Ein Jahreszeugnis für die Schule

Evangelische Schulen auf dem Weg zum Total Quality Management

Wien (OTS) - Qualität ist auch im Schulwesen messbar - im Zuge einer Veranstaltung im Wiener Stadtschulrat präsentierten der Bischof der Evangelische Bischof Mag. Herwig Sturm und der für das Wiener Evangelische Schulwesen verantwortliche Superintendent, Mag. Werner Horn gestern Abend, ein Qualitätsmanagement-System, dem sich zwei der evangelischen Privatschulen in Wien im Rahmen eines Pilotmodells für die Evangelischen Schulen in Zukunft unterziehen wollen.

Rund 1100 Kinder und Jugendliche aller Schulstufen besuchen die evangelischen Privatschulen - Tendenz steigend. Daß unter den Schülern jene mit evangelischer Konfession mit rund 40% in der Minderheit sind, bestätige, so Superintendent Werner Horn, daß der Ruf der Schulen auch außerhalb der Evangelischen Kirche hervorragend sei. Bischof Herwig Sturm ortet einen der Gründe dafür in den ehrgeizigen Qualitäts-Maßstäben, die das Evangelische Schulwesen bei sich selbst anlegt. Um diese Maßstäbe ständig überprüfbar und meßbar zu machen, stellten die Evangelischen Schulen der Öffentlichkeit nun ein modernes Qualitätsmanagement-System (QMS) vor, das unter dem griffigen Titel "Ein Jahreszeugnis für die Schule" standardisiert werden soll.

Die Vorarbeiten dazu laufen bereits seit Herbst vergangenen Jahres. In einer breit angelegten Imageanalyse, an der sich alle Lehrer und über 80% der Eltern beteiligten, wurde erhoben, wie "Auftraggeber" (Eltern) und "Anbieter" (Lehrer und Direktoren) die einzelnen Schulen subjektiv einschätzen und welche Änderungen sie sich wünschen. Die Befragung wurde in Zusammenarbeit mit einer Wiener PR-Agentur durchgeführt und ausgewertet. Im Bereich der für die Qualität der Schulen entscheidenden Faktoren schließen die Evangelischen Schulen hervorragend ab: Sie werden durchwegs als aktiv, interessant, seriös, leistungsbetont, ergebnisorientiert, fleißig, organisiert und fördernd empfunden. In etwa die Waage hält sich die Beurteilung, ob die Schulen einfach oder schwer, streng oder nachgiebig, elitär oder egalitär, teuer oder billig sind - ein Mittelmaß, das bei einer Schule durchaus positiv zu sehen ist, meinte Horn.

Im Bereich der stärker ideologisch geprägten Faktoren zeigt sich das Bild einer wertbetonten aber modernen Organisation: Die Evangelischen Schulen werden von den Eltern als stark religiös geprägte, aktive, soziale und gleichzeitig leistungsbetonte, eher demokratische Einrichtungen erlebt. Vergleicht man das Image, das die Evangelischen Schulen derzeit bei den Eltern haben und jenes, das sie sich wünschen würden, zeigt sich ein Bild extrem ausgeprägter Zufriedenheit. Die Korrekturwünsche bewegen sich im Bereich feiner Nuancen. So hätten die Eltern die Schulen gerne noch ein wenig interessanter, jünger, dynamischer, billiger, demokratischer und fördernder. "Insgesamt wird den Evangelischen Schulen von deren "Kunden" aber ein Vorzugs-Zeugnis ausgestellt," zeigte sich der Superintendent zufrieden.

Als besonders erfreulich wertete Horn das Ergebnis der Umfrage bei den Lehrern: Sowohl derzeitige Wahrnehmung als auch Wunsch decken sich in hohem Grad mit dem Ergebnis der Eltern-Befragung. Signifikante Unterschiede gibt es in keinem einzigen Imagefaktor. Die Gründe für diese Übereinstimmung ortet der Superintendent einerseits in der gut funktionierenden Kommunikationsstruktur zwischen Schulen und Eltern und andererseits in dem für Privatschulen typischen Vorteil, sich jenes Personal aussuchen zu können, das am besten zur jeweiligen "Unternehmenskultur" einer Schule paßt.

Horn warnte allerdings vor Selbstzufriedenheit angesichts des für die Evangelischen Schulen erfreulichen Ergebnisses der Imageanalyse:
"Wer heute Weltmeister ist und nicht ordentlich trainiert, wird schon bald den Anschluß verlieren. Im Schulwesen ist das nicht anders. Daher wird die nächste Stufe in der Umsetzung eines Qualitätsmanagement-Programms für die Evangelischen Schulen bestehen." Ein derartiges System soll unter dem griffigen Titel "Ein Jahreszeugnis für die Schule" bis zum Ende des laufenden Schuljahres definiert und angepaßt an die verschiedenen Schultypen schriftlich ausgearbeitet werden. "In Grundzügen wissen wir, wohin es dabei gehen muß", erklärte Horn. "Ein Evaluierungsverfahren, an dem neben den Eltern und Lehrern auch die Schüler beteiligt sind, das trotz seines Arbeitstitels permanente Wirkung entfaltet, dessen Ergebnisse allen Beteiligten offengelgt werden und das auf fachliche und ideelle Faktoren gleichermaßen Rücksicht nimmt. Denn gerade in einer Schule, die sich evangelisch nennt, geht es eben um mehr als den Erwerb fachlicher Kompetenz."

Bischof Herwig Sturm nahm in seinem Referat ausführlich auf diesen "Mehrwert" evangelischer Bildungsarbeit Stellung. Zwar gäbe es keine spezifisches Profil einer evangelischen Schule, das ein für allemal feststehe, vielmehr solle sich jede einzelne Schule kontinuierlich weiterentwickeln. Er ortete aber doch wichtige Ansatzpunkte, die evangelische Schulen gemeinsam haben und die Unterscheidungsmerkmale bieten. Als Grundanspruch formulierte Sturm: "In einer evangelischen Schule soll vom Evangelium als der geistigen Mitte jeweils die beste Schulgestalt entwickelt werden, wie es der sozial-kulturelle Ort, der Auftrag und das Ziel erfordern." Als wesentliche Punkte evangelischer Erziehung konkretisierte der Bischof den von Gott gegebenen, unantastbaren Wert und die Würde des Kindes und Jugendlichen, die Integration von behinderten, ausländischen und sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern, die Ausbildung des Gewissens als Kennzeichen von Mündigkeit und Selbständigkeit, denn: "nach evangelischem Verständnis geschehen Bildung und Erziehung um der Freiheit des Menschen willen,"

Als wichtige Punkte im Profil der Evangelischen Schulen nannte Sturm unter anderen ein menschenfreundliches Schulklima, die Vernetzung der Unterrichtsfächer, die Lehrerfortbildung , interkulturelles und ökumenisches Lernen sowie die Sinnorientierung des Lernens und die Thematisierung der Sinnfrage in allen Fächern. Leistungsorientierung habe in der Schule durchaus ihren sinnvollen Platz, "wenn sie eingebettet ist in eine umfassende Kultur der Anerkennung jedes einzelnen Schülers und jeder einzelnen Schülerin." "Qualitätssicherung," so Sturm abschließend, "dient der Freiheit und Würde des Menschen, fördert die Erfahrung und Verantwortung unserer Welt und ist offen für das Wagnis und Wunder des Glaubens."

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