"WirtschaftsBlatt" über Bill Gates: Amerikas liebster Feind (Arno Maierbrugger)

Wien (OTS) - Die US-amerikanische Psyche ist machmal einfacher gestrickt, als man glauben möchte. Nicht lange, nachdem das ungustiöse Impeachment-Verfahren gegen den Präsidenten und sein "Oral Office" abgeklungen sind, hat Amerika seinen neuen Lieblingsfeind:
Bill Gates. In sexueller Hinsicht vermutlich harmloser, muss Gates nun für seine Sünde, den erfolgreichsten Softwarekonzern der Welt aufgebaut zu haben, den Kopf hinhalten. Bei seiner Fernsehansprache vom Donnerstag war unmissverständlich zu sehen, dass sein Abschied als Vorstandsvorsitzender von Microsoft nicht ganz freiwillig erfolgt sein kann. Unter dem Druck seiner Konkurrenten, die eine recht billige Kampagne gegen Gates losgetreten haben, und des laufenden Kartellrechtsverfahrens gegen seine Firma zieht sich ein Mann auf den Repräsentationsposten als Microsoft-Präsident zurück, dem man

das ehrliche Bedauern am Gesicht ablesen kann, sein Baby weglegen zu müssen. Was hat Gates getan? Er hat mit 19 Jahren in einer Garage in Albuquerque die Firma Microsoft gegründet. Mit seinen Systemen DOS und Windows fungierte er als Turbo für die weltweite Entwicklung in der Computerbranche. Ohne Microsoft und seine Produkte wäre es nie zu einer derart sagenhaften Verbreitung an Personal Computern gekommen. Mit anderen Worten: Es gäbe jetzt noch lange keinen E-Commerce-Boom, keine Rekordkurse an der Börse, kein Internet für alle Haushalte und keine Technologiewerte, in die sogar Lieschen Soros und Otto Normalkostolany ihr Vertrauen legen. Statt dessen hört man aus den USA Stimmen, die eine Preiskontrolle und staatliche Regulierung für Microsoft fordern, und sogar die anti-etatistischen Republikaner im Kongress schweigen dazu. Die US-Volkswirtschaft ist komplett überhitzt. Alles konzentriert sich darauf, Microsoft kleinzukriegen, während gleichzeitig die Medienkonzerne AOL und Time Warner zum Multimedia-Koloss verschmelzen. Aber dort fehlt halt momentan eine verletzliche Zielscheibe, wie sie Gates durch seine Persönlichkeit nun eben mal bietet. Im Übrigen bedeutet eine Zerschlagung von Microsoft noch gar nichts. Von Rockefeller weiss man, dass er nach der Filetierung von Standard Oil noch reicher wurde. Die USA sollten sich auf ihre Ideale beziehen und den Markt sich selbst regulieren lassen. Mit Linux und Apple ist das ohnehin absehbar. amb

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