"Neue Zeit" Kommentar: "Ratschlag" (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 20. 1. 2000

Graz (OTS) - In den 51 Jahren, in denen die SPÖ in der Zweiten Republik Regierungsverantwortung getragen hat, ist sie noch nie so erbärmlich abgeräumt gewesen wie nach diesen Verhandlungen. Zwar könnte man sagen, das sei die Folge des schlechtesten Wahlergebnisses, das es für die SPÖ je gegeben hat. Aber abgeräumt hat sie eine ÖVP, für die diese Wahl ein noch viel ärgeres Debakel war.

Zugute halten muß man den SP-Unterhändlern, dass sie aus einem einzigen Grund den VP-Erpressungen nachgegeben haben: Sie wollten das Land vor der Abenteurerpolitik der Haider-Partei bewahren und die Republik vor dem irreparablen Verlust ihres Ansehens in der zivilisierten Welt.

Es ist ein hoher Preis, der der SPÖ abgepresst wird. Sie hat sich immer als eine Partei links der Mitte dargestellt und soll jetzt einem Regierungspakt zustimmen, der eine schwere rechte Schlagseite hat. Was aber wären die Alternativen? Der Gang in die Opposition gegen einen hemmungslosen blau-schwarzen Bürgerblock oder der Weg in Neuwahlen, die auch keine vernünftige Lösung brächten. Die SP nimmt das kleinste von drei Übeln auf sich. Dieses Übel stinkt wahrlich noch genug.

Einen Ratschlag sollte die SPÖ beherzigen, wenn sie nicht bald im Dunkel der Geschichte versinken will, aus dem ihre Gründer vor mehr als hundert Jahren hervorgetreten sind:
Nie darf sie behaupten, diese Regierungspolitik der nächsten Jahre sei eine sozialdemokratische und dafür Applaus von ihre Freunden erheischen. Und für aufrechte Kritik, für ehrlich begründeten Widerstand sollte sie dankbar sein.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Neue Zeit,
Tel.: 0316/2808/306

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/01