- 12.01.2000, 12:32:00
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Peymann: Erstmals Kritik an neuer "Burg"-Direktion - Österreich ist Musterland des demokratischen Verfalls"
VORAUSMELDUNG NEWS 2/00 vom 13.1.00
Wien (OTS) - Scharfe Kritik Claus Peymanns in einem Interview für
die morgen erscheinende Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS. Zur
Eröffnung des Berliner Ensembles diagnostiziert der
Alt-Burgtheaterchef österreichische Befindlichkeiten.
Peymann über die neue "Burg": "Das Burgtheater spielt, von Berlin
aus gesehen, praktisch keine Rolle. Ich merke das auch an den sich
häufenden Kartenbestellungen aus Wien. Es ist auch ein anderes
Burgtheater als das, für das ich stehe. Sie und Ihre Kollegen haben
die neue Burg herbeigeschrieben. Die Politiker haben Ihnen gehorcht.
Das haben Sie sich selber eingebrockt."
Peymann weiter: "Den vergifteten Charme des Wieners vermisse ich.
Aber dem Wiener Publikum verdanke ich alles, den Politikern und der
Presse praktisch nichts. Ich erlebe immer wieder, wie Wiener
Touristen unter Lebensgefahr über den Ku'damm rennen, um ein
Autogramm von mir zu bekommen. Da schlägt mir eine Herzlichkeit
entgegen, die den Wiener journalistischen Lemuren zu denken geben
sollte: Wie sehr sie doch an den Herzen und Köpfen ihrer Leser
vorbeischreiben."
Peymann zur Theatersituation in Wien und Berlin: "Ich bin nicht
stolz auf leere Häuser. Auf volle allerdings auch nicht, weil ich ja
weiß, wie leicht man ein Theater füllen kann. Kaufen Sie sich einen
Star, machen Sie ein gängiges Stück, nehmen sie einen gefälligen
Regisseur und lassen Sie jedes Risiko weg - schon ist die Bude voll."
Peymann bestreitet, "Cyrano" mir Brandauer an der "Burg" gemeint zu
haben, fügt aber hinzu: "Eine Bühne - ohne Seele, ohne Herz - wie ein
Manager zu führen, ist einfach. Ich könnte das auch jederzeit, nur
vom Telefon."
Scharf wendet sich Peymann gegen die politische Entwicklung in
Österreich: "Pokerspieler wie Schüssel und Klima sind gerade dabei,
durch das dünne Eis, der Demokratie einzubrechen. Österreich ist ein
Musterland für den demokratischen Verfall. Aber was sage ich, wenn
ich mich in Deutschland umschaue ... Deutschland als Bananen- und
Bestechungsrepublik, in der man politische Entscheidungen beim
Kanzler K. käuflich erwerben konnte. Jetzt sieht es aus, als habe man
große Teile der DDR-Industrie über schwarze Kassen abgewickelt."
Rückfragehinweis: Sekretariat NEWS-Chefredaktion
Tel. (01) 213 12 103
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