"Neue Zeit" Kommentar: "Knieschuss" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 23.2.2000

Graz (OTS) - Mancher ÖVP-Politiker vermittelt derzeit das Gefühl, sich durch lautes Pfeifen im Wald Mut zu machen. Nicht so Landesrat Gerhard Hirschmann. Den steirischen Freund Jörg Haiders plagt offensichtlich kaum beherrschbare Wut über die nationalen vor allem aber über die internationalen Reaktionen auf die schwarz-blaue Regierung.

Was Hirschmann unter der in der ÖVP von Brüssel bis Graz ausgegebenen Parole "Selbstbewusstsein" versteht, machte er gestern mit einem Rundumschlag gegen Westeuropa deutlich, mit dem er seiner Parteikollegin, Außenministerin Ferrero-Waldner, einen Bärendienst erweist, der dem Bärentaler höchstselbst zur zweifelhaften Ehre gereichte.

Die Aufforderung, der portugiesische Premier Guterres, unter dessen Ratspräsidentschaft die Sanktionen der 14 EU-Partner beschlossen wurden, möge sich "die Nettozahlungen Österreichs persönlich abholen kommen", ist ein Affront gegen die Europäische Gemeinschaft, der seinesgleichen sucht. Die EU habe sich mit den Sanktionen "selbst ins Knie geschossen", formulierte Hirschmann -wohin schießt er mit derartigen Äußerungen Österreich?

Wenn Hirschmann gestern erklärte, er sei motiviert wie lange nicht und fühle sich wie das Mitglied einer neuformierten Fußballmannschaft, die für bessere Ergebnisse sorgen will, müsste er als Fußballfan auch mit einem Phänomen dieses Sports vertraut sein:
Übermotivierte Kicker neigen dazu, schwere Fouls zu begehen, die nicht selten die "rote Karte" nach sich ziehen.

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