"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar:Eine Strategie gibt Rätsel auf

Ausgabe vom 23.01.2000

Wien (OTS) - Das politische Psychodrama, das Österreich in
Spannung hält, ist vom vielzitierten "Scheidungskrampf" des zänkisch ringenden rot-schwarzen Paares in eine Phase übergegangen, die ihresgleichen sucht. In eine Phase, die über die Verantwortlichkeit des Staatsoberhauptes nachdenken lässt: Zumal die Strategie des Bundespräsidenten angetan ist, Rätsel aufzugeben. ****

Die Frage, mit der sich strapazierte österreichische Gemüter ebenso wie ausländische Beobachter abmühen, reduziert sich freilich nicht auf die kaiserlich-gütige Ferdinand-Perplexheit: "Ja, dürfen's denn das?" Vielmehr ringt man um den Punkt: "Wozu das alles?"

Tatsache ist: Eine Minderheitsregierung, wie von Klestil angeordnet, schleppt ihre Ablauffrist bereits mit sich. Freilich: Wie lange der Weg wird - sprich, wann die Minderheitsregierung mangels Unterstützung im Parlament darniederliegt -, darüber könnte man streiten. Allerdings ein müßiger Streit. Zumal der Zeitpunkt in besagtem Fall nichts als spekulative Nebensache wäre.

Abgesehen von rigorosen Präsidenten-Ordern wäre - bei Neuwahlen -ein zweites historisches Novum inkludiert: Man kennt den Termin des Urnenganges nicht, dafür aber den Wahlgewinner. Es genügt, eins und eins und eins zusammenzuzählen: den politischen Scherbenhaufen, die sture Ausgliederung der zweitstärksten Partei, die Frustration des Volkes. Die Summe? Die ergibt Jörg Haider. Die Folge? Klestil müsste nach dem millionenschweren Urnengang exakt das tun, was er heute partout nicht will...

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