Görg: Wien trauert um Architektur-Legende

Wien, (OTS) Der Tod der Wiener Architektin, Margarete Schütte-Lihotzky, sei für Wien und Österreich ein schwerer Verlust, sagte Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg am Mittwoch gegenüber der Rathauskorrespondenz.

"Die Grande Dame der Österreichischen Architektur, eine Frau, die für ihre Visionen gekämpft hat und die wusste, wo sie hinwollte, hat sich vor allem durch ihr Engagement ausgezeichnet, lebensgerechte und funktionale Architektur zu schaffen," so Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg.

Grete-Schütte Lihotzky habe mit ihrer "Frankfurter Küche" sowie mit ihren kindergerechten Kindergärten, dem Lebensstil angepassten Einrichtungsgegenständen, etc. Architekturgeschichte geschrieben.

Vizebürgermeister Görg habe den Mut von Schütte-Lihotzky bewundert, mit dem sie sich entgegen der Prognose aller und im speziellen ihres Vaters - "keiner wird sich von einer Frau ein
Haus bauen lassen" - Anfang des 20. Jahrhunderts dazu entschlossen hatte, als erste Frau Architektur zu studieren.

"Sie war Pionierin und eine Legende zu Lebzeiten - und sie
hat Wien - abgesehen von internationalen Auszeichnungen und Ehrungen, die sie für ihre Architektur erhielt - zu einem
Zeitpunkt ein Stückchen wohn- und lebbarer gemacht, als "Lebensqualität" noch nicht wirklich im Bewusstsein der Gesellschaft verankert war," sagte Vizebürgermeister Görg.

Ihr Schaffen als Architektin sei ein Vermächtnis, das nicht genügend gewürdigt werden könne; Schütte-Lihotzky sei ein Vorbild für all jene, die trotz eines geänderten Rollenverhältnisses, in der Sparte "Architektur" als Frau auch heute noch mit Vorurteilen und schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen hätten, meinte Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg abschließend.

Kurzbiografie von Margarete Schütte-Lihotzky (* Wien 1897, + Wien 2000)

1915–1919 Studium an der Kunstgewerbeschule in Wien bei Oskar Strnad und Heinrich Tessenow. 1918 Tätigkeit im Atelier von Oskar Strnad, 1919 bei Robert Oerley. 1921 Zusammenarbeit mit Adolf Loos im Baubüro der Siedlung Friedensstadt in Lainz, 1921–1922 Mitarbeiterin im Büro von Ernst Egli. 1926 Berufung an die Typisierungsabteilung am Hochbauamt der Stadt Frankfurt/Main, Entwicklung des rationalisierten Küchensystems und Entwürfe für Reihenhaustypen. 1926–1930 intensive Publikations- und Vortragstätigkeit. 1930–1933 Tätigkeit in Moskau als Mitglied der Gruppe May, 1934–1936 Tätigkeit für die Architekturakademie in Moskau, 1938 Emigraton nach Istambul, sie wird Mitglied der antifaschistischen Widerstandsgruppe um den Architekten Herbert Eichholzer. 1940 bei einem Kurzaufenthalt in Wien Verhaftung und Inhaftierung durch die Gestapo. 1945 Befreiung aus dem Gefängnis Aichach, Bayern, Rückkehr nach Wien. 1946 Arbeit für das Stadtbauamt in Sofia. Die Architektin lebt und arbeitet in Wien. Wichtige Bauten und Projekte: Entwürfe für die Siedlung Eden, Wien (1921–1922), Teilplanung Winarskyhof, Wien (1924); Tuberkuloseheilstätte (Projekt 1925); Reihenhaustypen, Praunheim (1926); typisierte Küche für die Siedlungen Bruchfeldstraße, Praunheim und Ginnheim, Frankfurt (1926); Werkbundausstellung Stuttgart, Bauleitung eines Plattenhauses des Frankfurter Hochbauamtes (1927); Kindergärten für die Siedlungen Ginnheim und Praunheim (Projekte 1928); zwei Häuser der österreichischen Werkbundsiedlung (1930–1932); Richtlinien für den Bau von Kindergärten, China (1934); Entwurf von Kindermöbeln, ergonomischen Möbeln, Moskau (1934–1936); zwei Schulen, Makeewka (gemeinsam mit Wilhelm Schütte, 1935); Planung mehrerer Kindergärten, Sofia (1946).

Lit.:
Peter Noever (Hrsg.): Margarete Schütte-Lihotzky. Soziale Architektur, Zeitzeugin eines Jahrhunderts, Ausstellungskatalog, Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien 1993
Quelle: Architekturzentrum Wien
(Schluss) lei

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Andrea Leitner
Tel.: 4000/81 414
e-mail: lei@gpz.magwien.at

PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK