Standard-Kommentar zum Thema TBC Otto Ranftl

Ausgabe 24.11.1999

Wien (OTS) - Gegen Gesundheitsvorsorge kann doch niemand etwas haben. Wenn Untersuchungen notwendig sind, dann müssen sie gemacht werden - schon gar, wenn sonst Gefahr für viele Menschen entsteht wie bei Tbc. Das ist unbestritten. Warum also die Aufregung um zusätzliche Gesundheitschecks? Der freiheitliche Parteicapo hat präzise an der Sache vorbeigeredet und billige Reflexe bedient: Das Böse kommt von draußen, schuld sind die Ausländer. So liest sich seine Idee von Spezial-Tbc-Tests im Klartext.

Wahr ist: Mehr als zwei Drittel der Tbc-Kranken in Österreich sind Inländer. Mitbringen kann die Krankheit jeder, der sich in einem Risikoland aufgehalten hat - ein Urlaub in Asien oder das Verlassen des All-inclusive-Urlaubsdorfes in manchem exotischen Ferienparadies können genügen. Das gilt nicht nur für Tbc: Mit den Fernreisen kommt auch die Kinderlähmung wieder nach Österreich, die Ärzte warnen seit Jahren. Also müssen alle untersucht werden - vom Feriendorf in die Gesundheitsstraße sozusagen. Das geht natürlich nicht. Das bringt auch nichts, sagen die Experten. Auf die Risikogruppen kommt es ihnen an. Und die sind längst Ziel von Gesundheitschecks - ob Zuwanderer oder Inländer.

Richtig ist: In jenem Kindergarten, den der schwer erkrankte Dreijährige besucht hat, gibt es kaum nichtösterreichische Kinder -die freiheitliche Prophylaxe hätte nicht gegriffen, dort wäre wohl nicht untersucht worden. Wahr ist auch: Warnungen, die Migration könnten mehr Krankheitsfälle bringen, sind ernst zu nehmen. Abhilfe ist möglich, wenn es mit internationaler Hilfe gelingt, die Sozial-und Gesundheitsstandards in Risikoländern zu erhöhen. Das ist mühsam und wirkt langsam. Und der Urlaub wird teurer.

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