• 27.10.1999, 16:02:40
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  • OTS0216

Verzetnitsch: Finanzfragen lösen Probleme im Gesundheitswesen nicht

Für Hostasch ist Pflichtversicherung unverzichtbar

Wien (FGV/ÖGB). Indem man ständig fragt wer denn eigentlich für
die Finanzierung zuständig sei, können die Probleme im
Gesundheitswesen nicht gelöst werden, meinte ÖGB-Präsident Fritz
Verzetnitsch in seiner Ansprache beim Festakt "50 Jahre
ÖGB-Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe" (FGV) heute,
Mittwoch nachmittag, in der Wiener Börse. Für Gesundheitsministerin
Lore Hostasch ist das Prinzip der Pflichtversicherung unverzichtbar
und für den Präsidenten der Bundesarbeitskammer, Herbert Tumpel, hat
eine gute Betreuung und umfassende Versorgung der Patienten "eben
seinen Preis". ++++

Verzetnitsch kritisierte, dass auch im österreichischen
Gesundheitswesen plötzlich gewisse Managementmethoden Eingang
gefunden hätten. Damit sei aber das Gesundheitswesen nicht unbedingt
zu verbessern. Der ÖGB-Präsident: "Mit dem amerikanischen
Gesundheitssystem möchte ich nicht tauschen". Verzetnitsch
kritisierte auch, dass bei Auslagerungen sehr oft der günstige Preis
gesehen werde, aber nicht beachtet würde, dass die Billiganbieter
eine bessere Ausbildung der dort Beschäftigten nicht ermöglichen.

Tumpel sprach von einem Spannungsverhältnis zwischen den oft guten
gesetzlichen Grundlagen und der für die Umsetzung notwendigen
Finanzierung. Tumpel: "Eine gute Betreuung und umfassende Versorgung
der Patienten hat eben seinen Preis". Er forderte auch, dass das
Gesamtsystem im Auge zu behalten sei und meinte: "Wenn man an der
einen Schraube dreht und sich über Einsparungen freut, kann es leicht
dazu kommen, dass an einer anderen Stelle höhere Kosten entstehen."

Hostasch verwies darauf, dass das österreichische Gesundheitssystem
zu einem der höchst entwickelten der Welt gehöre. Sie sei auch stolz
darauf, dass in Österreich "jeder und jede unabhängig vom Wohnort, ob
jung oder alt und unabhängig von der Finanzkraft, Zugang zu diesem
System hat".

In Österreich werden jährlich rund 180 Mrd. S oder acht Prozent des
Bruttoinlandsproduktes für das Gesundheitswesen ausgeben. Hostasch:
"Sozial- und Gesundheitsbudgets sind produktive Budgets und schaffen
Arbeitsplätze. Derzeit arbeiten in diesem Bereich 140.000 Menschen
und wir haben hier die größten Zuwächse an Arbeitsplätzen". Die
Gesundheitsministerin sprach sich für klare politische Zielsetzungen
aus. Dazu gehöre die Pflichtversicherung und die Ablehnung der
Zweiklassenmedizin.

Hostasch hob auch die Erfolge der vergangenen Jahre hervor. Dazu
zähle neben der Schaffung von einer Reihe neuer Berufsbilder auch das
1997 beschlossene Gesundheits- und Krankenpflegegesetz. Kritisch
äusserte sie sich zum sogenannten Konsultationsmechanismus mit den
Ländern. Dies hätte sich vor allem auch beim Rettungssanitätergesetz
gezeigt.

Bundespräsident Thomas Klestil gratulierte in einem Brief, in dem er
unter anderem meinte: "Ich weiss wie schwierig ihr Beruf sein kann,
welche enormen physischen und psychischen Anforderungen er immer
wieder an sie stellt. Und ich weiss auch, welche Probleme Spar- und
Rationalisierungsmassnahmen im Gesundheitswesen ausgelöst haben.
Allmählich beginnen aber viele der als notwendig erkannten Reformen
zu greifen". (ff)

ÖGB, 27. Oktober 1999 Nr. 512

Rückfragehinweis: ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Franz Fischill
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