Industriesektionen Salzburgs, Oberösterreichs und der Steiermark vereinbaren eine verstärkte Zusammenarbeit

"Nicht nebeneinander, sondern miteinander!"

SALZBURG, 15.12.1999 (HKS).Unter dem Motto "Nicht nebeneinander, sondern miteinander" haben die Industriesektionen der Wirtschaftskammern Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark heute, Mittwoch, 15. Dezember 1999, eine verstärkte Kooperation vereinbart. Diese Zusammenarbeit hat vor allem das Ziel, die
Kräfte in der Interessenvertretung zu bündeln und Serviceleistungen effizienter zu gestalten.

Bereits im Vorjahr haben die Industriesektionen der Wirtschaftskammern Oberösterreich und Steiermark ihre Zusammenarbeit verstärkt, um durch Synergieeffekte eine Qualitäts-und Effizienzsteigerung in der Interessenvertretung sowie bei den Serviceleistungen für die Mitgliedsunternehmen zu erreichen.

Durch den Beitritt der Industriesektion Salzburg zu dieser Kooperation sollen die positiven Effekte auch für die Salzburger Mitgliedsunternehmen genutzt werden. Darüber hinaus wird dadurch das interessenpolitische Gewicht bei der Durchsetzung von Industrieanliegen der drei Länder erhöht. Immerhin repräsentieren die Industriebetriebe dieser drei Bundesländer rund 45 Prozent des österreichischen Industriepotentials bei Produktionswert und Beschäftigtenzahl.

Interessenvertretung als zentrale Aufgabe

Als konkrete Aufgaben der Kooperation sehen die Obmänner der drei Sektionen, Dr. Karl Büche (Oberösterreich), Komm.-Rat DI Gerhard H. Katzenberger (Steiermark) und Komm.-Rat DI Wilhelm Klepsch (Salzburg) in der Interessenvertretung eine koordinierte Gesetzesbegutachtung und ein abgestimmtes Lobbying bei bedeutenden Gesetzen oder industriepolitisch wichtigen Themen. Dazu zählt auch eine koordinierte Öffentlichkeitsarbeit und Informationspolitik nach innen.

Bei Gesetzesbegutachtungen können die Stellungnahmen grundsätzlich arbeitsteilig erarbeitet und von den Partnern mit regionalen Aspekten ergänzt werden.
Zwei positive Beispiele dafür aus der Vergangenheit sind:
- eine gemeinsame Vorgangsweise bei der Diskussion um die Stromliberalisierung, die für industrielle Großabnehmer zu einer Strompreisreduktion von mindestens 30% führte und
- die erfolgreiche Abwehr von ÖGB-Forderungen (25-Punkte-Programm).

Nicht zuletzt geht es auch darum, zu industrierelevanten Fragen
die Themenführerschaft zu übernehmen, damit die Initiative für notwendige Veränderungen und Verbesserungen zu ergreifen und den Bundesländerinteressen mehr Gewicht zu verleihen. Dadurch wird
eine größere Durchschlagskraft bei der Vertretung von Industrieanliegen gegenüber Regierung und Parlament erreicht, was für die Entwicklung der Industrie und des Wirtschaftsstandortes Österreich von entscheidender Bedeutung ist.

Serviceangebot verstärken

Auch für die Serviceleistungen werden durch den
Erfahrungsaustausch zwischen den Sektionen positive Auswirkungen erwartet. Diese umfassen die arbeits- und sozialrechtliche
Betreuung der Mitglieder ebenso wie den Bereich des
Betriebsanlagen- und des Umweltrechts oder die optimale Tarifgestaltung im Zuge der Energiemarktliberalisierung. Es wird
in Zukunft nicht akzeptiert werden, dass die Salzburger Industrie die höchsten Strompreise in ganz Österreich zu zahlen hat.

Kompetenznetzwerk geplant

In den Industriesektionen der drei Bundesländer sollen künftig sogenannte "Kompetenznetzwerke" gebildet werden. Dazu werden gemeinsame Projekte definiert und dann von einem
Kooperationspartner umsetzungsreif vorbereitet. Die wirkliche Umsetzung geschieht dann durch die Industriesektion des jeweiligen Bundeslandes.

Bildung, Infrastruktur und Technologie weitere Schwerpunkte

Derzeit ist das Thema "Infrastruktur" ein Schwerpunkt der Arbeit
der Sektion Industrie Steiermark, während sich Oberösterreich verstärkt mit Technologie auseinandersetzt.

Für Salzburg wird das Thema Bildung und Ausbildung ein Arbeitsschwerpunkt sein, dessen Ergebnisse auch von den anderen Sektionen genutzt werden. Derzeit laufen zwischen der Sektion und dem Landesschulrat Gespräche darüber, wie die Qualifikation der Pflichtschulabgänger verbessert und der Kontakt zwischen Industrie und Schule, aber auch den Eltern, intensiviert werden kann. Es ist geplant, Modelle für diese Zusammenarbeit zu entwickeln, sei es in Form von regelmäßigen Kontaktgesprächen zwischen Unternehmern und Lehrerschaft oder eine stärkere Öffnung der Betriebe für Schulen. Die Ergebnisse dieser Vorarbeiten sollen in der Folge auch von Oberösterreich und der Steiermark übernommen werden.

Eine weitere Aufgabe ist es, die neuen Lehrberufe verstärkt in der Industrie zu verankern und im Hinblick auf die kommenden geburtenschwachen Jahrgänge die Industrie stärker für die Ausbildung von Lehrlingen zu motivieren. Auch hier ist es Ziel,
ein Modell für die Lehrplatzentwicklung in den Industriebetrieben zu erarbeiten.

Verbesserung der Verkehrsanbindungen

Eine moderne Infrastruktur ist eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Industriestandort. Ein Vergleich von 243 Regionen (EU und EFTA) in der empirica-Studie "Zukunftsstandort in Westeuropa 1998" weist bei der Erreichbarkeit Salzburg nur an 83., Oberösterreich an 126. und die Steiermark an 165. Stelle aus. Dieses Ranking zeigt deutlich, dass auf die Verbesserung der Verkehrsanbindungen größter Wert gelegt werden muss. Das betrifft den Straßenausbau, den Eisenbahnbau und die Flugverbindungen. Das hochrangige Straßen- und Eisenbahnnetz muss endlich rasch geschlossen werden. Vordringlich sind dabei die Phyrnachse
(Schiene und Straße) sowie die Hochleistungsbahn von Linz nach Salzburg und nach Braunau/Simbach, aber auch die neue Südbahn mit dem Semmering- und dem Koralmtunnel. Die zweiten Tunnelröhren der Tauern- und der Phyrnautobahn sowie auf der Südautobahn (Packabschnitt) sind ebenfalls vordringliche Anliegen.

Das Road-Pricing darf nach Ansicht der drei Industrie-Sektionen
nur im Einklang mit den wichtigsten EU-Nachbarländern über Geltungsbeginn, technischer Abwicklung und Mauthöhe pro Kilometer eingeführt werden. Wichtige Ballungsräume dürfen nicht durch Mautstellen zerschnitten werden.

Im Schienenverkehr wird endlich die Zulassung von wirklichem Wettbewerb verlangt. Im Flugverkehr werden weitere Destinationen angestrebt, auch die Luftfracht wird in Zukunft einen größeren Stellenwert einnehmen.

Zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur ist auf Bundesebene die Bündelung der Kompetenzen notwendig. Die drei Industriesektionen schlagen deshalb die Schaffung eines Infrastrukturministeriums
vor, in dem alle Verkehrsbereiche - Schiene, Straße und
Luftverkehr - zusammengefasst werden.

Bündelung von technologischem Know-how

Die Bereiche Technologie bzw. Forschung und Entwicklung bilden
schon seit längerer Zeit einen Arbeitsschwerpunkt der Industriesektion in der WK Oberösterreich. Denn dort gibt es eine überdurchschnittliche Anzahl an forschungsintensiven Unternehmen.

Vor einigen Monaten hat die Sektion eine Strategiegruppe "Technologie" eingerichtet, die sich aus Spitzenrepräsentanten von forschungsintensiven oberösterreichischen Industriebetrieben zusammensetzt. Damit sind führende Unternehmen verstärkt in die Interessenvertretung im Technologiebereich eingebunden. Ziel dabei ist es, das in den Betrieben verfügbare Know-how stärker zu bündeln und konzentriert an die jeweiligen Entscheidungsträger heranzubringen.

Die Strategiegruppe erhebt unter anderem folgende Forderungen,
denen sich auch die Sektionen in Salzburg und der Steiermark anschließen:
- Ein gemeinsames Ministerium für Wirtschaft und Technologie
- Die gesicherte Finanzierung von Forschung und Entwicklung
- Die massive Aufstockung der direkten Forschungsförderung
- Die Intensivierung der Kooperation zwischen Wissenschaft und Industrie
- Die Schaffung bedarfsorientierter Forschungseinrichtungen

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