"profil": Holender: "Dass ÖVP Kanzler will, ist bizarr"

Staatsoperndirektor Ioan Holender übt heftige Kritik an ÖVP-FPÖ-Koalition, Wiens Kulturlandschaft und der Tageszeitung "Die Presse"

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag
erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil"
verurteilt Staatsoperndirektor Ioan Holender die Bildung
einer blau-schwarzen Koalition. "Dass die ÖVP den
Kanzler stellen will, ist bizarr, da sie von den drei
Kontrahenten SPÖ, FPÖ und ÖVP bei der Wahl am
wenigsten Stimmen erhielt", sagt Holender über die
Bildung einer "rechts-rechten" Koalition.

Von einer blau-schwarzen Kulturpolitik erwartet Holender,
"dass die Demagogie und der Populismus weitergeführt
werden. Sicherlich werden sich Kulturpolitiker der FPÖ
anpassen und Kreide fressen. Aber man darf niemals
vergessen, dass unter dem Schafspelz der Wolf steckt."
Jörg Haider solle, so Holender im "profil"-Interview, nicht
in Kärnten bleiben, sondern "als Chef der FPÖ auch dort
sitzen, wo er offiziell regieren kann und nicht als großer
Mann im Hintergrund die Fäden ziehen. Denn er wird
dafür verantwortlich sein, was in Zukunft geschieht."

Kritik übt der Opernchef auch an den bisher mangelnden
inhaltlichen Aussagen von Luc Bondy, des neuen
Intendanten der Wiener Festwochen. Holender im
"profil"-Interview: "In der Tat. Ich frage mich, welche Operndramaturgie hier herrscht. Es ist erfreulich, dass ein wichtiger Regisseur wie Luc Bondy nun Leiter der Wiener
Festwochen wurde. Er sagt, sein Gehalt sei mindestens 50
Prozent niedriger als das eines Wiener Musical-Leiters.
Aber das ist eigentlich schon die einzige inhaltliche
Aussage, die ich gelesen habe."

Die Zusammenarbeit mit den Festwochen im Theater an
der Wien werde Holender "unter den derzeitigen
finanziellen Bedingungen garantiert nicht über 2002
hinaus verlängern." Über die Kulturpolitik von Stadtrat
Peter Marboe meint Holender: "Ich achte die Kultur-
Diplomatie des Stadtrats."

Im Zusammenhang mit der laufenden Debatte über das
Regietheater spricht Holender von "konservativ
festgefahrenen Wiener Kritikern, die ich nicht ernst
nehmen kann, da sie von Sympathien oder Antipathien
gegenüber Künstlern gelenkt werden. (...) Vor allem in der Tageszeitung âDie Presse" herrscht Verfolgungswahn. Das
betrifft nicht nur die Kulturberichterstattung, sondern
auch die Politik-Seiten."

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