• 27.10.1999, 08:23:33
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Institute of Social Studies, Ukraine: Bericht zur Lage in der Ukraine vor den Wahlen=

Kiew (ots-PRNewswire) - Die verstärkten Aktivitäten des
Wahlkampfteams von Pjotr Simonenko für die Kommunistische Partei in
der Ukraine in den vergangenen Tagen haben möglicherweise
entscheidenden Einfluß auf den weiteren Verlauf des Wahlkampfs in der
Ukraine. Öffentlichen Umfragen zufolge gibt es keinen Zweifel daran,
daß der amtierende Präsident Leonid Kuchma an der Spitze dieses
Wahlkampfmarathons liegt. Offen bleibt jedoch die Frage, wer den
zweiten Platz belegt und damit in die zweite Runde mit Kuchma tritt -
sollte es denn eine zweite Runde geben. Ernstzunehmende Konkurrenten
sind Simonenko und die Abgeordnete des Parlaments (Rada) Natalia
Vitrenko, die mit extremistischen Parolen und willkürlicher Kritik an
allen anderen Kandidaten zudem Unterstützung beim linken Flügel der
Wählerschaft sucht.

Die Wahlkampfstrategie der Kommunisten - offensichtlich von den
russischen Kollegen übernommen - äußert sich in verschärften
aufrührerischen Aktivitäten während der letzten Tage der Kampagne.
Dazu gehört das Aufhängen von Plakaten vielerorts, Besuche von Tür zu
Tür bei potentiellen Wählern und das Verteilen von Handzetteln und
Zeitungen mit kommunistischen Parolen und Material, das Kuchma und
andere derzeitige Amtsinhaber kompromittiert.

Simonenko zählt vor allem auf ältere Wähler - all jene, die in der
"neuen" Ukraine noch keinen Platz gefunden haben und in nostalgischen
Erinnerungen an alte Sowjet-Zeiten schwelgen. Darüber sollte man
nicht vergessen, daß dieser Teil der Wählerschaft am meisten
Disziplin zeigt, wenn es darum geht, zur Urne zu gehen und die Stimme
abzugeben. Genau dies konnte in fast allen Wahlen nach der
Sowjet-Zeit beobachtet werden und es verhalf den Kommunisten jeweils
dann zum Sieg, wenn die Gegner ihre Wählerschaft nicht mobilisieren
konnten. Andererseits ist es für Simonenko weitaus schwieriger als
für andere Kandidaten der politischen Mitte und des rechten Flügels,
seine Unterstützungsbasis mit Hilfe von Wählern aus anderen
Gesellschaftsschichten auszuweiten.

Der Drang nach zusätzlicher Unterstützung erklärt Simonenkos
Versuche, Bündnisse mit anderen Kandidaten des linken Flügels
einzugehen - namentlich Alexander Moroz und Alexander Tkachenko. Die
Vorsitzenden der russischen Kommunisten Gennady Zyuganov und Valentin
Kuptsov haben bekanntermaßen als Vermittler agiert und diplomatische
Schritte in diese Richtung unternommen, wobei die eindeutigen
Ambitionen der verschiedenen linksgerichteten Politiker sie kaum dazu
bringen werden, sich auf einen einzigen Kandidaten zu einigen oder zu
seinen Gunsten zurückzutreten.

Die Bemühungen der ukrainischen Kommunisten haben sich dennoch
gelohnt. Öffentlichen Meinungsumfragen zufolge hat Simonenko eine
Woche vor der Wahl schon seinen größten Rivalen Vitrenko um einige
Prozentpunkte überholt und nun scheint er der aussichtsreichste aller
Kandidaten für die zweite Runde zu sein.

Sollte dies der Fall sein, werden die Wahlen in der Ukraine
größtenteils wie die Wahlen in Rußland vor vier Jahren verlaufen.
Ganz wie beim Duell zwischen Jeltsin und Zyuganov repräsentieren
Kuchma und Simonenko zwei ganz unterschiedliche Entwicklungen in der
Ukraine - auf der einen Seite die Reformpolitik und auf der anderen
Seite der Versuch, zur sozialistischen Vergangenheit zurückzukehren.

ots Originaltext: Institute of Social Studies, Ukraine
Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de

Rückfragen bitte an: Institute of Social Studies, Ukraine, Kiew, Tel:
+380-44-294-2794

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