- 23.11.1999, 18:00:19
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OÖNachrichten-Kommentar: Profiteur im Grenzverkehr (Von Gerald Mandlbauer) Tschechen lassen mehr Geld hier als wir bei ihnen
Ausgabe vom 24. November
Linz (OTS) - Tschechische Besucher, die Oberösterreich beehren,
kommen als arme Schlucker, die sich hier vorwiegend selbst
verpflegen, nur die Auslagen bestaunen, aber keine Einkäufe tätigen,
die in ihren Skodas die Straßen zusätzlich verstopfen, unter dem
Strich für Oberösterreich also eine Belastung darstellen.
So falsch dieses Vorurteil ist, so schwer wird es auszurotten
sein. Auch nicht durch jenes interessante Studienergebnis, das
gestern in Linz präsentiert worden ist. 400.000 Tschechen kommen ein
bis zweimal pro Jahr nach Oberösterreich. 150 Millionen Schilling
gaben sie dabei heuer in sechs Monaten im Zentralraum aus, das ist um
rund 60 Millionen Schilling mehr, als umgekehrt die Österreicher bei
Einkäufen in Tschechien ließen.
Oberösterreich ist damit Netto-Gewinner des kleinen
Konsum-Grenzaustausches mit Böhmen. Dies soll jenen Eiferern unter
die Nase gerieben werden, die eine Ost-Öffnung am liebsten auf den
Sankt-Nimmerleinstag aufschieben würden. Was für den Konsum nun
bewiesen worden ist, gilt auch im Großen. Fielen die Grenzen zum
Osten, würde Österreich am deutlichsten profitieren. Es wäre zwar zu
kurz gegriffen, die geplante Ost-Erweiterung nur wirtschaftlich zu
argumentieren. Wer Brücken niederreißen, wer die bisherige
Ausgrenzung unserer Nachbarn beenden möchte, wer der Bildung eines
starken Zentraleuropa mit dem kleinen Österreich in dessen
Mittelpunkt etwas abgewinnt, dem kann die Einbürgerung der Nachbarn
nicht schnell genug gehen. Doch momentan haben die Bremser das Wort,
was in der seltsamen Haltung Österreichs gipfelt, dem Osten den
Beitritt zu verwehren, wenn er in der Frage seiner Atomkraftwerke
nicht konsensbereit ist. Wir schadeten damit ihnen und uns. Das dazu
am meisten strapazierte Horrorszenario: Horden billiger Arbeitskräfte
würden Österreich überschwemmen und den Heimischen die Beschäftigung
streitig machen. Daher will der ÖGB einer Osterweiterung erst dann
zustimmen, wenn im Osten 80 Prozent des EU-Lohndurchschnittes
verdient werden. Experten haben ausgerechnet, dass es bis zum Jahre
2070 dauern wird, bis diese Relation erreicht sein wird.
Obwohl es zum Schaden Österreichs ist, wird damit Verzögerung
betrieben, politisches Kleingeld gewechselt. Dabei mögen sich alle
Gegner einer Erweiterung doch nur die bisherigen Effekte der
Ostöffnung des Jahres 1989 vor Augen halten. In diesem Zeitraum von
zehn Jahren sind die Exporte Österreichs in den Osten von vier auf 16
Prozent unseres gesamten Ausfuhrvolumens angestiegen. Unser
Warenexport hat sich damit in die postkommunistischen Länder
vervierfacht. Das Handelsbilanz-Aktivum mit diesen Staaten macht pro
Jahr rund 30 Milliarden Schilling aus. Um diesen Betrag kaufen die
Ostländer mehr bei uns als wir bei ihnen.
Dieses Plus in der Handelsbilanz in Arbeitsplätze umzurechen, ist
nicht einfach. Doch es werden 100.000 oder mehr Arbeitsplätze sein,
die dadurch in Österreich entstanden ist. Gegner der Osterweiterung
haben dieser Ziffer nichts entgegenzusetzen, außer ein paar
Vorurteilen.
Rückfragehinweis: Oberösterreichische Nachrichten
Tel.: 0732/7805-401
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