- 25.01.2000, 08:30:10
- /
- OTS0026
Ein Jahreszeugnis für die Schule
Evangelische Schulen auf dem Weg zum Total Quality Management
Wien (OTS) - Qualität ist auch im Schulwesen messbar - im Zuge
einer Veranstaltung im Wiener Stadtschulrat präsentierten der Bischof
der Evangelische Bischof Mag. Herwig Sturm und der für das Wiener
Evangelische Schulwesen verantwortliche Superintendent, Mag. Werner
Horn gestern Abend, ein Qualitätsmanagement-System, dem sich zwei der
evangelischen Privatschulen in Wien im Rahmen eines Pilotmodells für
die Evangelischen Schulen in Zukunft unterziehen wollen.
Rund 1100 Kinder und Jugendliche aller Schulstufen besuchen die
evangelischen Privatschulen - Tendenz steigend. Daß unter den
Schülern jene mit evangelischer Konfession mit rund 40% in der
Minderheit sind, bestätige, so Superintendent Werner Horn, daß der
Ruf der Schulen auch außerhalb der Evangelischen Kirche hervorragend
sei. Bischof Herwig Sturm ortet einen der Gründe dafür in den
ehrgeizigen Qualitäts-Maßstäben, die das Evangelische Schulwesen bei
sich selbst anlegt. Um diese Maßstäbe ständig überprüfbar und meßbar
zu machen, stellten die Evangelischen Schulen der Öffentlichkeit nun
ein modernes Qualitätsmanagement-System (QMS) vor, das unter dem
griffigen Titel "Ein Jahreszeugnis für die Schule" standardisiert
werden soll.
Die Vorarbeiten dazu laufen bereits seit Herbst vergangenen Jahres.
In einer breit angelegten Imageanalyse, an der sich alle Lehrer und
über 80% der Eltern beteiligten, wurde erhoben, wie "Auftraggeber"
(Eltern) und "Anbieter" (Lehrer und Direktoren) die einzelnen Schulen
subjektiv einschätzen und welche Änderungen sie sich wünschen. Die
Befragung wurde in Zusammenarbeit mit einer Wiener PR-Agentur
durchgeführt und ausgewertet. Im Bereich der für die Qualität der
Schulen entscheidenden Faktoren schließen die Evangelischen Schulen
hervorragend ab: Sie werden durchwegs als aktiv, interessant, seriös,
leistungsbetont, ergebnisorientiert, fleißig, organisiert und
fördernd empfunden. In etwa die Waage hält sich die Beurteilung, ob
die Schulen einfach oder schwer, streng oder nachgiebig, elitär oder
egalitär, teuer oder billig sind - ein Mittelmaß, das bei einer
Schule durchaus positiv zu sehen ist, meinte Horn.
Im Bereich der stärker ideologisch geprägten Faktoren zeigt sich
das Bild einer wertbetonten aber modernen Organisation: Die
Evangelischen Schulen werden von den Eltern als stark religiös
geprägte, aktive, soziale und gleichzeitig leistungsbetonte, eher
demokratische Einrichtungen erlebt. Vergleicht man das Image, das die
Evangelischen Schulen derzeit bei den Eltern haben und jenes, das sie
sich wünschen würden, zeigt sich ein Bild extrem ausgeprägter
Zufriedenheit. Die Korrekturwünsche bewegen sich im Bereich feiner
Nuancen. So hätten die Eltern die Schulen gerne noch ein wenig
interessanter, jünger, dynamischer, billiger, demokratischer und
fördernder. "Insgesamt wird den Evangelischen Schulen von deren
"Kunden" aber ein Vorzugs-Zeugnis ausgestellt," zeigte sich der
Superintendent zufrieden.
Als besonders erfreulich wertete Horn das Ergebnis der Umfrage bei
den Lehrern: Sowohl derzeitige Wahrnehmung als auch Wunsch decken
sich in hohem Grad mit dem Ergebnis der Eltern-Befragung.
Signifikante Unterschiede gibt es in keinem einzigen Imagefaktor. Die
Gründe für diese Übereinstimmung ortet der Superintendent einerseits
in der gut funktionierenden Kommunikationsstruktur zwischen Schulen
und Eltern und andererseits in dem für Privatschulen typischen
Vorteil, sich jenes Personal aussuchen zu können, das am besten zur
jeweiligen "Unternehmenskultur" einer Schule paßt.
Horn warnte allerdings vor Selbstzufriedenheit angesichts des für
die Evangelischen Schulen erfreulichen Ergebnisses der Imageanalyse:
"Wer heute Weltmeister ist und nicht ordentlich trainiert, wird schon
bald den Anschluß verlieren. Im Schulwesen ist das nicht anders.
Daher wird die nächste Stufe in der Umsetzung eines
Qualitätsmanagement-Programms für die Evangelischen Schulen
bestehen." Ein derartiges System soll unter dem griffigen Titel "Ein
Jahreszeugnis für die Schule" bis zum Ende des laufenden Schuljahres
definiert und angepaßt an die verschiedenen Schultypen schriftlich
ausgearbeitet werden. "In Grundzügen wissen wir, wohin es dabei gehen
muß", erklärte Horn. "Ein Evaluierungsverfahren, an dem neben den
Eltern und Lehrern auch die Schüler beteiligt sind, das trotz seines
Arbeitstitels permanente Wirkung entfaltet, dessen Ergebnisse allen
Beteiligten offengelgt werden und das auf fachliche und ideelle
Faktoren gleichermaßen Rücksicht nimmt. Denn gerade in einer Schule,
die sich evangelisch nennt, geht es eben um mehr als den Erwerb
fachlicher Kompetenz."
Bischof Herwig Sturm nahm in seinem Referat ausführlich auf diesen
"Mehrwert" evangelischer Bildungsarbeit Stellung. Zwar gäbe es keine
spezifisches Profil einer evangelischen Schule, das ein für allemal
feststehe, vielmehr solle sich jede einzelne Schule kontinuierlich
weiterentwickeln. Er ortete aber doch wichtige Ansatzpunkte, die
evangelische Schulen gemeinsam haben und die Unterscheidungsmerkmale
bieten. Als Grundanspruch formulierte Sturm: "In einer evangelischen
Schule soll vom Evangelium als der geistigen Mitte jeweils die beste
Schulgestalt entwickelt werden, wie es der sozial-kulturelle Ort, der
Auftrag und das Ziel erfordern." Als wesentliche Punkte evangelischer
Erziehung konkretisierte der Bischof den von Gott gegebenen,
unantastbaren Wert und die Würde des Kindes und Jugendlichen, die
Integration von behinderten, ausländischen und sozial benachteiligten
Schülerinnen und Schülern, die Ausbildung des Gewissens als
Kennzeichen von Mündigkeit und Selbständigkeit, denn: "nach
evangelischem Verständnis geschehen Bildung und Erziehung um der
Freiheit des Menschen willen,"
Als wichtige Punkte im Profil der Evangelischen Schulen nannte
Sturm unter anderen ein menschenfreundliches Schulklima, die
Vernetzung der Unterrichtsfächer, die Lehrerfortbildung ,
interkulturelles und ökumenisches Lernen sowie die Sinnorientierung
des Lernens und die Thematisierung der Sinnfrage in allen Fächern.
Leistungsorientierung habe in der Schule durchaus ihren sinnvollen
Platz, "wenn sie eingebettet ist in eine umfassende Kultur der
Anerkennung jedes einzelnen Schülers und jeder einzelnen Schülerin."
"Qualitätssicherung," so Sturm abschließend, "dient der Freiheit und
Würde des Menschen, fördert die Erfahrung und Verantwortung unserer
Welt und ist offen für das Wagnis und Wunder des Glaubens."
ß
Rückfragehinweis: Susanne Vollmost,
Evangelische Volksschule Leopoldstadt,
Tel.: 0676 560 88 91
oder: Wolfgang Schimmel, Suxess P.R., (01) 522 12 78
(Schluss)
*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER
VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF/OTS






