H. Geißler: Die Welt ist mehr als ein globales Shoppingcenter Plädoyer für eine Renaissance der Ethik beim 91. Forum Schwarzenbergplatz

Wien (OTS) - Unser Planet sei dabei, ein "weltweites Shopping-Center" zu werden, währenddessen verabsäume man es aber, fatale globale Fehlentwicklungen zu korrigieren, erklärte der bekannte CDU-Politiker Heiner Geißler beim 91. Forum Schwarzenbergplatz in seinem Vortrag über "Ethische Grundlagen einer Gesellschaft im Wandel". Wir seien allerdings nicht Zeugen eines Wandels oder von Umbrüchen, sondern von "gewaltigen Revolutionen, ähnlich jener der 1. Industriellen Revolution vor 250 Jahren" - diese Revolutionen seien geopolitischer, technischer und ökonomischer Art. Um Fehlentwicklungen in diesen Bereichen zu korrigieren, brauchten wir eine "internationale Soziale Marktwirtschaft als Weltwirtschaftsordnung und einen Weltstaat. Erst dann werden ein Weltfrieden und ein Leben in Würde für alle Menschen möglich sein."

Der ehemalige CDU-Generalsekretär, Minister und Fraktionsvorsitzende, der heute für die Pfälzer CDU vielfältige Funktionen im Deutschen Bundestag wahrnimmt, zeichnete ein düsteres Zukunftsbild, "falls die Politik auf internationaler Ebene nicht endlich handelt." Global wachse die Kluft zwischen Arm und Reich, sehenden Auges werde auf die Umwelt zuwenig Rücksicht genommen: "Wie Parasiten zerstören wir den Wirt, von dem wir leben. Nur: zum Unterschied von den Parasiten können wir uns, wenn wir den Wirt zerstört haben, keinen anderen suchen". Die Menschenrechte gerieten immer stärker unter die Räder, ignorante Regierungen kümmerten sich kaum darum: "Deshalb waren die Einsätze im Kosovo und in Osttimor ein Hoffnungsschimmer." Eine weltweit wachsende Gier nach Geld habe dazu geführt, daß wir "nicht in einer internationalen Weltwirtschaftsordnung, sondern in einem internationalen Weltwirtschaftschaos leben." Eine Milliarde hungernder Menschen seien ein "sozialrevolutionäres Potential, von dem nur Illusionisten annehmen können, sie würden eines Tages vor den Grenzen der reichen USA und des reichen Europas halt machen." Es gebe "soziale Krisen in einer Welt, die vor Reichtum platzt."

Lösungsansätze sieht Geißler "anstatt in der Perversion der Werte und Maßstäbe, der wir uns gegenübersehen", in einer "Renaissance der Grundwerte, vor allem in der Erziehung". Der am meisten bedrohte Grundwert sei jener der Solidarität. Geißler plädierte für eine "Internationale Soziale Marktwirtschaft im Sinne des europäischen Ordoliberalismus, nicht im Sinne des angelsächsischen Neoliberalismus, der zuwenig auf die Werte ,jenseits von Angebot und Nachfrage' Rücksicht nimmt." Darüber hinaus sei Entwicklungen entgegenzusteuern, die kaum auf die Würde des Menschen achten: "Tag für Tag kommt aus den USA über das TV die schleichende Verführung zu Gewalt und Verbrechen und Mißachtung der Menschenwürde - auf unsere Kinder werden via Fernsehen pro Woche 3500 Morde losgelassen." Dies könne nicht ohne Einfluß auf die Einstellung der kommenden Generationen gegenüber den Mitmenschen bleiben.

Die internationale Politik müsse sich mehr "um das geordnete Zusammenleben der Menschen auf unserem Planeten bemühen und weniger kurzsichtig handeln", forderte Heiner Geißler abschließend: "Wir agieren egoistisch auf Kosten unserer Kinder und einer Zukunft, die immer näher rückt. Wenn wir überleben wollen, müssen wir das ändern. Wir brauchen eine Renaissance der Ethik."

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