- 14.01.2000, 18:00:08
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"WirtschaftsBlatt" über Bill Gates: Amerikas liebster Feind (Arno Maierbrugger)
Wien (OTS) - Die US-amerikanische Psyche ist machmal einfacher
gestrickt, als man glauben möchte. Nicht lange, nachdem das
ungustiöse Impeachment-Verfahren gegen den Präsidenten und sein "Oral
Office" abgeklungen sind, hat Amerika seinen neuen Lieblingsfeind:
Bill Gates. In sexueller Hinsicht vermutlich harmloser, muss Gates
nun für seine Sünde, den erfolgreichsten Softwarekonzern der Welt
aufgebaut zu haben, den Kopf hinhalten. Bei seiner Fernsehansprache
vom Donnerstag war unmissverständlich zu sehen, dass sein Abschied
als Vorstandsvorsitzender von Microsoft nicht ganz freiwillig erfolgt
sein kann. Unter dem Druck seiner Konkurrenten, die eine recht
billige Kampagne gegen Gates losgetreten haben, und des laufenden
Kartellrechtsverfahrens gegen seine Firma zieht sich ein Mann auf den
Repräsentationsposten als Microsoft-Präsident zurück, dem man
das ehrliche Bedauern am Gesicht ablesen kann, sein Baby weglegen zu
müssen. Was hat Gates getan? Er hat mit 19 Jahren in einer Garage in
Albuquerque die Firma Microsoft gegründet. Mit seinen Systemen DOS
und Windows fungierte er als Turbo für die weltweite Entwicklung in
der Computerbranche. Ohne Microsoft und seine Produkte wäre es nie zu
einer derart sagenhaften Verbreitung an Personal Computern gekommen.
Mit anderen Worten: Es gäbe jetzt noch lange keinen E-Commerce-Boom,
keine Rekordkurse an der Börse, kein Internet für alle Haushalte und
keine Technologiewerte, in die sogar Lieschen Soros und Otto
Normalkostolany ihr Vertrauen legen. Statt dessen hört man aus den
USA Stimmen, die eine Preiskontrolle und staatliche Regulierung für
Microsoft fordern, und sogar die anti-etatistischen Republikaner im
Kongress schweigen dazu. Die US-Volkswirtschaft ist komplett
überhitzt. Alles konzentriert sich darauf, Microsoft kleinzukriegen,
während gleichzeitig die Medienkonzerne AOL und Time Warner zum
Multimedia-Koloss verschmelzen. Aber dort fehlt halt momentan eine
verletzliche Zielscheibe, wie sie Gates durch seine Persönlichkeit
nun eben mal bietet. Im Übrigen bedeutet eine Zerschlagung von
Microsoft noch gar nichts. Von Rockefeller weiss man, dass er nach
der Filetierung von Standard Oil noch reicher wurde. Die USA sollten
sich auf ihre Ideale beziehen und den Markt sich selbst regulieren
lassen. Mit Linux und Apple ist das ohnehin absehbar. amb
Rückfragehinweis: Wirtschaftsblatt
Tel: (01) 91919-305
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