• 08.10.1999, 10:43:49
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  • OTS0093

100 Jahre WIENGAS=

Wien, (OTS) Aus Anlass des Hundert-Jahr-Jubiläums von WIENGAS
gaben Komm.Rat Dipl.-Ing. Richard Pöltner, Vorstandsdirektor der
WIENER STADTWERKE Holding AG und Geschäftsführer der WIENGAS GmbH,
und Ing. Mag. Helmut Miksits, Geschäftsführer der WIENGAS GmbH, im
Rahmen eines Pressegespräches einen Überblick über die Geschichte
des Unternehmens und stellten die Zukunftsperspektiven des
künftigen verschärften Wettbewerbes dar.

Von der Lueger-Stadtregierung wurde seinerzeit der Weg von
einer privaten Wiener Gasversorgung, die vor allem von einer
englischen Gesellschaft dominiert war, in eine kommunale
Versorgung gewählt. Den bestehenden Unternehmen wurden die
Gasrohrnetze abgekauft und die Lieferverträge von der Gemeinde
gekündigt.

Heute ist WIENGAS als privatrechtlich organisierte GmbH
operativ tätig. WIENGAS ist eine 100-prozentige
Tochtergesellschaft der WIENER STADTWERKE Holding AG. Die AG ist
zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt Wien.****

WIENGAS Unternehmens-Chronik

o 1818: Erste Gas-Straßenbeleuchtung in Wien mit 25 Gaslaternen
o 1872: Erste Pläne für eine städtische Gasversorgung
o 1896: Der Gemeinderat beschließt die Kommunalisierung der
Gasproduktion und –versorgung. Spatenstich zum Bau der vier
Gasbehälter in Simmering
o 1899: Inbetriebnahme des Städtischen Gaswerkes in Simmering
o 1911: Das Gaswerk Leopoldau nimmt die Gaserzeugung auf
o 1912: Anschluss des gesamten Wiener Stadtgebietes an die
Gasversorgung der Städtischen Gaswerke
o 1962: Löschung der letzten Gaslaterne Wiens
o 1964-68: Entgiftung des Stadtgases
o 1965: Erster Erdgasbezug aus der damaligen CSSR, Einstellung der
Kohlengaserzeugung im Werk Simmering
o 1968: Erster Erdgasbezug aus der damaligen UdSSR
o 1970: Beginn der Umstellung von Stadtgas- auf Erdgasversorgung
o 1978: Abschluss der Umstellung von Stadtgas- auf
Erdgasversorgung
o 1986: Inbetriebnahme einer Erdgas-Hochdruckringleitung rund um
Wien
o 1991: Neues Firmenlogo "WIENGAS"
o 1992: Erster Erdgasbezug aus Norwegen (Trollfeld)
o 1996: Spatenstich zur Errichtung eines modernen Gasregelsystems
("Gasmanagement") in der Dienststelle Leopoldau
o 1997: Spatenstich für die Neugestaltung der Dienststelle
Simmering und des Neubaues der Erdgas-Kernzone Simmering mit
einem zukunftsweisenden Erdgasdispatcher
o 1999: Aufnahme der operativen Tätigkeit als GmbH

WIENGAS und die Gasmarktöffnung

Wie die beiden Geschäftsführer betonten, würde eine sofortige
komplette Öffnung des Gasmarktes das soeben erst in die
Selbstständigkeit entlassene und mitten in der Umorganisation
stehende Unternehmen WIENGAS dramatisch treffen.

Tief greifende Strukturänderungen und Investitionen in
Milliardenhöhe zur Optimierung der technischen und operativen
Systeme zur Marktanpassung haben einen Mitteleinsatz notwendig
gemacht, der die sofortige Marktöffnung mit den Kampfpreisen der
hereindrängenden Riesenunternehmen schwer verkraftbar macht.

WIENGAS 2000 - Vorbereitungen für die Zukunft

Mit dem Programm WIENGAS 2000 wurde bereits 1992 der
Grundstein zu einer tief greifenden Unternehmensreform gelegt, die
einerseits Strukturänderungen und andererseits eine Ertüchtigung
der technischen Einrichtungen zum Ziel hat.

Mittlerweile ist ein Großteil der Umsetzung geschehen, vor
allem im Gasrohrnetzbereich ist die massive und kostenintensive
Modernisierung größtenteils abgeschlossen. WIENGAS verfügt
mittlerweile über eines der modernsten Gasrohrnetze vergleichbarer
Unternehmen - es weist ein durchschnittliches Gasrohralter von 14
Jahren bei einer zu erwartenden Gasrohrlebensdauer von mindestens
50 Jahren auf.

Im Bereich Gasmanagement – also der Übernahme des Erdgases
und der optimierten Zuordnung der Mengen zu den verschiedenen
Druckebenen und Verbrauchern – reiht sich das Unternehmen nach der
Fertigstellung eines zukunftsweisenden Systems weltweit im
Spitzenfeld ein.

Im ehemaligen Werk Leopoldau ist diese mit einem
Kostenaufwand von 365 Millionen Schilling errichtete
vollautomatische Anlage bereits fertig gestellt. Die Erdgasmengen
werden von der OMV übernommen und durch selbst optimierende
Prozessrechner den einzelnen Verbrauchsbereichen zugeordnet und
entsprechend den vorgegebenen vereinbarten Abnahmeprofilen
angepasst. Gleichzeitig wird - um teures Spitzengas zu vermeiden –
die Zuspeisung notwendiger Gasmengen aus den von WIENGAS
angemieteten Tiefspeichern geregelt. Kurzfristige geringe
Schwankungen der Abgabemengen werden durch Erhöhen oder Senken des
Netzdruckes im Hochdrucksystem vollautomatisch aufgefangen. Um
diese dynamische Netzverwendung effektiv durchzuführen, wurde
diese Anlage errichtet. Dadurch kann neben optimalen
Einkaufspreisen vom Lieferanten auch eine optimale Ausnutzung der
Gasrohrnetzkapazitäten erreicht werden.

Im ehemaligen Werk Simmering wird das Zentrum des kompletten
Gasmanagements für die Stadt eingerichtet. Von hier aus wird
demnächst auch die Anlage in Leopoldau ferngesteuert. Mit der
Fertigstellung der Anlagen in Simmering ist die Aufrüstung der
technischen Infrastruktur des Unternehmens 2001 abgeschlossen.
Die Gesamtprojektkosten werden insgesamt etwa 900 Mio. Schilling
betragen.

GNIS - das digitale GasNetzInformationsSystem

Im Bereich der Gasrohrnetzdokumentation ist mit dem im
vergangenen Jahr fertig gestellten Projekt GNIS
(GasNetzInformationsSystem) eine optimale Plattform für
Unternehmensentscheidungen im Rahmen der Gasrohrnetzinvestitionen
geschaffen worden. Durch die digitale Erfassung aller
Gasrohrnetzdaten kann auf Knopfdruck die genaue Lage der Gasrohre
dreidimensional dargestellt werden. Auch die Grundlagen für
Entscheidungen über notwendige Investitionen im Gasrohrnetz können
jederzeit ermittelt werden.

Alle diese dargestellten und zum Großteil schon fertig
gestellten Projekte haben, wie die beiden Geschäftsführer
ausführten, ein Ziel: Das Überleben des Unternehmens innerhalb der
bisher bekannten Rahmenbedingungen der EU Gasmarktrichtlinie
abzusichern.

Sofortige Gasmarktöffnung bis zum Haushalt birgt Dramatik
für WIENGAS

Die Erwartung der Marktteilnehmer im geöffnetem Markt ist
grundsätzlich die der Verbilligung der Produkte - also auch von
Erdgas. Obwohl die Marktöffnung laut EU-Richtlinie grundsätzlich
nur bis zu Industriekunden mit 5 Mio. m³ Jahresverbrauch - und das
in stufenweiser Annäherung über Jahre - gedacht war, erwarten
jetzt auch die Haushalte die Marktöffnung.
In diesem Kundensegment der Haushalte kann es jedoch aus Sicht von
WIENGAS in Österreich zu keiner wesentlichen Verbilligung der
Erdgaspreise kommen. Einerseits hat Österreich schon ein relativ
niederes Preisniveau im Vergleich zum übrigen Europa und
andererseits sind die Gaseinstandspreise in letzter Zeit geradezu
dramatisch gestiegen. In Deutschland haben einige Versorger
bereits konkret für den Jahreswechsel Preiserhöhungen angekündigt.

Durch den relativ schwachen EURO gegenüber dem Dollar und
durch die sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelten Rohölpreise
(am 4.1.1999 kostete 1 Barrel Brent Standard 10,89 Dollar,
momentan liegt der Preis dafür bei 23 Dollar mit steigender
Tendenz) steigt auch der an die Ölpreise gekoppelte
Erdgaseinstandspreis überdurchschnittlich an. Seit Jahresbeginn
ist der Erdgaseinstandspreis um etwa 60 Prozent gestiegen, mit
Beginn 2000 wird ein weiterer Anstieg um 15 Prozent erwartet.

Damit muss bei gleich bleibenden Konsumentenpreisen - eine
Preiserhöhung in Zusammenhang mit der Marktöffnung wird durch die
aggressiv hereindrängenden Großunternehmen kaum möglich sein - mit
massiven Einnahmenseinbußen bei WIENGAS gerechnet werden. Es ist
daher für das Unternehmen überaus wichtig, dass eine Marktöffnung
in geordneten Bahnen und mit einer Anpassungsfrist von einigen
Jahren vollzogen wird, um die getätigten Investitionen im Rahmen
der geplanten Einnahmen abbauen zu können.

Preissenkungen im Haushalt fallen auch am freien Markt
meist nicht dramatisch aus

Die Preissenkung, die nach der Marktöffnung etwa in England
im Haushaltskundenbereich am Stromsektor erreicht wurden, liegt
bei etwa 6,7 Prozent (1996-1998). WIENGAS hat 1998 im Rahmen einer
Tarifreform bereits eine Preissenkung von durchschnittlich 6
Prozent an die Konsumenten weitergegeben, die kaum bemerkt wurde.
Es sollte daher, wie die Geschäftsleitung von WIENGAS empfiehlt,
von der Politik behutsam mit dem Wecken von Erwartungen bei der
Bevölkerung auf dramatische Preissenkungen im freien Erdgasmarkt
umgegangen werden. Vor allem durch den geringen Anbietermarkt – es
gibt praktisch nur drei oder vier für Europa relevante
Gasproduzenten – kann sich kein Markt wie im Strombereich mit den
unterschiedlichsten Kraftwerkstypen entwickeln, so die WIENGAS-
Manager. (Schluss) wstw

Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz: www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Elga Martinez-Weinberger
Tel.: 4000/81 844

e-mail: [email protected]

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