und soziale Milieus, hinzu kam
noch die Erfassung der Einstellung zum Eigenheim. Im Wiener Umland wurde eine Befragung bei abgewanderten Haushalten durchgeführt, um die Wegzugsmotive, den Prozess der Wohnungssuche und die gewählte Wohnform und Wohngegend zu erfassen.

"Besonders überrascht waren wir über die hohe Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner in Alt Erlaa - dort scheint das Schwimmbad auf dem Dach und eine relativ gute Infrastruktur an Hobby- und Freizeiträumen, sowie einer funktionierenden Nahversorgung das Konzept der "Stadt in der Stadt" erfüllt zu haben," sagte Vizebürgermeister Görg. "Die Leute dort sind mit dem Angebot zufrieden, was sich auch deutlich, in ihrem geringen Bedürfnis nach Ausflügen ins nahe Umland widerspiegelt."

Zusammenfassung der Erkenntnisse und Schlussfolgerungen

Es kann ein deutlicher Zusammenhang zwischen Ausstattung der Wohnhausanlagen, Siedlungen und Wohnumgebung mit (Freizeit) Infrastruktur und Wohnzufriedenheit festgestellt werden: Je besser die Ausstattung, desto höher ist die Wohnzufriedenheit, desto geringer ist die Wohnungsmobilität (der Wunsch wieder
wegzuziehen), desto dichter ist das soziale Netz und desto stärker ist die Identifikation mit der Siedlung. Es zeigt sich zwar eine Korrelation zwischen Infrastrukturausstattung und
Freizeitverhalten, sie schlägt sich aber nicht klar im Bereich bei der Freizeitmobilität nieder. Bei besserer Freizeitinfrastruktur verbringt man zwar mehr Freizeit in der Wohnhausanlage, der
Siedlung und näheren Wohnumgebung; die Unterschiede im Ausflugsverhalten sind aber im Geschoßwohnbau nicht sehr deutlich ausgeprägt.

o Die Zufriedenheit mit der Wohnung hängt maßgeblich ab von
- der Lage innerhalb der Stadt, insbesondere der
Verkehrsanbindung
- der Attraktivität und Nutzbarkeit der unmittelbaren Wohnumgebung
- der Ausstattung der Wohnanlage mit attraktiven Freizeit- und Gemeinschaftseinrichtungen (vom Partyraum bis zum Dachschwimmbad, vom Kinderspielplatz bis zum
wohnungsbezogenen Privatgarten)
o Bewohner bewerten ihre Wohnanlagen nach anderen Gesichtspunkten als die Jurys von Architektur-Wettbewerben. Das bedeutet nicht, dass die ästhetische Gestaltung im geförderten Wohnbau zu vernachlässigen ist, sie ersetzt aber nicht eine allenfalls fehlende Ausstattung mit Freizeit- und
Gemeinschaftseinrichtungen oder gar fehlende Verkehrsinfrastruktur und Nahversorgung. Engagierte Architektur alleine ist jedenfalls zu wenig, wenn die Wohnanlage in
schlecht

ausgestatteter Umgebung errichtet wird. (Beispiel Frauenwerkstadt)
o Daher wird bei zukünftigen Ausschreibungen auf eine hochwertige Ausstattung der Anlagen mit attraktiven Freizeiteinrichtungen
und Grünflächen genau zu achten sein. Wie die in den untersuchten Anlagen geführten qualitativen Interviews zeigen, besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Ausstattung und
Preis für Miete und Betrieb.
o Die Stadtplanung muss sich noch stärker als bisher um
attraktive

Grün- und Erholungsräume im Wohnumfeld bemühen. Der Wochenend -Freizeitverkehr und die Zweitwohnungsflucht aus Wien kann bedeutend vermindert werden, wenn beste Wohnqualität bei guter funktioneller Ausstattung in einer Wohnumgebung mit hoher Freizeitqualität und errichtet wird.
o Daher wird die Stadtplanung noch stärker als bisher auf den geförderten Wohnbau der Stadt Wien achten: es wird genau zu erwägen sein, in welcher Lage der Wohnungsbedarf in Zukunft gedeckt wird.
o Die ergänzend zur Bewohner-Befragung durchgeführten Erhebungen

zeigen: es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen der Ausstattung und den monatlichen Kosten (Miete und Betrieb),
weder im Geschoßwohnbau noch in den durchgrünten Wohnformen. Die finanzielle Belastung der Bewohner spiegelt bei den untersuchten Anlagen vielmehr das Können der jeweiligen Architekten und Bauherrn wider.
(Forts.) lei/

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Andrea Leitner
Tel.: 4000/81 414
e-mail: lei@gpz.magwien.gv.atPID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK