OÖNachrichten-Kommentar: Profiteur im Grenzverkehr (Von Gerald Mandlbauer) Tschechen lassen mehr Geld hier als wir bei ihnen

Ausgabe vom 24. November

Linz (OTS) - Tschechische Besucher, die Oberösterreich beehren, kommen als arme Schlucker, die sich hier vorwiegend selbst verpflegen, nur die Auslagen bestaunen, aber keine Einkäufe tätigen, die in ihren Skodas die Straßen zusätzlich verstopfen, unter dem Strich für Oberösterreich also eine Belastung darstellen.

So falsch dieses Vorurteil ist, so schwer wird es auszurotten sein. Auch nicht durch jenes interessante Studienergebnis, das gestern in Linz präsentiert worden ist. 400.000 Tschechen kommen ein bis zweimal pro Jahr nach Oberösterreich. 150 Millionen Schilling gaben sie dabei heuer in sechs Monaten im Zentralraum aus, das ist um rund 60 Millionen Schilling mehr, als umgekehrt die Österreicher bei Einkäufen in Tschechien ließen.

Oberösterreich ist damit Netto-Gewinner des kleinen Konsum-Grenzaustausches mit Böhmen. Dies soll jenen Eiferern unter die Nase gerieben werden, die eine Ost-Öffnung am liebsten auf den Sankt-Nimmerleinstag aufschieben würden. Was für den Konsum nun bewiesen worden ist, gilt auch im Großen. Fielen die Grenzen zum Osten, würde Österreich am deutlichsten profitieren. Es wäre zwar zu kurz gegriffen, die geplante Ost-Erweiterung nur wirtschaftlich zu argumentieren. Wer Brücken niederreißen, wer die bisherige Ausgrenzung unserer Nachbarn beenden möchte, wer der Bildung eines starken Zentraleuropa mit dem kleinen Österreich in dessen Mittelpunkt etwas abgewinnt, dem kann die Einbürgerung der Nachbarn nicht schnell genug gehen. Doch momentan haben die Bremser das Wort, was in der seltsamen Haltung Österreichs gipfelt, dem Osten den Beitritt zu verwehren, wenn er in der Frage seiner Atomkraftwerke nicht konsensbereit ist. Wir schadeten damit ihnen und uns. Das dazu am meisten strapazierte Horrorszenario: Horden billiger Arbeitskräfte würden Österreich überschwemmen und den Heimischen die Beschäftigung streitig machen. Daher will der ÖGB einer Osterweiterung erst dann zustimmen, wenn im Osten 80 Prozent des EU-Lohndurchschnittes verdient werden. Experten haben ausgerechnet, dass es bis zum Jahre 2070 dauern wird, bis diese Relation erreicht sein wird.

Obwohl es zum Schaden Österreichs ist, wird damit Verzögerung betrieben, politisches Kleingeld gewechselt. Dabei mögen sich alle Gegner einer Erweiterung doch nur die bisherigen Effekte der Ostöffnung des Jahres 1989 vor Augen halten. In diesem Zeitraum von zehn Jahren sind die Exporte Österreichs in den Osten von vier auf 16 Prozent unseres gesamten Ausfuhrvolumens angestiegen. Unser Warenexport hat sich damit in die postkommunistischen Länder vervierfacht. Das Handelsbilanz-Aktivum mit diesen Staaten macht pro Jahr rund 30 Milliarden Schilling aus. Um diesen Betrag kaufen die Ostländer mehr bei uns als wir bei ihnen.

Dieses Plus in der Handelsbilanz in Arbeitsplätze umzurechen, ist nicht einfach. Doch es werden 100.000 oder mehr Arbeitsplätze sein, die dadurch in Österreich entstanden ist. Gegner der Osterweiterung haben dieser Ziffer nichts entgegenzusetzen, außer ein paar Vorurteilen.

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