• 14.01.2000, 10:55:10
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  • OTS0102

Wenn Fische an künstlichen Hindernissen scheitern:

Aufstiegshilfen, Sohlrampen statt Querbauwerken

St.Pölten (NLK) - Wie kann man das Wandern der Fische und anderer
Wasserlebewesen in künstlich unterbrochenen Gewässern wieder
herstellen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Faltprospekt
"Fließgewässerkontinuum", der dieser Tage vom NÖ Landschaftsfonds,
Arbeitskreis Gewässer, herausgegeben wurde. Viele Fischarten nutzen
nämlich im Laufe eines Jahres verschiedene Lebensräume und führen
periodische Wechsel durch, um sich zu ernähren, zu ruhen oder zu
laichen. Manche Fische wandern im Herbst in den Unterlauf der Flüsse,
um dort in tieferen, ruhigen Abschnitten zu überwintern. Eine
besondere Art des Wechselns stellen die Laichwanderungen dar, die von
den meisten heimischen Fischarten durchgeführt werden. Diese
Laichwanderungen, etwa von der Barbe oder der Nase, wurden aber in
den letzten Jahrzehnten drastisch eingeschränkt, und Hausen, Waxdick
und Glattdick sind in der Donau überhaupt ausgestorben.

Die Wiederbesiedlung von verödeten Gewässern nach natürlichen oder
widernatürlichen Katastrophen muss möglich sein, und zwar nicht nur
für Fische, sondern auch für Wasserinsekten und andere wirbellose
Tiere. Kleinere oder größere Kraftwerke und Wehranlagen zur
Wasserausleitung oder Sohlabstürze verhindern aber mit fatalen Folgen
mehr oder minder die flussaufwärts gerichteten Fischwanderungen.
Manche Arten sind bereits ausgestorben, die Fischbestände werden
isoliert, und es findet kein genetischer Austausch mehr statt. Auch
können angestammte Laichplätze nicht mehr erreicht werden.

Was kann man dagegen tun? Werden die Wasser-Benutzungsrechte etwa
für Mühlen und Sägen nicht erneuert, so werden die Kanäle oft
zugeschüttet, die Wehre hingegen nicht abgebaut. Diese Wehre und auch
andere Absturzbauwerke müssten durch aufgelöste Sohlrampen ersetzt
werden. Unpassierbare Absturzbauwerke oder Wehre, die nicht entfernt
oder umgebaut werden können, sind zu umgehen. Dabei sind naturnahe
Umgehungsgerinne ohne Schwellen zu bevorzugen, aber auch Tümpelpässe
oder - wenn nicht anders möglich - technische Fischaufstiegshilfen
sind möglich. Auch wären einmündende Seitengewässer niveaugleich zu
verbinden, was beispielsweise durch eine Verlängerung des Zubringers
erreicht werden kann. Verrohrungen sind zu entfernen.

Derzeit wird das umfangreichste Vorhaben zur Verbesserung der
Verhältnisse in Niederösterreich im Rahmen eines
EU-LIFE-Natur-Projektes an den Flüssen Pielach, Melk und Mank
umgesetzt. Hauptziel ist dabei, die Bedingungen für den Lebensraum
von Huchen und anderen wanderungsaktiven Fischarten zu verbessern.
Die Flüsse sollen wieder mit der Donau verbunden werden, die freie
Durchwanderung im Längsverlauf ist zu gewährleisten. Das Projekt
startete 1999 und ist auf vier Jahre angelegt, schildert dazu
Arbeitskreisleiter Dipl.Ing. Norbert Knopf.

Rückfragehinweis: Niederösterreichische Landesregierung

Pressestelle
Tel.: 02742/200-2312

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