100 Jahre WIENGAS

Wien, (OTS) Aus Anlass des Hundert-Jahr-Jubiläums von WIENGAS
gaben Komm.Rat Dipl.-Ing. Richard Pöltner, Vorstandsdirektor der WIENER STADTWERKE Holding AG und Geschäftsführer der WIENGAS GmbH, und Ing. Mag. Helmut Miksits, Geschäftsführer der WIENGAS GmbH, im Rahmen eines Pressegespräches einen Überblick über die Geschichte des Unternehmens und stellten die Zukunftsperspektiven des künftigen verschärften Wettbewerbes dar.

Von der Lueger-Stadtregierung wurde seinerzeit der Weg von
einer privaten Wiener Gasversorgung, die vor allem von einer englischen Gesellschaft dominiert war, in eine kommunale
Versorgung gewählt. Den bestehenden Unternehmen wurden die Gasrohrnetze abgekauft und die Lieferverträge von der Gemeinde gekündigt.

Heute ist WIENGAS als privatrechtlich organisierte GmbH
operativ tätig. WIENGAS ist eine 100-prozentige
Tochtergesellschaft der WIENER STADTWERKE Holding AG. Die AG ist
zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt Wien.****

WIENGAS Unternehmens-Chronik

o 1818: Erste Gas-Straßenbeleuchtung in Wien mit 25 Gaslaternen
o 1872: Erste Pläne für eine städtische Gasversorgung
o 1896: Der Gemeinderat beschließt die Kommunalisierung der Gasproduktion und –versorgung. Spatenstich zum Bau der vier Gasbehälter in Simmering
o 1899: Inbetriebnahme des Städtischen Gaswerkes in Simmering
o 1911: Das Gaswerk Leopoldau nimmt die Gaserzeugung auf
o 1912: Anschluss des gesamten Wiener Stadtgebietes an die Gasversorgung der Städtischen Gaswerke
o 1962: Löschung der letzten Gaslaterne Wiens
o 1964-68: Entgiftung des Stadtgases
o 1965: Erster Erdgasbezug aus der damaligen CSSR, Einstellung der Kohlengaserzeugung im Werk Simmering
o 1968: Erster Erdgasbezug aus der damaligen UdSSR
o 1970: Beginn der Umstellung von Stadtgas- auf Erdgasversorgung
o 1978: Abschluss der Umstellung von Stadtgas- auf
Erdgasversorgung
o 1986: Inbetriebnahme einer Erdgas-Hochdruckringleitung rund um Wien
o 1991: Neues Firmenlogo "WIENGAS"
o 1992: Erster Erdgasbezug aus Norwegen (Trollfeld)
o 1996: Spatenstich zur Errichtung eines modernen Gasregelsystems ("Gasmanagement") in der Dienststelle Leopoldau
o 1997: Spatenstich für die Neugestaltung der Dienststelle Simmering und des Neubaues der Erdgas-Kernzone Simmering mit
einem zukunftsweisenden Erdgasdispatcher
o 1999: Aufnahme der operativen Tätigkeit als GmbH

WIENGAS und die Gasmarktöffnung

Wie die beiden Geschäftsführer betonten, würde eine sofortige komplette Öffnung des Gasmarktes das soeben erst in die Selbstständigkeit entlassene und mitten in der Umorganisation stehende Unternehmen WIENGAS dramatisch treffen.

Tief greifende Strukturänderungen und Investitionen in Milliardenhöhe zur Optimierung der technischen und operativen Systeme zur Marktanpassung haben einen Mitteleinsatz notwendig gemacht, der die sofortige Marktöffnung mit den Kampfpreisen der hereindrängenden Riesenunternehmen schwer verkraftbar macht.

WIENGAS 2000 - Vorbereitungen für die Zukunft

Mit dem Programm WIENGAS 2000 wurde bereits 1992 der
Grundstein zu einer tief greifenden Unternehmensreform gelegt, die einerseits Strukturänderungen und andererseits eine Ertüchtigung der technischen Einrichtungen zum Ziel hat.

Mittlerweile ist ein Großteil der Umsetzung geschehen, vor
allem im Gasrohrnetzbereich ist die massive und kostenintensive Modernisierung größtenteils abgeschlossen. WIENGAS verfügt mittlerweile über eines der modernsten Gasrohrnetze vergleichbarer Unternehmen - es weist ein durchschnittliches Gasrohralter von 14 Jahren bei einer zu erwartenden Gasrohrlebensdauer von mindestens
50 Jahren auf.

Im Bereich Gasmanagement – also der Übernahme des Erdgases
und der optimierten Zuordnung der Mengen zu den verschiedenen Druckebenen und Verbrauchern – reiht sich das Unternehmen nach der Fertigstellung eines zukunftsweisenden Systems weltweit im Spitzenfeld ein.

Im ehemaligen Werk Leopoldau ist diese mit einem
Kostenaufwand von 365 Millionen Schilling errichtete vollautomatische Anlage bereits fertig gestellt. Die Erdgasmengen werden von der OMV übernommen und durch selbst optimierende Prozessrechner den einzelnen Verbrauchsbereichen zugeordnet und entsprechend den vorgegebenen vereinbarten Abnahmeprofilen angepasst. Gleichzeitig wird - um teures Spitzengas zu vermeiden – die Zuspeisung notwendiger Gasmengen aus den von WIENGAS angemieteten Tiefspeichern geregelt. Kurzfristige geringe Schwankungen der Abgabemengen werden durch Erhöhen oder Senken des Netzdruckes im Hochdrucksystem vollautomatisch aufgefangen. Um
diese dynamische Netzverwendung effektiv durchzuführen, wurde
diese Anlage errichtet. Dadurch kann neben optimalen
Einkaufspreisen vom Lieferanten auch eine optimale Ausnutzung der Gasrohrnetzkapazitäten erreicht werden.

Im ehemaligen Werk Simmering wird das Zentrum des kompletten Gasmanagements für die Stadt eingerichtet. Von hier aus wird demnächst auch die Anlage in Leopoldau ferngesteuert. Mit der Fertigstellung der Anlagen in Simmering ist die Aufrüstung der technischen Infrastruktur des Unternehmens 2001 abgeschlossen.
Die Gesamtprojektkosten werden insgesamt etwa 900 Mio. Schilling betragen.

GNIS - das digitale GasNetzInformationsSystem

Im Bereich der Gasrohrnetzdokumentation ist mit dem im
vergangenen Jahr fertig gestellten Projekt GNIS (GasNetzInformationsSystem) eine optimale Plattform für Unternehmensentscheidungen im Rahmen der Gasrohrnetzinvestitionen geschaffen worden. Durch die digitale Erfassung aller Gasrohrnetzdaten kann auf Knopfdruck die genaue Lage der Gasrohre dreidimensional dargestellt werden. Auch die Grundlagen für Entscheidungen über notwendige Investitionen im Gasrohrnetz können jederzeit ermittelt werden.

Alle diese dargestellten und zum Großteil schon fertig
gestellten Projekte haben, wie die beiden Geschäftsführer ausführten, ein Ziel: Das Überleben des Unternehmens innerhalb der bisher bekannten Rahmenbedingungen der EU Gasmarktrichtlinie abzusichern.

Sofortige Gasmarktöffnung bis zum Haushalt birgt Dramatik für WIENGAS

Die Erwartung der Marktteilnehmer im geöffnetem Markt ist grundsätzlich die der Verbilligung der Produkte - also auch von Erdgas. Obwohl die Marktöffnung laut EU-Richtlinie grundsätzlich nur bis zu Industriekunden mit 5 Mio. m³ Jahresverbrauch - und das in stufenweiser Annäherung über Jahre - gedacht war, erwarten jetzt auch die Haushalte die Marktöffnung.
In diesem Kundensegment der Haushalte kann es jedoch aus Sicht von WIENGAS in Österreich zu keiner wesentlichen Verbilligung der Erdgaspreise kommen. Einerseits hat Österreich schon ein relativ niederes Preisniveau im Vergleich zum übrigen Europa und andererseits sind die Gaseinstandspreise in letzter Zeit geradezu dramatisch gestiegen. In Deutschland haben einige Versorger
bereits konkret für den Jahreswechsel Preiserhöhungen angekündigt.

Durch den relativ schwachen EURO gegenüber dem Dollar und
durch die sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelten Rohölpreise (am 4.1.1999 kostete 1 Barrel Brent Standard 10,89 Dollar,
momentan liegt der Preis dafür bei 23 Dollar mit steigender Tendenz) steigt auch der an die Ölpreise gekoppelte Erdgaseinstandspreis überdurchschnittlich an. Seit Jahresbeginn
ist der Erdgaseinstandspreis um etwa 60 Prozent gestiegen, mit Beginn 2000 wird ein weiterer Anstieg um 15 Prozent erwartet.

Damit muss bei gleich bleibenden Konsumentenpreisen - eine Preiserhöhung in Zusammenhang mit der Marktöffnung wird durch die aggressiv hereindrängenden Großunternehmen kaum möglich sein - mit massiven Einnahmenseinbußen bei WIENGAS gerechnet werden. Es ist daher für das Unternehmen überaus wichtig, dass eine Marktöffnung in geordneten Bahnen und mit einer Anpassungsfrist von einigen Jahren vollzogen wird, um die getätigten Investitionen im Rahmen der geplanten Einnahmen abbauen zu können.

Preissenkungen im Haushalt fallen auch am freien Markt meist nicht dramatisch aus

Die Preissenkung, die nach der Marktöffnung etwa in England
im Haushaltskundenbereich am Stromsektor erreicht wurden, liegt
bei etwa 6,7 Prozent (1996-1998). WIENGAS hat 1998 im Rahmen einer Tarifreform bereits eine Preissenkung von durchschnittlich 6
Prozent an die Konsumenten weitergegeben, die kaum bemerkt wurde.
Es sollte daher, wie die Geschäftsleitung von WIENGAS empfiehlt, von der Politik behutsam mit dem Wecken von Erwartungen bei der Bevölkerung auf dramatische Preissenkungen im freien Erdgasmarkt umgegangen werden. Vor allem durch den geringen Anbietermarkt – es gibt praktisch nur drei oder vier für Europa relevante Gasproduzenten – kann sich kein Markt wie im Strombereich mit den unterschiedlichsten Kraftwerkstypen entwickeln, so die WIENGAS-Manager. (Schluss) wstw

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