Festtagung: 50 Jahre Institut für Erziehungshilfe 50 Jahre ambulante Kinderpsychotherapie in Wien am 26. November 1999 im Wappensaal im Rathaus

Wien (OTS) - Die Child Guidance Clinic oder auch Institute für Erziehungshilfe der Stadt Wien sind heuer 50 Jahre alt. Sie entstanden mit voller Unterstützung der Gemeinde Wien, der Träger ist ein privater Verein, nämlich die Österreichische Gesellschaft für psychische Hygiene und werden vom Amt für Jugend und Familie voll subventioniert. Die Gründung der Institute geht auf eine Tradition der Zwischenkriegszeit zurück, in der August Aichhorn, ein bekannter Psychoanalytiker, der sich besonders mit verwahrlosten Jugendlichen beschäftigte, für das Wiener Jugendamt tätig war. Nach dem Krieg bemühte er sich um die Einrichtung einer Child Guidance Clinic, die schließlich zustande kam. Die Child Guidance Clinic ist eine tiefenpsychologisch ausgerichtete Institution, deren Aufgabe es ist, Psychotherapie für Kinder und Jugendliche auf einer tiefenpsychologischen Grundlage anzubieten. Mit einbezogen sind immer die Eltern oder die Personen, bei denen die Kinder leben. Es gibt in Wien fünf Institute, die einer modernen regionalen Versorgung entsprechen. Die Institute stehen allen Bevölkerungsschichten offen, bedeuten aber gerade für finanziell schwache Einkommensgruppen ein einzigartiges Angebot. 70 % unserer Klienten haben ein Familieneinkommen unter ATS 15.000,--, ein Drittel davon sind AlleinerzieherInnen.

Die Child Guidance Clinic ist die einzige Institution im Raum von Wien, die eine intensive und zum Teil auch hochfrequente Psychotherapie für Kinder und Jugendliche anbieten kann. Darüber hinaus bieten wir Behandlungen für Mütter mit Babys und Kleinkindern an, die Entwicklungsschwierigkeiten haben. Die Institute stehen unter einer psychiatrischen Leitung und gehören zu den kinder- und jugendpsychiatrischen Kernversorgungseinrichtungen in Wien.

Die Institute sind eine in Europa einzigartige Institution, die eine tiefenpsychologische Psychotherapie in einer niederschwelligen Institution anbietet. Ob es sich um neurotische Störungen und Konflikte handelt, um Schulprobleme oder um Mißbrauch, sowohl sexueller als auch aggressiver Natur, sind wir seit 50 Jahren in der Lage, eine qualifizierte Hilfe anzubieten. In all diesen Jahren war es eine Selbstverständlichkeit, daß eine kontinuierliche Elternberatung angeboten wird. Unser zentrales Angebot, nämlich die Kombination von tiefenpsychologischer Kindertherapie und die begleitende Elternarbeit trägt entscheidend dazu bei, daß aus schwierigen Kindern nicht aggressive, destruktive Jugendliche oder kriminelle Erwachsene werden oder schließlich mißhandelnde und mißbrauchende Eltern. Wir sehen unsere Aufgabe im Sinne der Behandlung, ebenso wie im Sinne der Prophylaxe. Zur Qualität unserer Arbeit gehört, daß alle unsere MitarbeiterInnen eine fundierte psychotherapeutische Ausbildung haben und seit Beginn unserer Institution gibt es regelmäßige Supervisionen für jeden einzelnen.

Die Festtagung soll die Qualität der bisherigen Arbeit der Institute darstellen, aber ebenso die zukünftigen Aufgaben, vor denen die Institute heute stehen. Dazu ist es uns gelungen, Frau Anni Bergmann, eine bekannte Psychoanalytikerin aus New York einzuladen. Sie wird den Festvortrag halten. Sie war eine Mitarbeiterin von Margret Mahler in New York, stammt ursprünglich aus Wien und mußte 1938 flüchten. Sie gehört zu den Pionieren, die die frühe Mutter-Kind-Beziehung erforschten. Ihre Studien zur Individuation, gemeinsam mit Margret Mahler, sind international wegweisend. Der Bogen nach Wien schließt sich wieder, denn Margret Mahler war eine Schülerin August Aichhorns.

Seit der Gründung unserer Institute hat sich die soziale und politische Situation Österreichs sehr verändert. Es gibt aber weiterhin soziales und neurotisches Elend und die Hilfe der Institute dient den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft, nämlich den Kindern und den Jugendlichen.

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