Symposium in Graz: "Autonomie im FH-Bereich" Presseinformation der Österreischischen Fachhochschul-Konferenz

Graz (OTS) - Besonderes Wesensmerkmal der mitteleuropäischen Mentalität ist der Wille, alles zu regeln und in Vorschriften zu erfassen. Verbunden damit ist die irrationale Erwartung, daß mit formalen Regelungen bereits die Verwirklichung der immanenten Zielsetzungen des Geregelten gesichert ist.

Dem widerspricht die praktische Erfahrung: Die Qualität eines Unternehmens, einer Institution steht keineswegs in einem direkt proportionalen Zusammenhang mit der Anzahl regelnder Gesetze, Verordnungen, Bescheide, Erlässe oder Dienstanweisungen.

Dr. Michael Landertshammer, der neugewählte Präsident der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz, warnt in diesem Zusammenhang vor einer unreflektierten möglichen Vermehrung der bereits bestehenden Vorschriften und Verordnungen im Fachhochschulbereich. Landertshammer erinnert, daß der Gesetzgeber bewußt bereits im Fachhochschul-Studiengesetz darauf verzichtet hat, mit einem allzu engmaschigen Gesetzeswerk ein dynamisches und dem Bedarf der Wirtschaft entsprechendes Wachstum des jungen österreichischen Fachhochschulwesens zu behindern.

Die Rahmenbedingungen und Richtlinien des Gesetzes sowie die umfassenden Verordnungen des Fachhochschulrates regeln die Planung, Errichtung und Führung der Fachhochschul-Studiengänge entsprechend den leitenden Prinzipien des Fachhochschulwesens. Es geht um die Errichtung praxisbezogener Hochschuleinrichtungen auf wissenschaftlicher Grundlage - entsprechend dem aktuellen Bedarf der Wirtschaft.

Das vom Fachhochschulrat geforderte Evaluierungsverfahren im Laufe der Studiengänge und am Ende der jeweiligen Genehmigungsperiode unterstützt und sichert die Realisierung der Zielsetzungen des Fachhochschulwesens. Gerade das Evaluierungsverfahren und die damit verbundenen Bestimmungen zur Qualitätssicherung dokumentieren das unbürokratische und praxisbezogene Regelwerk des Fachhochschulwesens. Entwickelt wurde das gesamte Verfahren bekanntlich über Initiative der durch die Erhalter der Fachhochschul-Studiengänge eingerichteten "Österreichischen Fachhochschul-Konferenz". Der Fachhochschulrat hat das von der Fachhochschul-Konferenz entwickelte Evaluierungsverfahren formell genehmigt und damit die rechtliche Gültigkeit unterstrichen.

Dr. Landertshammer verweist anläßlich der Berichte über das jüngst stattgefundene Autonomie-Symposium in Graz beispielsweise auf zwei grundsätzliche Unterschiede der Autonomie in Lehre und Forschung des Fachhochschulwesens gegenüber den Universitäten:

+ Der Lehr- und Studienplan der Fachhochschul-Studiengänge ist gekoppelt an eine zeitlich und organisatorisch weitgehend fixe Planung des Studienbetriebes.

+ Der wesentliche wirtschaftliche Unterschied ist, daß der Erhalter aufgrund der vorgegebenen und genehmigten Studienplatzfixierung und -förderung zwar einerseits auf die Qualität der Studiengänge zu achten hat, aber gleichzeitig unternehmerisch vorausschauend planen muß. Das damit verbundene finanzielle Ausfallsrisiko liegt eindeutig beim Erhalter!

+ Die gesetzlich vorgeschriebene Orientierung an den Bedürfnissen der Berufspraxis bzw. Wirtschaft ist ein weiterer - positiver -Faktor, der die Autonomie der Fachhochschul-Studiengänge einschränkt.

Das Zusammenspiel zwischen den Lehrenden der Studiengänge und den Erhaltern funktioniert hervorragend. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftsministerium, Fachhochschulrat und Fachhochschul-Konferenz ist als sehr positiv zu bezeichnen. Die bestehenden Formalvorschriften sind vielfach im Zuge dieser Zusammenarbeit entstanden und reichen dzt. völlig aus, dieses konstruktive Miteinander zu sichern. Neue Verordnungen, Organisations-Statuten und sonstige Formalregelungen sollten daher nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn in einer gemeinsamen Willensbildung der genannten Partner einhellig der Wunsch nach zusätzlichen Regelungen geäußert wird.

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