• 07.10.1999, 09:50:36
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  • OTS0063

Was sucht der Wiener im Wienerwald?=

SPERRFRIST 12.30 UHR Svihalek präsentiert Studie des Forstamtes Wien

Wien, (OTS) Wien und der Wienerwald: das ist schon etwas
Besonderes. Unzählige Dichter, Schriftsteller, Maler und Musiker
haben versucht, die Stimmung dieses Waldes einzufangen. Er ist das
beliebteste Ausflugsziel der Wienerinnen und Wiener und bedeckt
ca. zwanzig Prozent des Stadtgebietes - für eine Großstadt etwas
Einmaliges. Im Auftrag des Forstamtes der Stadt Wien wurden nun in
einer Langzeitstudie seit 1989 in über acht Jahren die
unterschiedlichen Nutzungsinteressen am Wienerwald vom Institut
für Sozioökonomik der Forst- und Holzwirtschaft der Universität
für Bodenkultur (Projektleiter: Dipl.-Ing. Mag. Dr. Michael
Pregernig) erforscht. Anlässlich der ebenfalls von der MA 49
veranstalteten internationalen Konferenz "Stadtnahe
Erholungswälder" wurden die Ergebnisse dieser Studie von
Umweltstadtrat Fritz Svihalek in einer Pressekonferenz
präsentiert: "Der Wienerwald ist weltweit etwas Einzigartiges für
eine Großstadt und ein Markenzeichen für Österreichs
Bundeshauptstadt. Die Studie soll allen, die sich mit dem
Wienerwald beschäftigen, helfen, die gesellschaftlichen Änderungen
und den mentalen und emotionalen Wandel in Bezug auf den
Erlebnisraum Wald zu erkennen", erläuterte Stadtrat Svihalek. Mit
dem Wissen über die neuen Strömungen im Freizeitverhalten der
Städter kann das Forstamt Wien in Zukunft noch besser auf die
Wünsche der Bevölkerung eingehen und Konflikte zwischen einzelnen
Interessensgruppen erkennen.****

21 Millionen Menschen besuchen jährlich den Wienerwald

21 Millionen Menschen suchen jährlich zum Zwecke der
Entspannung sowie der sportlichen Betätigung den Wienerwald auf.
Bei den Interviews zu der Studie wurde zu Beginn stets die Frage
gestellt, ob die Interviewpartner den Wienerwald zum Zwecke der
Erholung besuchen. Im langjährigen Durchschnitt bejahten 68
Prozent aller Befragten dies. Dieser hohe Prozentsatz zeigt, dass
der Wienerwald für die Wiener Stadtbevölkerung als Erholungs- und
Freizeitgebiet eine sehr bedeutende Rolle einnimmt. Von den
Autoren der Studie wurden sechs "Besuchertypen" des Wienerwaldes
herausgefunden: der "Naturbeobachter" (21%), der "Sportlich-
Unbekümmerte" (10%), der "Bewegungsliebende"(23%), der "Bequeme"
(14%), der "Gesellige" (16%) und der "Naturschützer"(16%).

Welche Aktivitäten werden nun von diesen "Besuchertypen" in
welchem Ausmaß betrieben? Spazieren gehen (95% ), Naturbeobachten
(79%) und das Einkehren in Gasthäusern (75%) sind die häufigsten
Aktivitäten der BesucherInnen. Die Trendsportarten wie
Mountainbiken (34%), Joggen (24%) und Reiten(5%) verzeichnen zwar
regen Zulauf, sind jedoch hinter den extensiveren Nutzungsformen
deutlich abgeschlagen.

Bei der Frage, ob die Menge an Erholungseinrichtungen
ausreichend ist, ist die Beantwortung je nach Nutzungsinteressen
der BesucherInnen unterschiedlich. Es gibt ein sehr breites
Anforderungsspektrum. Am Beispiel der Bänke soll dargestellt
werden, wie unterschiedlich die Zahl der Freizeiteinrichtungen
gesehen wird: Die überwiegende Mehrheit der Besucher (61%)
bezeichnen die Anzahl der Bänke als ausreichend. Differenziert man
nun die 39% der mit der Anzahl Unzufriedenen nach
Nutzungskategorien, stellt sich heraus, dass dies vor allem
Spaziergänger, Liegewiesenbenützer und Hundebesitzer sind. Jene
Personen, welche Sport betreiben, wie etwa Radfahrer und Jogger,
zeigen sich hingegen mit der Menge an gebotenen Sitzgelegenheiten
deutlich zufriedener. Bei den anderen Einrichtungen zeigt sich,
dass die Besucher sich z.B. mehr Spielplätze (28%), Wegweiser
(37%), Naturlehrpfade (39%) und WC Anlagen (58 %) wünschen würden.
30% der Befragten sind mit dem Zustand der Spielplätze, 31 % mit
dem der Wegweiser und 52% mit dem der WC-Anlagen unzufrieden.
Das Auto ist noch immer das Anreisemittel Nummer eins mit 62%
(1997) und der Trend ist steigend. Das Benutzen der öffentlichen
Verkehrsmittel ist über die Jahre hindurch etwa gleich geblieben
und liegt bei 43% (1997).

Studie zeigt Konfliktpotentiale im Wienerwald: Wer stört
wen im Wienerwald?

Die Studie zeigt auf, dass viele Konflikte zwischen den
WaldbesucherInnen aufgrund von unterschiedlichen Interessen und
unterschiedlichen Werthaltungen entstehen. Während für die eine
Gruppe von Waldbesuchern ihr eigenes Verhalten als
selbstverständlich erscheint, mag es andere Besucher entschieden
stören. Es ist oft nicht einmal eine "direkte" Beeinträchtigung
einer Aktivitätsgruppe durch eine andere notwendig, um eine
Störung hervorzurufen. Ein Beispiel dafür ist, dass Montainbiker
schon oft allein durch ihr Erscheinen den Unmut der Passanten auf
sich ziehen. Durch das Wissen um derartige Konfliktmuster können
in weiterer Folge gezielte Maßnahmen - etwa raumplanerischer Natur
- überlegt werden, um besonders häufig auftretende
Nutzungskonflikte und Spannungspotentiale der Waldbesucher
untereinander zu reduzieren. Bezüglich der Montainbiker sind 1999
in einer Kooperation zwischen Forstwirtschaft und Tourismus
bereits vierzig gekennzeichnete Mountainbike-Routen mit insgesamt
neunhundert Kilometer Länge durch den Wienerwald geschaffen
worden. Damit soll u.a. ein Beitrag geleistet werden, das Rad
fahren im "Grünen" in geordnete Bahnen zu lenken.
Der Störfaktor "Rad fahren" ist jener, der die größten Konflikte
zwischen den Waldbesuchern verursacht. Im Durchschnitt aller
Befragten geben über ein Drittel - genau 39,4% - an, die Radfahrer
als bedeutende Störquelle zu empfinden. Dieses Empfinden ist aber
keineswegs bei allen Waldbesuchern gleich stark ausgeprägt,
sondern es gibt erhebliche Unterschiede: vor allem hinsichtlich
des Alters der Besucher als auch der Tätigkeiten, die von den
jeweiligen Personen ausgeübt werden. In dem Maße, in dem der
Anteil der aktiven Radfahrer an einer Altersgruppe sinkt, nimmt
bei dieser auch die Akzeptanz den Radfahrern gegenüber ab. Jene
Personen, die im Wienerwald Sportarten wie Joggen, Reiten oder
eben Rad fahren ausüben, fühlen sich durch Rad fahrer am wenigsten
gestört. Hier kommt ein gewisser Solidarisierungseffekt zum
Tragen.

Hunde spielen heute als Störfaktor im Wienerwald eine
geringere Rolle als noch vor zehn Jahren. Im Durchschnitt fühlen
sich aber noch immer 26% der Besucher von Hunden gestört.
Einerseits basiert dieses "Störempfinden" bei vielen Passanten auf
schierer Angst vor fremden Hunden, andererseits löst lautstarkes
Bellen sowie Hundekot vielfach Irritationen aus. Reiter fühlen
sich besonders durch die große Menge an Spaziergängern (24%) und
durch die jagdliche Nutzung (45%) gestört. Ein erheblicher Teil
der Spaziergänger (22%) empfindet andere Spaziergänger als
Störquelle. Dies in der Regel nicht durch das Verhalten der
Spaziergänger, sondern vielmehr durch ihr Auftreten in Massen. In
diesem Fall entsteht der Konflikt durch die räumliche Überlastung
des Erholungsgebietes.

Bei den so genannten "externen Störquellen" sehen mehr als
zwei Drittel der Befragten (89%) derzeit den Abfall als Störfaktor
Nummer eins (1988 waren es 57%). Besonders jene Waldbesucher, die
im Wald Ruhe und körperliche Erholung suchen, wie Naturbeobachter,
Spaziergänger und Besucher von Sehenswürdigkeiten, zeigen sich mit
der derzeitigen Situation besonders unzufrieden. Personen, die
vorwiegend sportliche Aktivitäten, wie Joggen, Radfahren oder
Reiten ausüben, geben in einem geringeren Ausmaß an, sich durch
Abfälle gestört zu fühlen.

Die vorliegende Studie zeigt dem Forstamt Wien wie sich ihre
Zielgruppen im Wienerwald verhalten, wie sie über ihn denken und
was sie bewegt. Dieses Wissen ist die Grundlage, um in Zukunft
besser auf die Menschen eingehen zu können und gezielt
Arbeitsschwerpunkte zu setzen.

Forstamt Wien legt im Wienerwald neue Arbeitsschwerpunkte
fest

Von den Wienerwaldbesuchern besteht eine große Nachfrage nach
Information und fachkundig geführten Wanderungen. Das ist eine der
Hauptaussagen der Studie. Das Forstamt Wien errichtet deshalb im
Lainzer Tiergarten einen Informationspavillon, der im Frühjahr
2000 eröffnet werden soll. Von diesem Gebäude aus werden
naturkundliche Wanderungen und Spezialführungen für botanisch
Interessierte, Wildtierfotografen und Fledermausliebhaber
angeboten. Videos über dieses einzigartige Naturschutzgebiet im
Wienerwald sind ebenfalls im Entstehen.

Mit der professionellen Betreuung der Stadtwanderwege durch
einen eigenen Referenten wird der Zustand des Wegenetzes im
Wienerwald laufend kontrolliert und verbessert. Neue
Sitzmöglichkeiten sowie die Erneuerung der durch Vandalismus
zerstörten Naturlehrpfade und Waldklassenzimmer (Ottakringerwald)
sind geplant. Die Kontrolle der Spielplätze und die flächige
Reinigung der Erholungsgebiete wird weiter intensiviert. Für
Stadterweiterungsgebiete gestaltete das Forstamt attraktive
Erholungsflächen, die in den übergeordneten Grüngürtel der Stadt
eingefügt werden.

Die Studie "Die Wiener und ihre Wälder" ist beim Forstamt der
Stadt Wien, Volksgartenstraße 3, 1016 Wien (Tel. 4000/979 22) um
150 Schilling erhältlich.

Erholungswälder: Das Forstamt Wien fördert Dialog mit
Osteuropa

Anlass für die Präsentation der Studie "Die Wiener und ihre
Wälder" ist ein Symposium, auf dem achtzig Forstexperten aus acht
Nationen vom 7. - 8. Oktober auf Einladung des Forstamtes der
Stadt Wien über die Frage der Bewirtschaftung "Stadtnaher
Erholungswälder" diskutieren. Die Teilnehmer wurden überwiegend
aus osteuropäischen Ländern eingeladen wie Bulgarien, Ungarn,
Tschechien und Slowakei. Es kommen aber auch Forstexperten aus
Deutschland und Griechenland. Das Forstamt der Stadt Wien nimmt in
der Bewirtschaftung von Erholungswäldern in Europa eine
Vorreiterrolle ein und möchte durch dieses Symposium den
Gedankenaustausch und die Zusammenarbeit unter diesen Staaten
fördern. (Schluss) ma
BITTE SPERRFRIST BEACHTEN

Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz: www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Renate Marschalek
Tel.: 4000/81 070

e-mail: [email protected]

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