Wertpapierhandel: Strenge Verhaltensregeln für Bankmitarbeiter

Neuer Standard Compliance Code soll Marktkultur im Wertpapiergeschäft und Kundenvertrauen weiter erhöhen

pwk - Im Jahr 2000 werden die strengen Verhaltensregeln für die Mitarbeiter der heimischen Geldinstitute bei Wertpapiergeschäften weiter ausgedehnt. Die neuen Verhaltensregeln, der sogenannte Standard Compliance Code, wurden von der Kreditwirtschaft im Rahmen der Bundeskreditsektion erarbeitet und sind bereits mit der Bundeswertpapieraufsicht und dem Finanzministerium abgestimmt. Mit dieser Neuregelung vor allem auf Basis des Wertpapieraufsichtsgesetzes wird der auf einer Selbstverpflichtung basierende Standard Compliance Code von 1994 ersetzt. ****

Herbert Pichler, Syndikus der Bundeskreditsektion: "Mit dem erweiterten Standard Compliance Code soll grundsätzlich das Vertrauen der Kunden weiter gestärkt werden. Prinzipiell geht es darum, einen Missbrauch von Insiderinformationen zu verhindern und Regelungen zu treffen, um Interessenskonflikte zwischen Kunden, Bank und Mitarbeitern zu vermeiden. Bei der Erarbeitung der neuen Regelungen hat sich die Bundeskreditsektion auch an internationalen Vorbildern orientiert. Im Unterschied zu ausländischen Beispielen gilt dieses neue Regelwerk aber für alle Kreditinstitute in Österreich, nicht nur für einzelne Banken. Das heißt, dass der Kunde landesweit auf einen hohen Qualitätsstandard in seiner Bank bei Wertpapierhandel, Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Fondsmanagement, Emission und Research vertrauen kann."

Als Ziel nennt der künftige Standard Compliance Code: "Die Kreditinstitute wollen einen unzulässigen Umgang mit noch nicht öffentlich zugänglichen Informationen, die anlage- bzw. preisrelevant sind, verhindern." Vor allem private Wertpapiergeschäfte von Bankmitarbeitern sind in Zukunft noch präziser als bisher geregelt. So haben Mitarbeiter, die in Vertraulichkeitsbereichen arbeiten, eigene Depots und damit zusammenhängende Konten beim eigenen Institut zu führen, Transaktionen dem Compliance-Verantwortlichen zu melden und auf Verlangen offenzulegen. Ausnahmen kann nur die Geschäftsleitung genehmigen.

Um eine Fairness gegenüber allen Marktteilnehmern zu gewährleisten, sind in den Kreditinstituten eine Beobachtungsliste und eine Sperrliste zu führen. Die Beobachtungsliste ist eine streng vertrauliche, rein interne Liste über Wertpapiere, Derivate etc., zu denen noch nicht öffentlich zugängliche compliancerelevante Informationen vorliegen. Diese Liste ermöglicht die Beobachtung von Eigenhandels- oder Mitarbeitergeschäften, die den Verdacht nahelegen könnten, dass vertrauliche Informationen unfair ausgenutzt worden sind. Das Kreditinstitut behält sich hier das Recht vor, Mitarbeitergeschäfte zu beschränken, zu untersagen oder ex post zu stornieren.

Die Sperrliste wiederum ist die Liste jener Werte, für die aufgrund dieses Standard Compliance Code Beschränkungen im Eigenhandel bzw. in der Beratung oder im Mitarbeiterhandel bestehen. Zweck der Sperrliste ist vor allem die Vermeidung des Eindrucks, dass unzulässigerweise anlage- bzw. preisrelevante, noch nicht öffentlich zugänglich gemachte Informationen zum eigenen Vorteile oder dem des Kreditinstituts oder dem eines Kunden verwendet werden. Verdichten sich Informationen über ein Unternehmen, das auf der Beobachtungsliste steht, dann ist dieser Wert von der offiziellen Empfehlungsliste (Kauf/Verkauf) zu streichen und in der Sperrliste zu führen. Auch Eigenhandelsgeschäfte der Bank dürfen dann über dem üblichen Ausmaß nicht getätigt werden. Pichler: "Mit dieser strikten Regelung wollen wir erreichen, dass keinerlei Verdachtsmomente aufkommen, es könnten Insidergeschäfte oder andere gesetzlich verpönte Geschäfte getätigt werden. Damit wird die Marktkultur im Wertpapiergeschäft weiter ausgebaut und die Attraktivität dieser Anlageform deutlich gesteigert."

Durch den Standard Compliance Code werden aber auch die einzelnen Vertraulichkeitsbereiche innerhalb eines Geldinstituts definiert. Zwischen den Vertraulichkeitsbereichen sind wirksame, kontrollierbare Informationssperren zu errichten. Compliance-relevante Informationen, die in einem Vertraulichkeitsbereich anfallen, dürfen diesen grundsätzlich nicht verlassen - weder nach außen noch nach innen in andere Bankbereiche.

Alle in einem Vertraulichkeitsbereich anfallenden compliance-relevanten Informationen sind unverzüglich dem Compliance-Verantwortlichen zu melden. Ihm sind aber auch Großorders zu melden, deren Ausführung erhebliche Kursänderungen verursachen können.

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