Lage der Muthmannsdorfer Kirche ist kein Zufall

Sichtkontakt ist für die Pfarrkirche ausschlaggebend

St.Pölten (NLK) - Die Lage der Pfarrkirche von Muthmannsdorf (Bezirk Wiener Neustadt) zwischen der Hohen Wand und den Fischauer Vorbergen ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer mittelalterlichen Gesamtplanung, die vor allem die Übermittlung von Nachrichten berücksichtigte, stellte dieser Tage Dipl.Ing. Dr. Erwin Reidinger, Leiter der Abteilung Bau-, Agrar- und Verkehrstechnik beim Amt der NÖ Landesregierung, fest.

Diese mittelalterliche Gesamtplanung hängt mit einer zweiten mittelalterlichen Kirche der Neuen Welt, der von Maiersdorf, und den Wehranlagen Starhemberg, Emmerberg, Tachenstein und Burgstall zusammen, die allesamt aus dem 12. Jahrhundert stammen. Zieht man nämlich von der Maiersdorfer Kirche eine Gerade zum Burgstall, einem befestigten Wachposten in den Fischauer Vorbergen, so schneidet diese Sichtverbindung exakt die Muthmannsdorfer Kirche. Was bedeutet, daß die Kirche von Muthmannsdorf offenbar auf der Verbindungsgeraden liegen soll, also mit Absicht so entstand. Denn die Lage der Maiersdorfer Kirche und der Burgstall sind geländebedingt festgelegt:
Sie sind auf einer Böschungskante oder - beim Burgstall - auf einer Bergkuppe errichtet.

Die Lage der Kirche von Muthmannsdorf ist auch mit einer zweiten Sichtverbindung begründbar, nämlich mit der zur Burg Tachenstein bei Netting, die - von der Kirche aus - den Abhang des Mitterberges berührt. Wenn die Kirche von Muthmannsdorf nur geringfügig Richtung Burgstall verschoben wird, ist diese Sichtverbindung hingegen nicht mehr gegeben. Deshalb steht die Muthmannsdorfer Kirche auch außerhalb des Ortes.

Die Sichtverbindung von Burgstall Richtung Osten reicht über das Steinfeld bis in die Wiener Neustädter Pforte. In der Gegenrichtung sind die Burg Starhemberg und die Kirchen von Muthmannsdorf und Maiersdorf zu sehen. Zu den Burgen Emmerberg und Tachenstein gibt es vom Burgstall dagegen keine Sichtverbindung. Zur Übertragung von Nachrichten waren daher Zwischenstationen erforderlich. Eine dieser Stationen war die Muthmannsdorfer Pfarrkirche. Von dort konnte man die Burgen Emmerberg und Tachenstein sehen.

Alles andere ist, so die Ansicht Reidingers, aufgeklärt, wenn etwa 1988 bei der Restaurierung der Muthmannsdorfer Pfarrkirche "St.Peter im Moos" von einer keltischen Kultstätte, einem römischen Wachtturm, einem frühchristlichen Taufbecken im Steinkreis, einem Kreuzungspunkt positiver Wasserzonen und der geknickten Kirchenachse die Rede ist. So ist die erste Baustufe der Muthmannsdorfer Kirche eine typisch romanische Anlage, und für Vorgängerbauten an derselben Stelle gibt es keinen Beweis. Auch der bei der Restaurierung sichtbare Steinkreis mit 2,79 Metern Durchmesser entspricht dem Maß der Kirche. Ebenso ist die Begründung für den Achsknick klar: Bei der Anlage einer Kirche wurden die Achsen des Langhauses und des Chores getrennt nach der aufgehenden Sonne orientiert. Dahinter verbirgt sich die Sonne als Symbol für Christus und die Auferstehung.

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