Peymann: Erstmals Kritik an neuer "Burg"-Direktion - Österreich ist Musterland des demokratischen Verfalls"

VORAUSMELDUNG NEWS 2/00 vom 13.1.00

Wien (OTS) - Scharfe Kritik Claus Peymanns in einem Interview für die morgen erscheinende Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS. Zur Eröffnung des Berliner Ensembles diagnostiziert der Alt-Burgtheaterchef österreichische Befindlichkeiten.

Peymann über die neue "Burg": "Das Burgtheater spielt, von Berlin aus gesehen, praktisch keine Rolle. Ich merke das auch an den sich häufenden Kartenbestellungen aus Wien. Es ist auch ein anderes Burgtheater als das, für das ich stehe. Sie und Ihre Kollegen haben die neue Burg herbeigeschrieben. Die Politiker haben Ihnen gehorcht. Das haben Sie sich selber eingebrockt."

Peymann weiter: "Den vergifteten Charme des Wieners vermisse ich. Aber dem Wiener Publikum verdanke ich alles, den Politikern und der Presse praktisch nichts. Ich erlebe immer wieder, wie Wiener Touristen unter Lebensgefahr über den Ku'damm rennen, um ein Autogramm von mir zu bekommen. Da schlägt mir eine Herzlichkeit entgegen, die den Wiener journalistischen Lemuren zu denken geben sollte: Wie sehr sie doch an den Herzen und Köpfen ihrer Leser vorbeischreiben."

Peymann zur Theatersituation in Wien und Berlin: "Ich bin nicht stolz auf leere Häuser. Auf volle allerdings auch nicht, weil ich ja weiß, wie leicht man ein Theater füllen kann. Kaufen Sie sich einen Star, machen Sie ein gängiges Stück, nehmen sie einen gefälligen Regisseur und lassen Sie jedes Risiko weg - schon ist die Bude voll." Peymann bestreitet, "Cyrano" mir Brandauer an der "Burg" gemeint zu haben, fügt aber hinzu: "Eine Bühne - ohne Seele, ohne Herz - wie ein Manager zu führen, ist einfach. Ich könnte das auch jederzeit, nur vom Telefon."

Scharf wendet sich Peymann gegen die politische Entwicklung in Österreich: "Pokerspieler wie Schüssel und Klima sind gerade dabei, durch das dünne Eis, der Demokratie einzubrechen. Österreich ist ein Musterland für den demokratischen Verfall. Aber was sage ich, wenn ich mich in Deutschland umschaue ... Deutschland als Bananen- und Bestechungsrepublik, in der man politische Entscheidungen beim Kanzler K. käuflich erwerben konnte. Jetzt sieht es aus, als habe man große Teile der DDR-Industrie über schwarze Kassen abgewickelt."

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