Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Eine große Leistung

Ausgabe vom 13.1.2000

Allein die monatelange, kaum je hinterfragte Verwendung des wohl unausrottbaren Unwortes ,,Feuerteufel" als mediale Begleitmusik von 13 Brandstiftungen ließ Schlimmes befürchten. Die verständliche Wut der betroffenen Bevölkerung von St. Georgen an der Gusen drohte mitunter bereits in Formen der Selbstjustiz umzukippen. Das Großaufgebot der Exekutive galt in den letzten Tagen nicht nur der Täterergreifung und dem Opferschutz, sondern ganz wesentlich auch einem präventiven Täterschutz vor nicht auszuschließender Lynchjustiz. Man weiß ja wirklich nie.
Doch dann kam alles ganz anders. Und ich gestehe, ich war kaum je von der "österreichischen Seele" so positiv überrascht wie diesmal. Die Pflichtkommentare aus der Psychologenecke waren plötzlich völlig überflüssig. Sie hinkten hinter der seelischen Qualität, die unter den Betroffenen von St. Georgen aufblitzte, weit hinterher. Wo sich zuvor Angst und Wut artikulierten, zeigte sich Bereitschaft zum Verstehen, ja zeigte sich Mitleid. Man wandte sich nicht ausgrenzend ab, sondern sah hin und blieb dabei: "Das ist einer von uns." Das ist die große Leistung.
Und die Aufarbeitung des Geschehens wird nicht allein den Gerichten, dem Strafvollzug, den Versicherungen, der Geld zuschießenden Politik überantwortet. Der Bürgermeister rief zur gemeinsamen Aufarbeitung des Erlebten und Erlittenen auf. Hier weiß man mittlerweise auch als Betroffener, dass schwarz nicht schwarz und weiß nicht weiß ist. Es ist mehr als tröstlich zu sehen, wie in Österreich auch gefühlt und gehandelt werden kann.

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