• 17.02.2000, 12:24:19
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  • OTS0174

Dirnberger : Selbstbehalte sind eine Krankensteuer

AK-Vizepräsident reagiert auf Wirtschaftskammer

Wien (OTS) - Vehement verwehrt sich heute Ak-Vizepräsident Alfred
Dirnberger (ÖAAB) gegen die Behauptung des Leiters der
Sozialpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer, Martin Gleitsmann,
wonach die Ablehnung der Selbstbehalte verlogen und realitätsfern
wäre. "Zunächst geht es mir einmal um die Sprache des Herrn
Gleitsmann. Es gehört nicht zur politischen Kultur,
Arbeitnehmervertretern ,Verlogenheit' zu unterstellen. Das ist eine
Frage des Benehmens. Eine Frage der Sachkenntnis ist es, wenn
Gleitsmann den geplanten Selbstbehalt im ASVG-Bereich durch den
Hinweis auf bestehende Selbstbehalte bei anderen Krankenkassen zu
rechtfertigen versucht. Da weiß er nämlich nicht, dass diese Kassen
ihren Versicherten auch mehr Leistungen bieten", klärt Dirnberger
auf.

"Ein Selbstbehalt ist eine Krankensteuer. Er steht auch dem
Vorhaben der Bundesregierung zu mehr Vorsorge direkt entgegen, da
Selbstbehalte Barrieren zum dann vor allem rechtzeitigen Arztbesuch
aufbauen. Diese Barrierenfunktion der Selbstbehalte wurde gestern
auch von Vertretern der Ärztekammer klar bestätigt", begründet
Dirnberger seine ablehnende Haltung. Der ÖAAB werde in den
Krankenkassen gegen die Einführung von Selbstbehalten kämpfen, statt
dessen sollten die Pharmakonzerne und Ärzte Einsparungen bei den
Kosten für Medikamente eingebremst werden.

Es gehe, so Dirnberger darum, nicht die Patienten weiter zu
belasten, sondern dort wo die Ausgaben verursacht werden, also bei
der Pharmaindustrie und den Ärzten, die oftmals die teuersten
Medikamente verschreiben, ohne auch nur zu prüfen, ob es nicht
billigere Alternativen gäbe. "Der Hinweis von Gleitsmann auf die
Lohnnebenkosten geht mir schön langsam auf die Nerven. Auch durch
ständiges Wiederholen, werden diese falschen Behauptungen nicht
besser. Tatsache ist, dass zum Vergleich von Volkswirtschaften nicht
die Lohnnebenkosten der entscheidende Indikator sind, sondern die
Lohnstückkosten. Und da liegt Österreich weit besser als alle unsere
wichtigsten Handelspartner. Das Gejammere um die Lohnnebenkosten soll
nur weitere Belastungen der Arbeitnehmer rechtfertigen", kritisiert
AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger.

Rückfragehinweis: AK-Vizepräsident
Alfred Dirnberger,
Tel. 01/58883/1706

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