Klebstoffindustrie wuchs 1999 nur mäßig

Verteuerung der Rohstoffe erzeugt Druck auf Klebstoff-Preise

Wien (PWK) - Relativ bescheidene Zuwächse verzeichnete die österreichische Klebstoffindustrie im abgelaufenen Jahr. "Entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis nahm die Schwäche der Bauindustrie und Raumausstattung, inklusive des Do it yourself-Bereiches", berichtete Peter Ruiner, Präsident der Vereinigung der Österreichischen Klebstoffindustrie und Obmann der Berufsgruppe Klebstoffindustrie im Fachverband der chemischen Industrie, im Rahmen eines Pressegespräches. Aufgrund heftigen Wettbewerbsdruckes wird ein wertmäßiges Wachstum von maximal 2 bis 3 Prozent prognostiziert. Im internationalen Vergleich seien diese Zahlen dennoch zufriedenstellend.

Insgesamt verkaufte Österreichs Klebstoffindustrie im vergangenen Jahr ca. 19.000 Tonnen ihrer Produkte im Gesamtwert von etwa 820 Millionen Schilling, vorzugsweise höherwertige Erzeugnisse, die zugleich ein stärkeres Wachstumspotenzial aufweisen. Damit werden rund zwei Prozent des gesamteuropäischen Volumens abgedeckt. Absatzsteigerungen gab es zuletzt vorwiegend in Spezialsegmenten. Die größeren Sparten wie Industrieklebstoffe, Bauklebstoffe, Do it yourself-Bereich sowie Fugen- und Dichtungsmassen blieben hingegen hinter den Erwartungen. Ein Export von Klebstoffen aus Österreich findet in geringem Umfang primär Richtung Osteuropa statt.

Als unmittelbare Konsequenz der steigenden Rohölpreise verteuerten sich die Rohstoffe seit Herbst des Vorjahres um bis zu 30 Prozent und beeinflussten das Ergebnis. Erhebliche Preiserhöhungen bei Klebstoffen - die es angesichts der hohen Wettbewerbsintensität zuletzt kaum gab - werden in nächster Zeit daher unausweichlich sein.

Den massiven Konzentrationsvorgängen am Weltmarkt steht die heimische Klebstoffindustrie indes grundsätzlich positiv gegenüber. "Die Globalisierung ist in unserer Branche längst Realität, von einer Globalisierungs-Falle kann jedoch keine Rede sein", betonte Ruiner. Vielmehr würden dadurch erst jene Investitionen und Innovationen möglich, die mit der High Tech-Entwicklung auf Kundenseite im Einklang stehen.

Zusammenschlüsse und Akquisitionen gab es in den vergangenen Jahren auf internationaler Ebene ebenso wie im regionalen und lokalen Bereich. Den Weltmarkt beherrscht mittlerweile eine geringe Zahl "Global Player", beispielsweise Henkel (mit Loctite) oder ICI (nach National, Williams, Cymsec-Akquisitionen) sowie Fuller.

Fusionen und Kooperationen werden dabei aus Sicht des Shareholder Value generell positiv beurteilt. Nur durch entsprechende Synergieeffekte sei die Rentabilität auf lange Sicht gewährleistet, bemerkt Branchensprecher Ruiner. Zudem sei es ein Gebot der Stunde, auch mit der Kundenseite gleichsam mitzuwachsen. Auch dort - bei Zigaretten oder Windeln ebenso wie bei Getränken oder im Do it yourself-Bereich - habe die Globalisierung längst Einzug gehalten und fordere entsprechend starke Partner bzw. starke Marken.

Österreichs Klebstoffhersteller sind damit jedoch längst nicht aus dem Rennen. Einerseits werden gut eingeführte, erfolgreiche Marken auch von den Konzernen durchwegs eigenständig weitergepflegt. Andererseits bieten sich spezifische Chancen der Profilierung in Zusammenarbeit mit national starken Industriezweigen, hierzulande beispielsweise die Autozuliefer- oder Möbelindustrie. Kleineren regionalen Anbietern ermöglicht vor allem der Gewerbebereich mit seiner traditionellen Markentreue nach wie vor auch längerfristig gute Marktperspektiven.

Für die kommenden Jahre rechnet die Klebstoffindustrie mit einem weiteren deutlichen Anstieg ihrer technischen Beratungsleistung und damit noch engerer Zusammenarbeit mit dem Anwender. Dieser, so hofft man in der Branche, werde parallel dazu auch die Weiterbildungsangebote im Klebstoffbereich entsprechend nützen. Die gemeinsame Zukunft liege dann, speziell am Industriesektor, in der akkordierten Entwicklung spezifischer technologischer Problemlösungen. (MH)

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