Rassistische Einstellungen nehmen zu - öffentliches Interesse nimmt ab

Die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit untersucht Rassismus in den 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union

Wien (OTS) - Trotz der bemerkenswerten Erfolge des Europäischen Jahres gegen Rassismus 1997 leiden in der Europäischen Union Menschen weiterhin unter Diskriminierung aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens, ihrer ethnischen Herkunft und ihrer Rasse, so die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) heute bei der Veröffentlichung des ersten Jahresberichts der Europäischen Union über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in ihren Mitgliedstaaten.

Wie in der Eurobarometer-Reihe im Jahr 1997 hervorgehoben wird, gab nahezu ein Drittel aller befragten Europäer an, "sehr" oder "ziemlich" rassistisch zu sein. Die Untersuchung der Beobachtungsstelle zeigt, daß Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seit der ersten großen Umfrage im Jahre 1989 zugenommen haben. Aus der Untersuchung geht außerdem hervor, daß das öffentliche Interesse am Thema Rassismus im gleichen Zeitraum gesunken ist (36% im Jahr 1989 verglichen mit 22% im Jahr 1997).

Der Bericht bezieht sich auf das Jahr 1998 und geht auf die Situation des Rassismus in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union ein, indem er Fallbeispiele von Opfern und Tätern und die von den Behörden eingeleiteten Maßnahmen zur Rassismusbekämpfung nennt. Der Bericht zielt auf ein Verständnis des Phänomens des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit ab. Es werden einige Fälle ausgewählt -aussagekräftige und repräsentative Beispiele für die heutige Situation in Europa. Doch wie es im Bericht heißt, ist "kein Mitgliedstaat ist davon ausgenommen. Und keiner kann fünfzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges behaupten, diesen Erscheinungen völligen Einhalt geboten zu haben."

Darüber hinaus konzentriert sich der diesjährige Bericht auf die Einrichtung der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die wiederum das Ergebnis des Europäischen Jahres gegen Rassismus ist. Die Anlaufphase der Beobachtungsstelle begann im Juli 1998; Ende 1998 waren bereits drei Mitarbeiter beschäftigt.

Das Hauptziel der Beobachtungsstelle besteht darin, der Europäischen Union objektive, zuverlässige und vergleichbare Informationen über rassistische, fremdenfeindliche und antisemitische Phänomene auf europäischer Ebene bereitzustellen. Sie untersucht Ausmaß und Entwicklung der Phänomene und Erscheinungsformen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, analysiert ihre Ursachen, Folgen und Auswirkungen und untersucht die Beispiele bewährter Praktiken, die Abhilfe schaffen sollen.

"Mehr als fünfzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem die Schrecken des Rassismus ihren Höhepunkt erreichten, ist Europa aus der Asche auferstanden und hat eine aus 15 Staaten bestehende Union gebildet, deren Hauptziel die Wiedererlangung von Frieden und Einheit zwischen ihren Völkern ist. Wir alle dachten, die dunklen Tage lägen hinter uns, aber wir haben uns getäuscht", so Jean Kahn, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Beobachtungsstelle und ehemaliger Vorsitzender der Beratenden Kommission "Rassismus und Fremdenfeindlichkeit".

"Wir können nicht mehr akzeptieren, daß die Grundwerte unserer Menschenrechte verspottet werden, daß unser Europa auf Diskriminierung gegründet wird. Europa wird seine Seele verlieren, wenn es vergißt, daß es in erster Linie auf einer ethischen und keineswegs nur auf einer wirtschaftlichen, finanziellen oder gesellschaftlichen Grundlage errichtet worden ist."

"Die Diskriminierung von Völkern aufgrund ihrer Rasse und ihres Glaubens ist nicht nur eine Verletzung ihrer Menschenwürde, sondern ein Angriff gegen alles, wofür die Europäische Union steht", so Beate Winkler, Direktorin der Beobachtungsstelle. "Die Diskriminierung zu akzeptieren hieße, uns dazu zu verurteilen, in einem Europa zu leben, in dem Rassisten den moralischen und politischen Ton angeben und der Ausschluß von Mitgliedern unserer eigenen Gemeinschaft sanktioniert wird."

Der Bericht schließt mit folgenden Worten: "Am beunruhigendsten jedoch ist in allen Mitgliedsstaaten der Union die Entwicklung eines schleichenden Rassismus, der im täglichen Leben banalisiert wird, und von Diskriminierung, die durch die Gleichgültigkeit der Allgemeinbevölkerung oder auch auf institutioneller Ebene erst möglich gemacht wird. Diese kontinuierlichen Bekundungen von Fremdenfeindlichkeit werden nicht zwangsläufig durch die Klagen der Opfer oder durch Gerichtsprozesse sichtbar. Sie werden verwischt, verdeckt, schleichen sich häufig in das Verhalten ein und werden von der Mehrheit akzeptiert - bis irgendwo ein Skandal ausbricht."

"Europa trägt Verantwortung für die Bekämpfung des Rassismus. Ein Teil dieser Verantwortung wurde mit der Errichtung der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und die Aufnahme von Artikel 13 in den Vertrag von Amsterdam erfüllt", erklärt Beate Winkler abschließend. "Mit der vollständigen Ratifizierung des Vertrags von Amsterdam durch die Parlamente der Mitgliedstaaten dieses Jahr zeigte die Europäische Union ihre Entschlossenheit, ihren Verpflichtungen uneingeschränkt nachzukommen. Jetzt bleibt der Europäischen Union nur noch, ihre erklärten Ziele und ihre gemachten Aussagen zu bekräftigen und zusammen mit der Beobachtungsstelle und allen ihren Einrichtungen auf die Vision eines Europas ohne Rassismus hinzuarbeiten, denn letztendlich wird Europa nicht nach seinen Worten, sondern nach seinen Taten beurteilt werden."

Der Jahresbericht 1998 der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wird in zwei Teilen veröffentlicht.

Teil 1 trägt den Titel "Europa eine Seele geben - Einrichtung der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit".

Teil 2 trägt den Titel "Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der Europäischen Gemeinschaft - die aktuelle Lage".

Teil 1 und 2 werden in der Langfassung in folgenden Sprachen veröffentlicht: Englisch, Französisch und Deutsch.

Kurzfassungen des Jahresberichts werden in allen Amtssprachen der Europäischen Union zur Verfügung stehen.

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