- 19.01.2000, 10:20:41
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Görg: Wien trauert um Architektur-Legende=
Wien, (OTS) Der Tod der Wiener Architektin, Margarete
Schütte-Lihotzky, sei für Wien und Österreich ein schwerer
Verlust, sagte Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg am Mittwoch
gegenüber der Rathauskorrespondenz.
"Die Grande Dame der Österreichischen Architektur, eine Frau,
die für ihre Visionen gekämpft hat und die wusste, wo sie
hinwollte, hat sich vor allem durch ihr Engagement ausgezeichnet,
lebensgerechte und funktionale Architektur zu schaffen," so
Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg.
Grete-Schütte Lihotzky habe mit ihrer "Frankfurter Küche"
sowie mit ihren kindergerechten Kindergärten, dem Lebensstil
angepassten Einrichtungsgegenständen, etc. Architekturgeschichte
geschrieben.
Vizebürgermeister Görg habe den Mut von Schütte-Lihotzky
bewundert, mit dem sie sich entgegen der Prognose aller und im
speziellen ihres Vaters - "keiner wird sich von einer Frau ein
Haus bauen lassen" - Anfang des 20. Jahrhunderts dazu entschlossen
hatte, als erste Frau Architektur zu studieren.
"Sie war Pionierin und eine Legende zu Lebzeiten - und sie
hat Wien - abgesehen von internationalen Auszeichnungen und
Ehrungen, die sie für ihre Architektur erhielt - zu einem
Zeitpunkt ein Stückchen wohn- und lebbarer gemacht, als
"Lebensqualität" noch nicht wirklich im Bewusstsein der
Gesellschaft verankert war," sagte Vizebürgermeister Görg.
Ihr Schaffen als Architektin sei ein Vermächtnis, das nicht
genügend gewürdigt werden könne; Schütte-Lihotzky sei ein Vorbild
für all jene, die trotz eines geänderten Rollenverhältnisses, in
der Sparte "Architektur" als Frau auch heute noch mit Vorurteilen
und schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen hätten, meinte
Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg abschließend.
Kurzbiografie von Margarete Schütte-Lihotzky (* Wien 1897,
+ Wien 2000)
1915–1919 Studium an der Kunstgewerbeschule in Wien bei Oskar
Strnad und Heinrich Tessenow. 1918 Tätigkeit im Atelier von Oskar
Strnad, 1919 bei Robert Oerley. 1921 Zusammenarbeit mit Adolf Loos
im Baubüro der Siedlung Friedensstadt in Lainz, 1921–1922
Mitarbeiterin im Büro von Ernst Egli. 1926 Berufung an die
Typisierungsabteilung am Hochbauamt der Stadt Frankfurt/Main,
Entwicklung des rationalisierten Küchensystems und Entwürfe für
Reihenhaustypen. 1926–1930 intensive Publikations- und
Vortragstätigkeit. 1930–1933 Tätigkeit in Moskau als Mitglied der
Gruppe May, 1934–1936 Tätigkeit für die Architekturakademie in
Moskau, 1938 Emigraton nach Istambul, sie wird Mitglied der
antifaschistischen Widerstandsgruppe um den Architekten Herbert
Eichholzer. 1940 bei einem Kurzaufenthalt in Wien Verhaftung und
Inhaftierung durch die Gestapo. 1945 Befreiung aus dem Gefängnis
Aichach, Bayern, Rückkehr nach Wien. 1946 Arbeit für das
Stadtbauamt in Sofia. Die Architektin lebt und arbeitet in Wien.
Wichtige Bauten und Projekte: Entwürfe für die Siedlung Eden, Wien
(1921–1922), Teilplanung Winarskyhof, Wien (1924);
Tuberkuloseheilstätte (Projekt 1925); Reihenhaustypen, Praunheim
(1926); typisierte Küche für die Siedlungen Bruchfeldstraße,
Praunheim und Ginnheim, Frankfurt (1926); Werkbundausstellung
Stuttgart, Bauleitung eines Plattenhauses des Frankfurter
Hochbauamtes (1927); Kindergärten für die Siedlungen Ginnheim und
Praunheim (Projekte 1928); zwei Häuser der österreichischen
Werkbundsiedlung (1930–1932); Richtlinien für den Bau von
Kindergärten, China (1934); Entwurf von Kindermöbeln,
ergonomischen Möbeln, Moskau (1934–1936); zwei Schulen, Makeewka
(gemeinsam mit Wilhelm Schütte, 1935); Planung mehrerer
Kindergärten, Sofia (1946).
Lit.:
Peter Noever (Hrsg.): Margarete Schütte-Lihotzky. Soziale
Architektur, Zeitzeugin eines Jahrhunderts, Ausstellungskatalog,
Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien 1993
Quelle: Architekturzentrum Wien
(Schluss) lei
Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Andrea Leitner
Tel.: 4000/81 414
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