Verzetnitsch: Finanzfragen lösen Probleme im Gesundheitswesen nicht

Für Hostasch ist Pflichtversicherung unverzichtbar

Wien (FGV/ÖGB). Indem man ständig fragt wer denn eigentlich für die Finanzierung zuständig sei, können die Probleme im Gesundheitswesen nicht gelöst werden, meinte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch in seiner Ansprache beim Festakt "50 Jahre ÖGB-Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe" (FGV) heute, Mittwoch nachmittag, in der Wiener Börse. Für Gesundheitsministerin Lore Hostasch ist das Prinzip der Pflichtversicherung unverzichtbar und für den Präsidenten der Bundesarbeitskammer, Herbert Tumpel, hat eine gute Betreuung und umfassende Versorgung der Patienten "eben seinen Preis". ++++

Verzetnitsch kritisierte, dass auch im österreichischen Gesundheitswesen plötzlich gewisse Managementmethoden Eingang gefunden hätten. Damit sei aber das Gesundheitswesen nicht unbedingt zu verbessern. Der ÖGB-Präsident: "Mit dem amerikanischen Gesundheitssystem möchte ich nicht tauschen". Verzetnitsch kritisierte auch, dass bei Auslagerungen sehr oft der günstige Preis gesehen werde, aber nicht beachtet würde, dass die Billiganbieter eine bessere Ausbildung der dort Beschäftigten nicht ermöglichen.

Tumpel sprach von einem Spannungsverhältnis zwischen den oft guten gesetzlichen Grundlagen und der für die Umsetzung notwendigen Finanzierung. Tumpel: "Eine gute Betreuung und umfassende Versorgung der Patienten hat eben seinen Preis". Er forderte auch, dass das Gesamtsystem im Auge zu behalten sei und meinte: "Wenn man an der einen Schraube dreht und sich über Einsparungen freut, kann es leicht dazu kommen, dass an einer anderen Stelle höhere Kosten entstehen."

Hostasch verwies darauf, dass das österreichische Gesundheitssystem zu einem der höchst entwickelten der Welt gehöre. Sie sei auch stolz darauf, dass in Österreich "jeder und jede unabhängig vom Wohnort, ob jung oder alt und unabhängig von der Finanzkraft, Zugang zu diesem System hat".

In Österreich werden jährlich rund 180 Mrd. S oder acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes für das Gesundheitswesen ausgeben. Hostasch:
"Sozial- und Gesundheitsbudgets sind produktive Budgets und schaffen Arbeitsplätze. Derzeit arbeiten in diesem Bereich 140.000 Menschen und wir haben hier die größten Zuwächse an Arbeitsplätzen". Die Gesundheitsministerin sprach sich für klare politische Zielsetzungen aus. Dazu gehöre die Pflichtversicherung und die Ablehnung der Zweiklassenmedizin.

Hostasch hob auch die Erfolge der vergangenen Jahre hervor. Dazu zähle neben der Schaffung von einer Reihe neuer Berufsbilder auch das 1997 beschlossene Gesundheits- und Krankenpflegegesetz. Kritisch äusserte sie sich zum sogenannten Konsultationsmechanismus mit den Ländern. Dies hätte sich vor allem auch beim Rettungssanitätergesetz gezeigt.

Bundespräsident Thomas Klestil gratulierte in einem Brief, in dem er unter anderem meinte: "Ich weiss wie schwierig ihr Beruf sein kann, welche enormen physischen und psychischen Anforderungen er immer wieder an sie stellt. Und ich weiss auch, welche Probleme Spar- und Rationalisierungsmassnahmen im Gesundheitswesen ausgelöst haben. Allmählich beginnen aber viele der als notwendig erkannten Reformen zu greifen". (ff)

ÖGB, 27. Oktober 1999 Nr. 512

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