- 23.12.1999, 18:17:28
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DER STANDARD bringt in seiner Freitag-Ausgabe einen Kommentar
zum Thema Kulturförderung Der Scherbenhaufen von Michael Cerha Ausgabe vom 24.12.99
Wien (OTS) - Nach dreijähriger Laufzeit des Schwindelmodells
"Chefsache Kunst", mit dem die Kulturagenden des Bundes dort
deponiert wurden, wo am wenigsten darüber nachgedacht werden konnte,
läuten also die Alarmglocken. Der oberste Kunstbeamte, Andreas
Mailath-Pokorny, rechnet der in den Sternen stehenden nächsten
Regierung vor, dass seiner Sektion die Verwaltungsaufgaben zu viel
werden. Wie für überforderte Beamte schlägt sein Herz auch für
ungeförderte Künstler: Das vom Finanzminister entdeckte jüngste
Budgetloch, sofern seine Stopfung tatsächlich so ausgeklügelt
erfolgt, dass man quer über den Kamm allen Ressorts Ermessensausgaben
abkappt, muss mancher Kulturinitiative zur letzten Grube werden.
Während die ersten da relativ bald hinunterpurzeln könnten, will
Mailath-Pokorny intensiv nachdenken. Darüber, worüber
Kunststaatssekretär Peter Wittmann schon 1997 intensiv nachgedacht
hat und was nach heftigem Nachdenken in der Intensivphase der
Endredaktion des "Weißbuches" auch in diesem Niederschlag fand: die
Idee eines Kunstfonds. Er brächte eine Entlastung der Beamten und
eine Dotierung der Kunstförderung, die der Bund nicht mehr je nach
Ermessen kürzen dürfte
Wunderbar. Erledigt hätte sich endgültig Wittmanns
berüchtigte Frage, wer wen mit der Gießkanne zu befriedigen vermag
oder nicht. Auch die unseligen Staatskünstler gäbe es nicht mehr.
Höchstens Fondskünstler. Als solcher tituliert zu werden, hätte aber
zweifellos jener das größte Recht, der aus einer Rippe - oder sagen
wir lieber: aus einer Scherbe - der ausgegliederten Bundestheater mit
Staub und Spucke den neuen Rechtskörper erschaffen würde: der nächste
Kunstkanzler oder Verkehrs-Wissenschafts-Unterrichts-
Sport-EU-Gesundheits-Kunst-und-Kulturminister als Hobby-Schöpfer am
Feierabend.
Rückfragehinweis: DER STANDARD
Tel. 01/531 70/0
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